Lieblingstonträger

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Montag, 23. Januar 2017, 00:00 Uhr

Bonobo - Migration

Der Lieblingstonträger der Woche

Zeit für Hirnurlaub: Bonobo entführt euch auf eine gedankliche Weltreise und treibt mit seinem sechsten Album die Vermutung an, dass Grenzen möglicherweise wirklich nur Illusion sind.

Nachdem der aus Brighton stammende Simon Green sein letztes Album The North Borders veröffentlichte, ging er erstmal intensivst auf Tour: Mit einer zwölfköpfigen Band gab er 175 Konzerte auf der ganzen Welt. Damit hatte es Green geschafft: Seitdem er 1999 sein musikalisches Projekt Bonobo startete, war er erstmals im allgemeinen Bewusstsein angelangt und damit kein Geheimtipp mehr. Kurz nach der Tour zog es ihn fest nach Los Angeles, von wo aus er allerdings regelmäßig zum Auflegen nach New York reist. Das ganze Rumgetoure und ständige Gereise hat ihn schließlich auf die Idee hinter Migration gebracht.

My own personal idea of identity has played into this record and the theme of migration. Is home where you are or where you are from, when you move around?
Sind wir nicht alle irgendwie vom gleichen Ort? Nicht nur dieses Phänomen, weit, weit wegzureisen, am besten nach Indonesien oder Thailand, nur um dort schließlich bei sich selbst anzukommen spricht dafür. Auch Klang und Zusammensetzung von Migration drücken diesen vielfältigen, aber letztlich gleichen Ort aus. Aus tausenden von Elementen entsteht eine Masse, eine homogene Einheit.

It’s interesting how one person will take an influence from one part of the world and move with that influence and affect another part of the world. Over time, the identities of places evolve.

Die Features auf Migration kommen aus allen Teilen der Erde. Grenzen beim Aufnehmen gab es keine - weder geografische, noch kunstästhetische.
Der abartig schöne "Break Apart" beispielsweise wird gefeaturt vom in LA lebenden, aber aus Kanada stammenden Rhye-Sänger Michael Milosh - aufgezeichnet wiederum wurde es in einem Hotelzimmer in Berlin, während das Klanggerüst auf dem Flug von Europa nach Amerika gebastelt wurde. Visuell dargestellt wird dies wunderbar im Video zum Song.



Auch einer unserer Lieblingsaustralier - Nick Murphy - ist auf dem Album zu hören, genauso wie Nicole Miglis aus Florida und Innov Gnawa, die ursprünglich aus Marokko stammen, jedoch in New York leben. Klanglich wurde die Internationalität mittels allerlei Samples verwoben: Bonobo nahm beispielsweise Geräusche eines Aufzuges in Hong Kong auf, die eines Wäschetrockners in Atlanta, den Regen in Seattle und den Motor eines Fan Boats in New Orleans.

Ebenso zeugt das neue Album genremäßig von irrer Vielfalt. "Grains" beispielsweise klingt leicht arabisch angehaucht. Der poppigere "Surface" feat. Nicole Miglis von Hundred Waters klingt dezent unpassend für den Rest des Albums. "Bambro Koyo Ganda" wiederum macht eine klangliche Kehrtwende, die sich prima in das Konstrukt des Albums einfügt. Der Track wird begleitet von der marokkanischen Band Innov Gnawa. Der afrikanische Gesang lässt sich wirklich wunderbar mit Streichern kombinieren.
In "Kerala", der ersten Single-Auskopplung des neuen Albums, bekommen wir die klassische Bonobo-Harfe auf die Ohren. Gebastelt wurde der Track 2014 während einer DJ-Tour mit dem Bus durch Amerika. Für das Sample hat sich Bonobo an Brandys "Baby" bedient.



"Ontario" klingt industriell: Ein repetitives "Touch" begleitet zunächst den Rhythmus und erinnert an schwere Maschinen, in denen sich gleichmäßig allerlei metallische Elemente um ihre eigene Achse drehen. Die Assoziation wird verstärkt mit tatsächlichen, maschinellen Geräuschen.
Es folgt "No Reason" feat. Nick Murphy. Man kann sich beim Anhören gerne vorstellen, wie die beiden Produzenten zusammen in einem Zimmer hockten und rumgenerdet haben, bis der Track schließlich entstanden ist. Wenn man dort ganz konzentriert hinlauscht, meint man fast, ein Echo von "Kerala" im Hintergrund zu hören. Verdeckt wird der Klang von technoiden Details. Während der Klang des Songs damit eher befreit, bedrückt das Video enorm.



Letztlich sei noch angemerkt, wie schön es ist, mit Migration mal wieder ein Album zu haben, das knapp über eine Stunde dauert. Ein Album, in das man wirklich versinken kann. Ein Album, das nicht nur mit dem ganzen Drumherum, sondern auch klanglich bestehende Grenzen niederreißt und nichtig macht.

Tracklist: Bonobo - Migration
1. Migration

2. Break Apart (feat. Rhye)Bonobo Migration Cover

3. Outlier

4. Grains 

5. Second Sun

6. Surface (feat. Nicole Miglis)

7. Bambro Koyo Ganda (feat. Innov Gnawa)

8. Kerala

9. Ontario

10. No Reason (feat. Nick Murphy)

11. 7th Sevens

12. Figures


Migration von Bonobo wurde am 13. Januar via Ninja Tunes veröffentlicht.

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