Lieblingstonträger
jake
Montag, 04. Dezember 2017, 00:00 Uhr

Slaughter Beach, Dog - Birdie

Der Lieblingstonträger der Woche

Was als Therapie einer Schreibblockade begann, resultiert in einem wunderschön unaufgeregten Soloprojekt des Sängers der Band Modern Baseball: Slaughter Beach, Dog bietet euch ein kleines Fluchtfenster aus der stressigen Vorweihnachtszeit.

Den ganzen Herbst über ist der Stapel, auf dem sich die neuen Releases getürmt haben, weiter gewachsen. Jede Woche war es schwer sich aufs Neue für eine bestimmte Platte zu entscheiden, der wir eine Woche lang besonders viel Aufmerksamtkeit schenken. Jetzt im Dezember wird es langsam weniger, die meisten Alben in diesem Jahr sind schon draußen und wir kommen etwas zur Ruhe. Im Büro riecht es nach Glühwein, auf dem Konferenztisch stehen selbstgebackene Plätzchen der Kollegen und wir sortieren gerade alle durchgehörten Platten ins Regal ein, während vor dem Fenster die Schneeflocken in den Dezember wirbeln.

Und da fällt unser Blick plötzlich wieder auf Birdie. Diese Platte mit dem idyllischen Cover, die sich - bescheiden wie sie ist - zum Releasedatum Ende Oktober, nicht gegen die lauteren Platten von Beck, Curtis Harding oder FM Belfast durchsetzen konnte. Wir nehmen sie behutsam von dem Stapel und wissen, dass ihre Zeit jetzt gekommen ist. Im Dezember, während ihr Geschenke besorgt, die Feiertage plant und das Jahr Revue passieren lasst.

Birdie ist das Debütwerk von Jake Ewald, der jedoch schon viele Jahre für die Band Modern Baseball geschrieben, gesungen und gespielt hat. Bis er an einen Punkt gelangte, an dem er nicht mehr wusste, was er schreiben sollte. Was als Schreibblockade begann, endete in einer Auszeit von Modern Baseball. Als Therapie und um wieder in den Schreibprozess hineinzukommen, fing er an einfach darauf loszuschreiben: ohne Vorgaben der Band, ohne Erwartungsdruck, ohne zu überlegen für was genau, einfach nur ungefiltert das, was ihn bewegte. Als er mit etwas Abstand auf sein akustisches Tagebuch blickte, wusste er, dass dies keine Songs für Modern Baseball waren. Aber die Vorlage für sein Soloprojekt: Slaughter Beach, Dog.

Birdie ist das Resultat dieses unzensierten Schreibens. Es klingt, als hätte es schon eine Menge erlebt. Aber anstatt diese Geschichten von einem mit Scheinwerfern bestrahltem Podest aus herunter zu gröhlen, werden sie gemütlich an einem Samstagnachmittag auf der Terrasse beim Kaffee erzählt. Von Jakes natürlicher, ruhigen Stimme und begleitet von zierlichen Gitarrenklängen. Unaufgeregt, etwas demütig dem Leben gegenüber, aber keinesfalls verzweifelt. "Pretty O.K." vermittelt uns das Gefühl, dass nicht alles gut war, aber dennoch ist es ok, dass es genau so war. Der Earcatcher "Gold and Green" erzählt vom Kaffeemachen an einem Wintermorgen, vom Songs schreiben im Schlafzimmer, und vom High Werden im Keller. "Bad Beer" ist ein verkürztes Tourtagebuch, in dem vor allem die melancholischen Seiten des Tourlebens verarbeitet werden.

Wäre Birdie ein Instagram-Profil, würde man darauf unperfekte Bilder aus dem Leben sehen: eine stilvoll eingerichtete Küche, auf der dreckiges Geschirr steht, eine malerische Landschaftsaufnahme, auf der am Rande eine Baustelle zu sehen ist. Oder eben eine verwunschene Gartenterrasse mit einem Sperrmüllhaufen im Vordergrund. Ein Album, das genau so sein darf, wie es eben ist. Genau die richtige Einstellung, um auf das vergangene Jahr zurückzublicken.

Bildquelle: Facebook | Slaughter Beach, Dog

Tracklist: Slaughter Beach, Dog - Birdiebirdie
1. Phoenix

2. Gold and Green

3. Pretty O.K.

4. Bad Beer

5. Shapes I Know

6. Sleepwalking

7. Fish Fry

8. Buttercup

9. Friend Song

10. Acolyte   

Das Album Birdie von Slaughter Beach, Dog wurde am 27. Oktober 2017 via Big Scary Monsters veröffentlicht. Das Album könnt ihr außerdem auch hier via Bandcamp anhören.