Lieblingstonträger
wanda_niente
Montag, 09. Oktober 2017, 00:00 Uhr

Wanda - Niente

Der Lieblingstonträger der Woche

Obacht, das dritte Album der Wandas könnte euer Weltbild erschüttern - die können nämlich nicht nur Bierzeltschunkelhymnen, sondern auch einfühlsam, in sich gekehrt und sogar klischeehaft verträumt sein.

Nichtsdestotrotz fühlt man sich als eingefleischter Wanda-Fan direkt beim ersten Track "Weiter, weiter" abgeholt: Die typischen Melodien und Songschemata sind trotz größerer Träumerei auch bei Niente zu hören. Wanda selbst sagen zu ihrem dritten Album, dass sie es damit zum ersten mal tatsächlich geschafft hätten, ein wirkliches Album zu kreieren. Vorher wären es nur einfache Songsammlungen gewesen. Stimmt - Niente erzählt Geschichten, denen man gerne folgt und kommt darüber hinaus auch noch mit einer Variation von Klängen daher. Was vorher ein Graus war, ist nun problemlos möglich: das chronologische Durchhören aller Albumtitel, ohne von stets gleichen Melodien gelangweilt zu sein. Und das bei 15 Titeln (wir zählen die beiden letzten Live-Versionen mal nicht mit).

Sehnsucht, Liebesschmerz, die Verzweiflung darüber, das Leben einfach nicht in den Griff zu bekommen und Nostalgie - all das wird auf Niente berarbeitet.

Traurig schöne Kindheit in 0043
- singt Marco Michael Wanda in der ersten überraschenden SIngleauskopplung "0043" in einer verblüffend ungewohnt hohen Stimme, die von flächigen, hallenden Keyboard-Akkorden begleitet und mit Streichern und Piano verziert wird.
Dabei ist es absurd, wie viel Mitgefühl man plötzlich beim Betrachten der sehnsuchtsvollen Mimik des Frontmannes entwickelt.


Auf "Ein letztes Wienerlied" versucht sich Marco Michael Wanda an einer Deutsch/Englischen-Ballade. Im Kopf bildet beim Anhören prompt das Bild eines großzügigen Barockzimmers, das nichts außer einem abgenutzten Flügel, einer halbleeren flasche Wein und der tragischen Figur des Marco Michael Wanda birgt. Thematisch nahtlos fügt sich daran der Track "Ich sterbe". Herrje, wie viel Tragik kann ein Mensch in sicht tragen. Zum Glück folgt "Lasciarsi è una pazzia", das einfache Übersetzer mit "Verlassen ist ein Wahnsinn" übersetzen, sinngemäß jedoch viel mehr die italienische Version von "Auseinander gehen ist schwer" ist, der auch auf dem Debütalbum kredenzt wurde - wie gemacht für den italienischen Klischeekurzurlaub. Wenn ihr dabei dann mal nachts nach dem Saufgelage zur Herberge frustriert-beschwingten heimtänzelt, empfiehlt sich "Wenn du weißt, wo du herkommst".

Somit ist Niente ein Album, das den Fans ein größeres Spektrum bietet und denjenigen, die Wanda vorher als einfache Bierzeltschunkelband abgetan haben, das halbe Gegenteil beweist. Ob das reicht, um Frieden zu schließen - hmnja. Eher nicht. Aber was wollen Wanda auch mit Leuten, die nichts von ihnen halten. Das ist denen doch eh wurscht.

Tracklist: Wanda - Niente01. Weiter, weiterwanda niente cover
02. Columbo
03. 0043
04. Lieb sein
05. Wenn du schläfst
06. Schottenring
07. Lascia mi fare
08. Das Ende der Kindheit
09. Café Kreisky
10. Einfacher Bua
11. Ein letztes Wienerlied
12. Ich sterbe
13. Lasciarsi è una pazzia
14. Wenn du weißt, wo du herkommst
15. Gemeinsam rosarot
16. Meine beiden Schwestern - Live @ Gurtenfestival 2016
17. Ich will Schnaps - Live @ Gurtenfestival 2016

Niente von Wanda wurde am 6. Oktober 2017 via Universal Music veröffentlicht.


Bildquelle: Cover Niente | Universal