Lieblingstonträger
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Dienstag, 02. Mai 2017, 00:00 Uhr

Gorillaz - Humanz

Der Lieblingstonträger der Woche

Sieben Jahre mussten wir auf ein neues Album der Gorillaz warten, nur um dann festzustellen, dass wir zu dumm geworden sind, es wirklich genießen zu können.

Für Humanz muss man nämlich allerlei Zeit und Geduld mitbringen - zwei Güter, die in Zeiten von Glasfaser und Insta-Stories völlig ihre Daseinsberechtigung verloren haben. Nicht gerade hilfreich ist dabei die ellenlange Liste an Features. Für den neuen Streich hat sich das Genie Damon Albarn (der menschliche Wirt des Gorillaz-Frontmannes 2D) nämlich wieder einmal allerlei Verstärkung geholt und das aus allen möglichen Genres und Bekanntheitsgraden: De La Soul, Grace Jones, Mavis Staples, Benjamin Clementine, Jehnny Beth, Zebra Katz, Popcaan, Vince Staples, Danny Brown, Pusha T, Kelela, Kilo Kish, D.R.A.M. - die Liste ließe sich wirklich noch um einige bekannte Namen fortführen.

Mit Humanz zeigt Damon Albarn damit mehr denn je, wie gut er sich als Kurator macht.




Mit Zeilen wie...


Don't worry, my friend If this be the end, then so shall it be Until we say so, nothing will move Ah, don't worry It's not against our morals It's legally tender Touch my friend While the whole world And whole beasts of nations desire Power

...teilte schon die erste Single-Auskopplung dezent gegen Trump aus, der in Albarns Augen Gefährder der Menschlichkeit schlechthin ist. Mit Humanz wollte der Gorillaz Frontmann eine dystopische Vision erzählen, die die Welt im Falle von Trumps Sieg beschreibt (schon lange vor dem tatsächlichen Geschehnis). Im Fokus die Frage: Was würde dies aus unserer Menschlichkeit machen?

An die klassische, Hoffnung spendende "Hey, gemeinsam können wir alles schaffen"-Hymne wurde trotzdem gedacht. So singt Stuart "2D" Pot im Duett mit der wunderbaren Jehnny Beth von den Savages...

We've got the power to be loving each other no matter what happens, we've got the power to do that.
Wohooo, Liebe!



Letztlich wurde das neue Album dann aber doch weniger politisch, als man es nach der ersten Single "Hallelujah Money" hätte denken können. Die Botschaften werden von pumpenden Beats und Synthesizern überdeckt, bestes Beispiel ist das absurd fette "Momentz" feat. De La Soul - statt zu heulen geht es stimmungsmäßig eher in den Club.
Mit 26 Tracks, die 1 Stunde und 9 Minuten zusammenbringen, wäre ein rein politisches Album für unsere heutigen Geister, die aufgeweicht von unterhaltsamen GIFs und Spaßvideos gerade mal noch so um die zehn Sekunden Aufmerksamkeitsspanne erübrigen können, auch viel zu anspruchsvoll. Da geht ja schon die Länge des Videos zu "Saturnz Barz" an unsere Grenzen.



Nun hat man ein Album - ein in seiner Gesamtheit sehr, sehr gutes Album - und kann doch nicht wirklich was damit anfangen. Es ist zu lang, um es auf dem durchschnittlichen Arbeitsweg zu hören, zu komplex, um es sich zum Dösen reinzupfeifen und zu tanzanimierend, um es bei einer guten Runde unter Freunden ernst zu diskutieren. Damon Albarn scheint sich selbst übertroffen zu haben - womit er uns heillos überfordert.

Tracklist: Gorillaz - Humanz
1. Ascension feat. Vince Staplesgorillaz humanz gif
2. Strobelite feat. Peven Everett
3. Saturnz Barz feat. Popcaan
4. Momentz feat. De La Soul
5. Submission feat. Danny Brown & Kelela
6. Charger feat. Grace Jones
7. Andromeda feat. D.R.A.M.
8. Busted and Blue
9.  Carnival feat. Anthony Hamilton
10. Let Me Out feat. Mavis Staples & Pusha T
11. Sex Murder Party feat. Jamie Principle & Zebra Katz
12. She’s My Collar feat. Kali Uchis
13. Hallelujah Money feat. Benjamin Clementine
14. We Got The Power feat. Jehnny Beth

Bonusmaterial auf der Deluxe Edition:

15. The Apprentice feat. Rag’n’ Bone Man, Zebra Katz & RAY BLK
16. Halfway To The Halfway House feat. Peven Everett
17. Out Of Body feat. Kilo Kish, Zebra Katz & Imani Vonshà
18. Ticker Tape feat. Carly Simon & Kali Uchis
19. Circle Of Friendz feat. Brandon Markell Holmes


Humanz von den Gorillaz erscheint am 28.04.2017 via Warner Music.