Künstler auf dem Radar
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Samstag, 24. Januar 2015, 00:00 Uhr

AnnenMayKantereit

Künstler, die man auf dem Radar haben sollte

Ohne Management, ohne Label und ohne professionell ausproduziertes Studioalbum hat es die Band geschafft einen Hype loszutreten, wie es ihn in Deutschland selten gab.

Wenn Henning May so herzzerreißend singt, dann könnte man denken, dass er in seinem Leben nichts als Qualen durchlitten hätte. Seit 50 Jahren. Dabei ist er gerade einmal Mitte zwanzig und sieht nicht so aus wie er klingt. Nämlich wie Rio Reiser oder Tom Waits.

Die kleine Band um Henning, Christoph Annen und Severin Kantereit formiert sich nach Jam-Sessions im Park. Sie kennen sich jedoch alle schon aus der Schule. Mehrere Monate verdienen sie ein bisschen was nebenbei, als Straßenmusikanten in der Kölner Innenstadt. „I Wanna Be Like You“ aus dem Dschungelbuch gehört dabei zu den Evergreens. Auch heute spielen sie den Song noch als Zugabe.



Irgendwann fällt dann die Entscheidung ein Album zu Machen. Da das teuer ist und man als Fußgängerzonenmusiker nicht reich wird entsteht das Album im kleinen Kreis und über einen langen Zeitraum. Bis die Songs zufriedenstellend und schließlich fertig sind, dauert es teils Monate.

Ein Freund kümmert sich um die Technik, eine Freundin stellt ihre Galerie zur Verfügung, als die Buben und ihre Technik vom Regen vertrieben werden. Eine Hälfte des Albums entsteht komplett draußen. „Ist doch schön, sein Album aufzunehmen und dabei in den Himmel zu schauen.“, sagt Henning in einem Interview.



In zwei Tagen ist das ganze Album im Kasten. Zeit, Shows zu spielen. Ein befreundeter Booker hilft ihnen kleine Gigs zu bekommen. Überall, wo sie auftreten hinterlassen sie offene Kinnladen und leere Merch-Stände. Mittlerweile ist ihr Album komplett ausverkauft. Restlos.

Über 50 Tausend Facebookfans haben die Kölner jetzt schon und damit wahrscheinlich mehr digitale Follower, als Menschen, die jemals ein Konzert von ihnen besucht haben. Weil die Shows immer größer werden und somit auch die Fanbase. Durch Mundpropaganda und selbstgedrehte Videos werden AnnenMayKantereit zu einem Phänomen. Clueso nimmt sie als Vorband mit auf Tour, dann die Beatsteaks. Sie treten auch bei Joko und Klaas auf. Nicht aber in der Telefonzelle, wo die ganzen Newcomerbands landen, sondern auf der großen Bühne, wo Angus & Julia Stone und die Black Keys schon ihre Alben promotet haben.



Klar, der erste Faktor, warum diese Band im Ohr bleibt ist Hennings Stimme. Die kratzt und brummt in den tiefsten Lagen. Aber auch die Instrumentierung bringen einen frischen Schwung an alten Sounds aus Jazz, Soul, Blues, Rock und Pop in die deutsche Musikszene. Die Texte: weder pseudointellektuell noch nichtssagend.

Das Wettbieten der Labels scheint begonnen zu haben. Man lässt intern nichts verlauten, immer ein Zeichen, dass sich im Hintergrund große Mühlen mahlen. Nur so viel: Ja, es kommt eine neue EP im Frühjahr. Und ja: Ein komplettes Album gibt es dann 2016. Wir haben die Jungs jetzt schon auf dem Radar, und ihr solltet das auch tun. Die werden groß!



Ihr habt die Chance, AnnenMayKantereit live zu sehen, denn wir nehmen euch mit zu den ausverkauften Shows. Am 20. Februar ins E-Werk nach Erlangen und am 24. Februar ins Muffatwerk in München.

Bildquelle: AnnenMayKantereit || Facebook