Lieblingstonträger
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Montag, 14. November 2016, 00:00 Uhr

A Tribe Called Quest - We Got It From Here… Thank You 4 Your Service

Der Lieblingstonträger der Woche

Die Welt geht vor die Hunde und A Tribe Called Quest verabschieden sich. Die Gang hat keinen Bock mehr auf diesen Scheiß. Sie lassen das Mic fallen, sind raus - hinterlassen aber noch ein letztes Album, das in die Ewigkeit eingeht.

Dass A Tribe Called Quest vor 18 Jahren das letzte Album rausbrachten, tut dabei nichts zur Sache, es geht um den symbolischen, endgültigen Abschied. Lasst es uns so erklären: Im Internet kursiert dieser eine Spruch: "Clowns terrorisieren Passanten und ein echter, milliardenschwerer Bösewicht wird Präsident der USA - Batman, verdammt, wo bist du?" Dieser Spruch verdeutlicht bestens, in was für einer absurden Welt wir überhaupt leben: In einer Welt, in der Witzfiguren in mächtigen Führungsposition sitzen, die davon profitieren, dass die durch die komplette Menschheit ein fetter Riss geht. In einer Welt, in der es den Medien scheinbar nicht mehr möglich ist, über Geschehnisse zu berichten, ohne dabei Trittbrettfahrer auf der ganzen Welt zu inspirieren. In einer Welt, in der gehetzt, verfolgt, zensiert, begrabscht wird, die zu hektisch, laut und grell ist - in einer Welt, die nicht mehr unsere Welt ist. Und eigentlich bräuchten wir - ähnlich, wie es im oben genannten Spruch erwähnt wird - eine Art Held, beziehungsweise eine Superforce, die alles wieder ins richtige Gefüge bringt, alles regelt, mit Worten die Augen öffnet und für Friede, Freude, Eierkuchen sorgt.

Doch stattdessen verabschieden sich diejenigen, die stets die richtigen Worte gefunden haben, Missstände auszusprechen und dadurch in den Hirnen der Menschen zu wirken. Diejenigen, die dem HipHop ein neues Gesicht verliehen und entgegen seines schlechten Rufes gewirkt haben. Statt gewaltverherrlichend und sexistisch waren A Tribe Called Quest stets nüchtern sozialkritisch, haben sich mit Poesie und Sample-Kunst, statt mit ominösen Geschichten zu Helden des Genres gemacht.

Für ihr letztes Werk haben sich alle vier Gründungsmitglieder zusammengetan: Q-Tip, Jarobi, Ali Shaheed Muhammad und Phife Dawg. Und allein die Sache ist schon inspirierend, immerhin waren die noch bis kurz vor der Reunion verfeindet, dass man sagen konnte: Wenn sich Q-Tip und Phife Dawg noch einmal versöhnen können, dann ist alles möglich. Nachdem der große Fame eingesetzt hatte, sind ihre egos angeschwollen, rieben sich aneinander, bis sie sich irgendwann voneinander abgestoßen haben. Vor gut einem Jahr konnten sie ihren Beef dennoch beenden und sich wieder versöhnen. Geradezu absurd tragisch ist dabei, dass Phife Dawg im März diesen Jahres an den Folgen einer Diabeteskrankheit mit 45 Jahren verstorben ist. Q-Tip stellte das Album dann ohne ihn in seinem Studio fertig.

Der Song, der die Tragik am besten verbildlicht, ist "Lost Somebody".

Never thought that I would be ever writing this song / Hold friends tight, never know when those people are gone.
Dieser handelt nicht nur von Phife, sondern endet bei Minute 3:18 abrupt, überraschend, ungewöhnlich - wie sein Leben. Danach erstmal Stille, bevor nach gut 30 Sekunden die E-Gitarre zu Wort meldet, die in "Moving Backwards" führt.
Phife Dawg war es übrigens auch, der den Titel des Albums ausgewählt hat - eigentlich handelt es sich dabei um den Arbeitstitel, Q-Tip wollte es aber dabei belassen, obwohl er gar nicht mal genau wisse, was er bedeutet. Wir können es uns denken: Das Album ist ein Vermächtnis, der Titel dementsprechend das, was am Ende der Fall sein sollte - unsere Antwort: "Cool danke, für an die 21 Jahre Ganggeschichte. Wir checken's jetzt und kommen allein klar!" Aber: tun wir das?



Neben den Meistern höchstpersönlich hat noch eine ganze weitere Hand an Genies am neuen Album gearbeitet. Jack White gibt zum Beispiel Songwriter- und Gitarrentalent bei "Solid Wall of Sound", "Ego" und "The Donald" zum besten. Ansonsten sind auch Kendrick Lamar, André 3000, Anderson .Paak, Kanye West, Talib Kweli, Elton John, Busta Rhymes und Consequence mit dabei. Klar, es musste gut werden, deswegen sollten die besten der Besten sich vereinigen. Immerhin handelt es sich hierbei nicht nur um ein Erbe, sondern auch um ein Tribut an Phife.

Um das Werk auf den Punkt zu bringen, eignen sich Questloves Worte am besten, der We Got It From Here... Thank You 4 Your Service via Instagram rezensiert hat:

All imma say is Yes. Yes. Yes.
Yes, genau.

Tracklist: We Got It From Here… Thank You 4 Your Service
01. The Space Programatcq tyfyswgifh cover
02. We The People….
03. Whateva Will Be
04. Solid Wall of Sound
05. Dis Generation
06. Kids…
07. Melatonin
08. Enough!!
09. Mobius
10. Black Spasmodic
11.The Killing Season
12. Lost Somebody
13. Movin Backwards
14. Conrad Tokoyo
15. Ego
16. The Donald

We Got It From Here… Thank You 4 Your Service von A Tribe Called Quest wurde am 11. November 2016 via Sony Music veröffentlicht.