Lieblingstonträger

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Montag, 13. März 2017, 00:00 Uhr

The Shins - Heartworms

Der Lieblingstonträger der Woche

Wiederhörensfreude mit alten Freunden: The Shins veröffentlichen nach fünf Jahren mal wieder ein neues Album - und kommen leicht fremd vor.

Das Fremdeln könnte eine verspätete Reaktion darauf sein, dass James Mercer, Hirn der Shins, die komplette Band einmal ausgetauscht hat: Seit Wincing The Night Away (2007) ist er das einzig verbleibende Bandmitglied. Die Veränderung hat man auch schon auf dem letzten Album Port of Morrow (2012) hören können, aber wohl nicht ganz wahrhaben wollen. Das Interessante daran ist: Die Qualität leidet kein bisschen. Auf Heartworms ist einwandfreier Gitarren-Pop zu hören. Was fehlt ist das Irre, absichtlich Verfremdete. Die große Ausnahmen ist "Dead Alive", die erste Single-Auskopplung des Albums, die passend zu Halloween veröffentlicht wurde.



Die Vielfalt an Klängen und Gefühlen ist allerdings bemerkenswert. Der Opener "Name For You" zum Beispiel wäre der perfekte Track, um im Fernsehen für Mobilfunkanbieter oder Schokoriegel zu werben. "Painting a Hole" klingt wiederum nach dem Versuch, die Leute auszutricksen und eine Inspiration durch Tame Impala vorzugaukeln. Das verschrobene "Fantasy Island" weckt zum ersten Mal auf dem Album ein Gefühl der Vertrautheit. "Mildenhall" wiederum gibt einem die Idee eines alternativen Universums, in dem sich The Shins, die sich in Albuquerque gründeten, nie dazu entschlossen haben, Indie-Pop, sondern Country zu komponieren (abgefahren).
Mit "So Now What" hat auch eine gelungene, epochale Hymne aufs Album gefunden, die das Potenzial zum Lieblingssong hat. Auch der letzte Track "The Fear", der üppig mit Percussions ausgestattet ist, überzeugt - obgleich er weniger ein The Shins, sondern vielmehr ein Radiohead-Song ist.

Fazit: Heartworms ist ein solides Album, an dem man sicher nicht meckern kann - wenn man The Shins nicht schon seit Oh, Inverted World (2001) verfolgt. Andernfalls beschleicht einen das leicht unangenehme Gefühl, irgendwie aus der Musik rausgewachsen zu sein. Der düstere Vorbote des neuen Albums, "Dead Alive", sticht allerdings heraus und hat dezent falsche Hoffnungen gemacht.

Doch so ist das eben, mit sehr guten Freunden, die man jahrelang nicht gesehen hat: Man würde sich mehr mögen, wenn man sich nicht schon Ewigkeiten kennen würde.

Tracklist: The Shins - Heartworms
01. Name for Youtheshins heartworms cover

02. Painting a Hole

03. Cherry Hearts

04. Fantasy Island

05. Mildenhall

06. Rubber Ballz

07. Half a Million

08. Dead Alive

09. Heartworms

10. So Now What

11. The Fear


Heartworms von The Shins wurde am 10. März 2017 via Smi Col (Sony Music) veröffentlicht.



Bildquelle: Heartworms Cover | Sony Music
Bildquelle Balkonbild: facebook | The Shins

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