Lieblingstonträger
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Sonntag, 31. August 2014, 23:55 Uhr

Banks - Goddess

Der Lieblingstonträger der Woche

Banks wird nicht nur von der kompletten Blogosphäre, sondern auch von Überproduzenten wie Totally Enormous Extinct Dinosaurs oder SOHN gehypt. Jetzt gibt es ihr Debüt - und das ist tatsächlich (fast) göttlich!

Spätestens als (Jillian) Banks den Titeltrack ihres Debütalbums Goddess veröffentlicht hat, gab es genug Anlässen zu erwähnen, wie viel ihr von der jungen Künstlerin aus L.A. erwarten könnt. Banks schwirrt nämlich schon seit Urzeiten (gut einem Jahr) durch die relevanten Musikblogs dieser Welt.

Mitlerweile hat sie ihre allererste Platte endlich fertig und diese hält, was wir uns vorher davon versprochen haben.



Über 10 Jahre lang hat Banks einfach nur daran geschrieben, für sich, ohne jemandem davon zu erzählen. Es sind Geschichten über die Liebe, den Schmerz, die Anziehung und Ablehnung. Emotionale Geschichten. Pur, ehrlich und wahr.
Erst nach der Uni - sie studierte Psychologie in Los Angeles - hat Banks beschlossen, sich intensiv der Musik zu widmen.



Dazu hat sie sich mit TEED zusammen geschlossen, der sowohl den Song "Warm Water" als auch "Bedroom Wall" produziert hat (was ihr auch nur schwer überhören könnt). Tatsächlich passen die beiden zusammen wie Marmelade und Pfannkuchen und verschmelzen gemeinsam zu einer einheitlichen Rolle: Kombiniert mit ihrer Stimme schmiegen sich Banks Texte an TEEDs sanften Synthies und werden vom Beat eingelullt.

Das musikalische Resultat ist so lecker, dass man gerne darin wohnen möchte.



Banks wird groß, keine Frage. Davon sind auch die Produzenten SOHN und Jamie Woon überzeugt, mit denen die hübsche Amerikanerin ebenfall Tracks veröffentlichte. "Waiting Game" und "This Is What It Feels Like" sind anders als die von TEED produzierten Songs.
Brachiale Elektronummern oder auch Tracks mit Bumms, wie man so schön sagt.

SOHN hat zudem auch noch Teile seines Songs "The Wheel" im Opener "Alibi" eingebaut. Von den vielen Produzenten, die an Goddess mitgewirkt haben, erkennt man seine Handschrift am deutlichsten. Also Wünschelrute raus - unter den Oberflächen sind musikalisch tiefere Wasser als ihr denkt.



Vergleichbar in Stil und Anmutung ist Goddess tatsächlich ein klein wenig mit einem anderen unserer absoluten Lieblingstonträger 2014, nämlich LP1 von FKA twigs. Auch Banks setzt auf diesen kühlen Genremix aus R'n'B, Trip-Hop und Elektro-Pop.
Im Gegensatz zu der Platte von FKA twigs ist Goddess allerdings wesentlich weniger verkopft, verstörend oder vertrackt. Hier werdet ihr statt breiten, kaum greifbaren Klanglandschaften eher eingängige, große Melodien finden, strukturiert und klar präsentiert.

Bestes Beispiel ist "Begging For Thread". Weniger anstregend kann eine gute Popnummer kaum sein. Es ist ein Song, der euch von der ersten Sekunde packen, fesseln und nur noch schwer wieder loslassen wird - am besten vergleichbar mit dem allerbesten Song von Lorde, den diese aber erst noch schreiben muss.



Gen Ende von Goddess holt Banks übrigens nochmal die Akkustikgitarre für romantische Lagerfeuerabende heraus, und zwar im melancholischen "Someone New". Auch am Piano klingt sie wunderschön einsam: "Under The Table" ist die herzschmerzige, minimalistische Abrundung einer (mit 60 Minuten) knapp etwas zu langen Platte.

R'n'B scheint aktuell eine neue Entwicklungsstufe erreichen zu wollen (und verdammt, es wird auch Zeit!). Die Richtung von Banks ist auf diesem Weg eine richtig gelungene Orientierung. Verletzlichkeit so offen zu zeigen und dabei gleichzeitig so sinnlich betörend bis sexy unantastbar zu bleiben, hebt Goddess so angenehm vom sonstigen Arschwackel-Einheitsbrei des Genre ab, dass es unser Lieblingstonträger der Woche ist.


Tracklist: Banks - Goddess
01 Alibi10355373 699836550054027 3115609465504602101 n
02 Goddess
03 Waiting Game
04 Brain
05 This Is What I Feel
06 You Should Know Where I'm Coming From
07 Stick
08 Fuck Em Only We Know
09 Drowning
10 Beggin For Thread
11 Change
12 Someone New
13 Warm Water
14 Under The Table

Goddess von Banks erscheint am 5. September über Universal Music.

Bildquelle: Facebook // Banks