Lieblingstonträger

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Montag, 24. Oktober 2016, 00:00 Uhr

Jagwar Ma - Every Now & Then

Der Lieblingstonträger der Woche

Mit ihrem zweiten Album scheinen sich Jagwar Ma gefunden zu haben: statt schizophrener Wechselhaftigkeit gibt es nun vielfältigen, aber in sich einheitlichen Klang zu hören.

Während man das Debütalbum der Australier schwer einordnen konnte (ein bisschen Dance, ein bisschen Psych), wird bei Every Now & Then klarerer Klang vermittelt, nämlich die einwandfreie Fusion beider Genres, die sich auf Howling lediglich abwechselten. Diese Mischung wird erweitert mit Elementen aus HipHop, French House, R'n'B und schlichtem Pop. Gitarren spielen eine kleinere Rolle im Sound, wohingegen Rhythmen und Beats, Sustain, Echo und Filter mehr Priorität zugeschrieben wird. Zu verdanken haben sie gerade ersteres der Warpaint-Drummerin Stelle Mozgawa, die Jagwar Ma bei einigen Tracks unterstützt hat.

Eingeleitet wird Every Now & Then mit einem Intro, das nahtlos in den zweiten Track "Say What You Feel" fließt. Aus dem Track bricht in der Mitte ein treibender Beat aus, womit ein klangliches Versprechen gemacht wird, an das sich im Laufe des Albums gehalten wird. Die Songs wirken deswegen als Gesamtwerk in sich geschlossen und stimmig. Die Platte bietet sich außerdem an, nicht im Shuffle, sondern chronologisch angehört zu werden. Dabei muss man allerdings in Kauf nehmen, vom Klang Jagwar Mas in irre Träume entführt zu werden, die sich aus Drogenrauschfantasien und Clubenthusiasmus zusammensetzen.

"Give Me A Reason" beispielsweise hält zunächst prima als Clubhymne her, bis sich ab der dritten Minute der Klang wandelt und ein außerordentlich langatmiges Outro ansetzt, das im Amöben-Tanz endet. Der ist übrigens recht einfach: Und links und rechts und links und rechts und so weiter und so fort.



Die Zeit, den Hörer beim Anhören in andere Welten zu entführen, nehmen sich die Tracks: im Durchschnitt (das Intro nicht mitgezählt) dauert jeder fünf Minuten. Dabei blubbert und pfeift die ganze Zeit etwas bei all den Tracks, sodass man ständig was entdecken kann. Besonders deutlich wird dies bei "Ordinary", der außerdem noch mit einem ziemlich schleppenden Rhythmus daherkommt. Ein passendes Outro ist hier den Jungs allerdings wohl nicht eingefallen, weswegen sie sich für eine relativ uninspirierte Art entschlossen haben, die man seit Ende der 60 eigentlich gar nicht mehr so oft zu hören bekommt: Einfach leiser drehen. Als Kontrast dazu steht der folgende Song "Batter Up", der im Vergleich zum kompletten Albums geradezu bedrohlich mit seinen Break-Downs und den wummernden Synths wirkt. Auch "O B 1" knallt und wummst eher. Der Track war der ziemlich vielversprechende erste Vorbote aufs neue Album und sticht auch in Anbetracht des kompletten Werkes hervor.



Mit in der Reihe der herausragendsten Tracks steht "Slipping". Der treibende Beat zerrt nicht nur mit, sondern verschlingt einen regelrecht. So muss sich LSD anfühlen. Die orientalischen Gesangelemente sind dabei schon fast ein bisschen zu viel des Guten, werden glücklicherweise jedoch nicht allzu inflationär benutzt.
Nach dem massigen "High Rotations" sorgt "Dont' Make It Right" für eine Art Sauna-Erholraum-Effekt. Hier passiert so viel Nichts, dass es sich gut mit weißem Licht vergleichen lässt: Auch wenn sich hier die komplette Farbenpracht bündelt, ist der Effekt, nunja, blank. Passend, dass "Colours of Paradise" nachfolgt, der ähnlich sanft beginnt, nach der ersten Minute aber dann doch zumindest etwas zusammenhängenden, sphärischen Gesang liefert.

Man hört an Every Now & Then, dass in den Köpfen des Trios viel passiert ist, seitdem sie mit ihrem Debütalbum die Musikwelt erobert haben. Das Selbstbewusstsein, dass sie durch Lob und Bewunderung von Künstlern wie Chet Faker und den Foals bekommen haben, hat sie dabei zum Glück nicht darin bestätigt, ganz beim Alten zu bleiben, sondern den Sound, beziehungsweise ihre Marke auszufeilen und zu entwickeln.


Tracklist: Jagwar Ma- Every Now & Then
01 Fallingjagwarma everynowandthen cover

02 Say What You Feel

03 Loose Ends

04 Give Me a Reason

05 Ordinary

06 Batter Up

07 O B 1

08 Slipping

09 High Rotations

10 Don't Make It Right

11 Colours of Paradise


Every Now and Then von Jagwar Ma wurde am 14. Oktober via Rough Trade veröffentlicht.


Bildquelle Balkonbild: facebook | Jagwar Ma

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