Lieblingstonträger
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Montag, 18. September 2017, 00:00 Uhr

Angus & Julia Stone - Snow

Der Lieblingstonträger der Woche

Oh Pardon, sagten wir bereits zum dritten Album des Geschwisterpaares, es wäre ihr bestes Album? Wir meinten natürlich: Das vierte Album ist das beste Album des Geschwisterpaares!

Drei Jahre und anderthalb Monate sind zwischen dem selbstbetitelten Angus & Julia Stone und Snow vergangen, groß verändert haben sich die beiden allerdings nicht, obwohl ihr viertes Album ganz klar in der bisherigen Diskografie hervorsticht, ja geradezu einen Peak an Qualität erreicht hat, was man allerdings endgültig erst nach Veröffentlichung des fünften Albums ganz sicher sagen kann. Die reine Essenz dessen, was die Geschwister am Besten können (Folk-Pop für staubige Tagträume) kommt auch auf Snow wieder bestens zutage, wobei man hier eher von nächtlicher Schlummerei, als täglichen Träumens reden müsste. Der Klang ist nämlich düsterer geworden. Düsterer, nostalgischer, herzzerreißender.



Neben super Promobildern wurde auch dieses Mal wieder viel auf Vintage gesetzt. So rattert der Synthesizer zu Beginn vom Titeltrack los und gibt damit nicht nur den Takt, sondern auch das Retro-Feeling vor, das euch während des ganzen Albums begleiten wird. In dieses Schema passt auch "Chateau", die bisher stärkste Single-Auskopplung und auch sonst einer der besten Songs des Albums. Es handelt sich hierbei um eine Hommage an die Skandalabsteige Hollywoods, das Chateau Marmont. Auch wenn man dem australischen Geschwisterpärchen die Rockstarattitüde eher weniger abkauft.



Ganz weit vorne dabei ist auch der fünfte Track "Sleep Alone" mit wabernden Synthesizern, hochgepitchten Gesangselementen und dem angetäuschten Schluss bei Minute 3:20. An Erfinderreichtum hat es bei Snow nicht gemangelt: Es gibt so viel zu entdecken und kein Song gleicht vom Kernelement her dem anderen. Auch für "Who Do You Think You Are" hat Angus Stone seine Vintage-Synthesizer wieder ausgepackt, bei "Bloodhound" steht ein schrilles Gitarrenriff im Mittelpunkt, in "My House Your House" wiederum ist es der instrumentale Ausbruch gen Ende, der den Song perfekt für jedes Finale einer Live-Show macht. Der emotionale Höhepunkt wird mit "Baudelaire" angestimmt, der mit einer Zeile aus "My House Your House" beginnt und ein Song über eine tragisch zerbrechende Beziehung (keiner von beiden will es, doch aus Gründen muss es) ist. Dort reißt allein schon über die Melodie am Herz. Der ruhige "Sylvester Stallone" macht es nicht besser, sodass der Hörer letztendlich mit wunder Seele zurückgelassen wird.
Snow ist das perfekte Album für unsichere Liebenden und Liebende auf der Kippe. Herzschmerz, Sehnsucht, Nostalgie, literarische Referenzen, düstere Nächte - Jim Jarmusch könnte die Themen und Befindlichkeiten aus Snow einfach klauen und verfilmen und keinem würde es auffallen. Selbst die Tatsache, dass es irgendwie komisch ist, mit dem Bruder Liebesduette zu singen die auch noch glaubwürdiger als die von manch einem anderen, echten Pärchen sind, würde sich bestens als Filmmotiv bieten.

Achja, Julia and Angus Stone... die beiden sind schon irgendwie merkwürdig in ihrer Beziehung zueinander. Doch zumindest haben es die beiden nun doch noch vom One-Indie-Hit-Wonder zur Veröffentlichung konstant guter Alben geschafft. Zu danken ist dafür übrigens Rick Rubin, seines Zeichens legendärer Produzent. Als dieser mit dem Geschwisterpaar am selbstbetitelten Vorgängeralbum arbeitete, lag er Julia und Angus nahe, ihren Arbeitsprozess zu verändern - bislang schrieben die beiden nämlich einzeln an Songs, ab dem dritten Album taten sie es zusammen. Ja gut, das macht die ganze Geschwisterliebe-Chose natürlich noch ein bisschen merkwürdiger, aber es hat zumindest was in der Statik der beiden gebracht: Die einzelnen Gesangsparts sind weniger versteift und gehen mehr aufeinander ein.

Geht da noch mehr? Fraglich. Denn die Weigerung, sich dem Strömen der Zeit hinzugeben und stets mit alten Algorithmen zu arbeiten, geht nicht lange gut. Es ist überhaupt wunderlich, dass es Angus & Julia Stone auf die Weise so lang durchgehalten und weit geschafft haben und tatsächlich ein noch besseres Album raushauen konnten. Doch wer weiß, immerhin ist niemand so gut darin, ohne Überraschung zu überraschen, wie diese zwei Australier.

Tracklist: Angus & Julia Stone - Snow01. Snow angusjuliastone snow cover

02. Oakwood

03. Chateau

04. Cellar Door

05. Sleep Alone

06. Make It Out Alive

07. Who Do You Think You Are

08. Nothing Else

09. My House Your House

10. Bloodhound

11. Baudelaire

12. Sylvester Stallone


Snow von Angus & Julia Stone wurde am 15. September 2017 via Universal Music veröffentlicht.


Bildquelle Titelbild: Cover Snow | Universal Music
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