Lieblingstonträger
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Montag, 29. September 2014, 00:00 Uhr

Hozier - Hozier

Der Lieblingstonträger der Woche

Liebe als Ersatzreligion. Hozier vertont die Lebenslügen einer ganzen Generation in großen Gospelchören und ranzigen Gitarrenriffs. Ein Guinness auf den Blues!

Hozier haben wir spätestens seit seinem Song „Take Me To Church“ und der EP From Eden für euch auf den Radar gepackt. Der sympathische Ire ist seit 2013 dabei, im Alleingang den Blues zu entstauben – genauso wie die Doppel-Denim-Kombination aus Jeans und Jeansjacke?

Über Ersteres freuen wir uns (meistens) mehr, denn sein selbstbetiteltes Debüt Hozier ist wirklich eine verdammt geile Platte geworden. In seinen 13 Songs flaniert Andrew Hozier-Byrne – dank seiner souligen Stimme, der ihr sich auf diversen Chorfreizeiten erarbeitet hat – mühelos durch den dichten Wald an beliebten Pub-Genres: Indie-Rock, Folk, Singer-Songwriter, Alternative-Country und ja, jede Menge Blues. Ein klein wenig Gospel ist auch dabei.

Außerdem legt er einen der allerbesten Starts 2014 hin. Die ersten drei Songs auf Hozier sind nämlich allesamt absolute Highlights. Los geht's gleich mal mit "Take Me To Church". Hoziers Stimme strahlt und überschlägt sich fast - und bezeichnet Liebe quasi als Ersatzreligion. Man vergisst alles um sich herum, was zuvor wichtig war und lebt nur noch für sie. Herzen statt Kreuze, der Foto-Schrein des Partners neben dem Bett, die Reliquien-Sammlung aus den gemeinsamen Tagen auf dem Schrank ... Amen.

Im Video zum Song prangert er Homophobie in Russland an. Zwei Männer lieben sich, eine Gruppe Idioten findet das heraus und schlägt zu ... 

Weiter geht es mit "The Angel Of Small Death & The Codeine Scene". Erstens: Hurra Religions-Metpaher! Zweitens: Der Song ist der Hammer! Hier kann man nicht ruhig sitzen bleiben, denn irgendwas wippt immer, ganz ohne Wippe

In einer fairen Welt schafft es die Nummer jedenfalls ab sofort in absolut jeden Gospelchor überhaupt!


„Jackie And Wilson“
widmet sich – jetzt kommt’s: Bluesstar Jackie Wilson. Und hier rotzt und ranzt Hozier richtig los, mit seiner eigenen Blues-Stimme über knarzige Gitarren Riffs. Das ist moderne Rockmusik, ganz ganz gaaaaaaaanz fern ab vom großen Stadion, eher passend für den (gut durchgefegte und sauberen) Hinterhof.

Okay, nach dem mächtig geilen Start flaut das Album leicht ab. Es gibt aber mindestens noch eine weitere, extrem beeindruckende Stelle mit ausschließlich wunderbaren Songs, und zwar von "From Eden" bis hin zu "Work Song“. Letzterer war eigentlich immer nur ein Arbeitstitel und obwohl Hozier auf diversen Konzerten mit dem Publikum nach besseren Namensvorschlägen gebrainstormt hat, hat er den Song jetzt trotzdem genau so betitelt.

"Sedated" besitzt den wohl schönsten Refrain das gesamten Albums. Ernsthaft! Hier singt euch Hozier mit seiner wunderschönen, kraftvollen, klaren Stimme - und mit einem riesigen Chor -direkt ins leidende Herz.

"We should quit, but we love it too much."



"From Eden“
kennt ihr noch von der EP, hat es aber als einer der stärksten, reinen Blues-Songs auch nochmal aufs Album geschafft. Zurecht. In "In A Week" hat sich Hozier ein wenig Unterstützung von Karen Cowley geholt. Das ist das einzige Feature und eine der ruhigsten (und mobidesten!) Nummern in den knapp 60 Minuten der Platte.
Hier hört man den Singer-Songwriter Hozier.

Mal ganz abgesehen von der Musik hat Hozier auch eines der besten Cover des Jahres. Designed und geschenkt wurde das von Mama Hozier. Die hat den eigenen Sohn kurzer Hand in ein Zimmer gepinselt, ihn als Gemälde entfremdet und einige seiner Körperteile durch Fensterausblicke ersetzt, als würde man durch Hozier in kleine, verschiedene Lebenswelten schauen können.

Hozier ist ein in sich rundes Debüt geworden. Nichts sticht unangenehm heraus, nichts kommt völlig unerwartet. Wenn ihr "Take Me To Church" mögt, bekommt ihr hier noch 12 Songs, die euch ebenfalls gefallen werden.
Schade, dass Hozier den perfekten Start und Mittelteil nicht über die gesamte Platte halten kann - vielleicht hätte ihm die "Mehr als 10 Songs pro Album gib es nicht!"-Einstellung (und ein paar weniger Religions-Metaphern) gut getan? Den Blues hat er aber in jedem Fall einmal ordentlich entstaubt. Oben drauf liefert er eure neuen Lieblingssongs für die kommende Chorfreizeit, zum Guinness beim Pub-Abend mit guten Kumpels oder für - tatadadaaa - sein Konzert in München.

Wir nehmen euch nämlich mit zu Hozier, am 29. Januar 2015 in der Theaterfabrik in München!


 Tracklist: Hozier - Hozier

01 Take Me To Church10489838 688378061215531 8783679835172599958 n
02 The Angel Of Small Death & The Codeine Scene
03 Jackie & Wilson
04 Someone New
05 To Be Alone
06 From Eden
07 In A Week (Featuring Karen Cowley)
08 Sedated
09 Work Song
10 Like Real People Do
11 It Will Come Back
12 Foreigner's God
13 Cherry Wine (Live)


Hozier
von Hozier erscheint am 3. Oktober über Island Records (Universal Music).


Bildquelle: Facebook // Hozier