Lieblingstonträger
Justice - Woman_FB_tb
Montag, 21. November 2016, 00:00 Uhr

Justice - Woman

Der Lieblingstonträger der Woche

Lange Wartezeit, Geheimniskrämerei, Justice haben es ihren Fans nicht leicht gemacht. Doch auch Frustfans müssen anerkennen: Auf dem neuen Album ist für jeden was dabei.


Justice is back to save electronic music
...so lautete einer der Kommentare unter einem Facebook-Post des französischen Duos vom Juli 2016, der sie bei der Arbeit an ihrem dritten Album zeigte. Was sich liebt, das neckt sich, und das bedeutet wohl, dass Justice ziemlich vernarrt in ihre Fans sind. Erst mussten fünf Jahre vergehen, bis überhaupt mal wieder ein Album in die Röhre geschickt wurde, und dann starteten die beiden Produzenten Mitte September los und spielten erste Songs live – in schönen Städten und angesagten Locations, nur leider wusste das meistens bis am Tag zuvor niemand. Ist das gerecht, Justice? Egal – jetzt sind sie da, um die elektronische Musik zu retten: Xavier, Gaspard und Woman.

Auf dem dritten Studioalbum von Justice finden sich einige Allrounder: Songs, die einem in traurigen Momenten am Herz in der Brust zerren, und dann plötzlich, wenn man gut drauf ist, die pure Euphorie aus den Boxen blasen. Leise säuseln sie uns in den Schlaf und schaffen es morgens trotzdem, uns nachdrücklich aus dem Bett zu bugsieren. „Reis passt auch zu allem, weil er weder Farbe noch Geschmack hat!“ könnte man jetzt sagen – Berechtigter Einwand, doch die zehn Stücke auf Woman werden nicht langweilig; dafür sorgt schon allein die Mitarbeit von Musikern aus den verschiedensten Richtungen: der alte Kumpel Morgan Phalen ist ebenso auf dem Album zu hören wie der französische Sänger Romuald, dann aber auch massive Töne vom London Contemporary Orchestra oder einem vielstimmigen klassischen Chor – so zum Beispiel gleich im ersten Song „Safe and Sound“:



„Fire“, „Pleasure“, „Stop“ oder auch „Love S.O.S.“ sind Beispiele für solche Songs, die vieles bieten: nachdenklich, aber nicht langweilig, Friede und Freude, aber kein Eierkuchen, elektronisch durchgetaktet, aber nicht stressig. Xavier und Gaspard überzeugen mit dem französischen Gespür für subtile Melancholie trotzdem Drive. Kein Wegknacken und Auf-den-Nebenmann-sabbern also, sondern kontrollierte Entspannung. Oder auch mal Anlauf nehmen, je nachdem, wozu man gerade bereit ist.

Da schließt sich gleich „Randy“ passend an: „Randy, get yourself together!“ Morgan Phalens freundliche, sympathische Stimme gibt diesen Rat an alle Randys da draußen – und es ist durchaus Absicht, dass das sowohl ein weiblicher als auch ein männlicher Name sein könnte. So sanft und legère der Gesang klingt, bei den düsteren, industriemaschinenartigen Beats, die sich aus dem Hintergrund ins Ohr schrauben, ahnen wir schon, was Randy passiert, wenn er/sie das nicht in den Griff kriegt. Versöhnt werden wir mit fröhlichen Synthiemelodie zum Schluss - also doch ein Motivator, und abgesehen davon ziemlich vielseitige sechseinhalb Minuten.



Vervollständigt wird das Album durch Songs, bei denen man genau weiß, woran man ist. Denen man einfach mal auf Anhieb hundertprozentig zustimmen kann. Musik für kurz mal zwischen zwei Vorstandssitzungen: Stress abbauen, ohne dabei zu schwitzen, das kann man zum Beispiel bei „Heavy Metal“ – es ist tatsächlich so eine Art Heavy Metal, und zwar für Menschen, die keinen Heavy Metal mögen. Ganz ohne Gitarren schafft es der Song nämlich, wohlbekannte Bilder zu malen: irgendwas zwischen Kirchengewölbe und Schrottpresse, gotische Spitzbögen, rot und schwarz. Das alles in guter Elektro-Manier. Genauso zuverlässig erfüllen auch „Chorus“ oder „Alakazam“ die Erwartungshaltung, die sich in den ersten vier Takten aufbaut:



Und schließlich das epische „Close Call“, bei dem ebenfalls sofort klar ist, was passiert: hier geht das Album zu Ende. Waaaaas, schon?! Ja, leider – aber nicht ohne nochmal den Chor und das London Contemporary Orchestra zu Wort kommen zu lassen. Hach, schön!

Tracklist: Woman

01. Safe And SoundJustice - Woman FB

02. Pleasure

03. Alakazam!

04. Fire

05. Stop

06. Chorus

07. Randy

08. Heavy Metal

09. Love S.O.S

10. Close Call 


Woman von Justice wurde am 18. November 2016 via Because Music / Ed Banger Records veröffentlicht.