Lieblingstonträger
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Montag, 25. September 2017, 00:00 Uhr

Shout Out Louds - Ease My Mind

Der Lieblingstonträger der Woche

Es ist eine gute Zeit für Leute, die gerne in einer anderen Zeit leben: Mit den Shout Out Louds lässt nun eine weitere Band, die in den 00ern die Indieszene bestimmt hat, Neues von sich hören. Alles beim Alten blieb dabei allerdings kaum was.

Seit 2001 gibt es die Formation bereits, damals allerdings noch unter dem Namen Luca Brasi. Weil dieser aber nicht nur semigut, sondern auch noch super vergeben war, haben ihn die Schweden kurzerhand abgelegt und sich in das exklamatorische Shout Out Louds umbenannt. Das passte natürlich ziemlich gut zum Zeitgeist unserer ängstlichen Teenagerichs, was die Liebe und Relevanz der Band nochmal steigerte.

Nun, 16 Jahre und fünf Alben später, ist der Geist dieser Zeit zwar ebenso verwaschen wie die schwarzen Röhrenjeans, an Relevanz haben die Shout Out Louds allerdings nichts einbüßen müssen. Doch vorweg: Derartige Hymnen wie einst "Please, Please" sind auf Ease My Mind erstmal nicht vorhanden, allerdings ist dies eher eine Sache der Perzeption, denn immerhin ist nicht nur die Band, sondern jeder von uns älter geworden und der Song wurde damals recht leicht zur Hymne, weil wir sie unter anderem mit durchtanzten Nächten im Herzensclub (dem Atomic zum Beispiel) und dem leidigen Daseins eines Teenagers assoziieren, das nunmal leidenschaftlicher, allerdings auch erbärmlicher und damit anfälliger für bettelnde Emotion waren. Ein bisschen Energie zum Reinkommen fordert das fünfte Album der Schwedenband also schon - dann klappt es auch mit der Hymnifizierung einzelner Songs. "Porcelain", zum Beispiel. Der ist gesanglich zarter, schweifender, sphärischer als bisher bekannt, die Melodie allerdings ganz wie in alten Zeiten melancholisch euphorisch (mit lediglich wenigen Abstrichen).


In diesem Klanggewand kleidet sich fast das komplette Album Ease My Mind, nur hin und wieder verfällt Sänger Adam Olenius in die klagende, teils kratzige Stimme, die das Debütalbum How Howl Gaff Gaff bestimmt haben. Fast schon absurd ist der schweifende Sound des neuen Albums wenn man bedenkt, dass es komplett in einem Stockholmer Keller aufgenommen wurde, der kein bisschen was magisch verträumtes hat. Thematische Veränderung gibt es dafür auf dem neuen Werk nicht, es geht nach wie vor hauptsächlich um Liebe und Verlust. Der Titel Ease My Mind war dabei eine hervorragende Wahl: Album und Gedanken einfach gleichzeitig frei laufen zu lassen geht wunderbar. Und das ist bei dieser ganzen Aufregung in dieser Welt auch mal was gutes.

Tracklist: Shout Out Louds - Ease My Mind01 Jumbo Jetshoutoutlouds easemymind cover

02 Paola

03 Porcelain

04 White Suzuki

05 No Logic

06 Ease My Mind

07 Oh Oh

08 Throw Some Light

09 Crying Game

10 Angel

11 Souvenirs

Ease My Mind von den Shout Out Louds wurde am 22. September 2017 via Smi Col (Sony Music) veröffentlicht.


Bildquelle Titelbild: Cover Ease My Mind | Smi Col (Sony Music)
Bildquelle Slider: Shout Out Louds