Musikmeldungen
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Freitag, 27. Dezember 2013, 00:00 Uhr

Die 13 besten Alben des Jahres

Der egoFM Jahresrückblick 2013

2013 war ein fantastisches Jahr. Derart viele, großartige Platten wurden veröffentlicht, dass wir Probleme dabei hatten, uns für nur 13 zu entscheiden. Wir haben es trotzdem gewagt.

James Blake – Overgrown
overgrown.jpgEndlich wieder flennen! - war wohl der erste Gedanke den wir hatten, als James Blake sein neues Album ankündigte. Endlich gab es wieder einen Grund, Abende alleine zu Hause zu verbringen, sich in die Kuscheldecke einzumummeln und gepflegt depressiv zu sein. Schließlich ist nichts ist schöner, als zu den Klängen von James Blake über das Leben zu sinnieren. Diese sanfte Stimme geschwängert mit ordentlich Bass - perfekt. Und das denken nicht nur wir, das weiß auch die Jury vom Mercury Prize, der jährlich in Großbritannien an die besten Alben des Jahres verliehen wird. 

Eines unserer persönlichen Highlights des Jahres war wohl auch sein Konzert in München. Auch wenn es dort nur so von Pärchen wimmelte, die den Sinn James Blakes irgendwie nicht so ganz verstanden haben und die süße Melancholie zur schwülstigen Romantik umfunktionierten. Was soll's, wir haben es trotzdem genossen - und die ein oder andere Träne dabei vergossen.



Arctic Monkeys - AM

am.jpgDas fünfte Studioalbum hat es uns bewiesen: Die Arctic Monkeys werden von Album zu Album besser. Die ehemals kleinen Bubis aus Sheffield, Großbritannien, sind mittlerweile zu richtigen Männern herangewachsen. Und das hört man: AM klingt reif und durchdacht, ganz so, als würden die Briten einen Plan verfolgen. Wir können uns schon denken, was das für einer ist: Die Arctic Monkeys wollen nicht nur Rockstars, sondern gleich zur Legende werden. Anders lässt sich dieser Elan und das andauernde Brechen der eigenen Messlatten nicht erklären. Mal sehen. 

Am Erfolg von AM waren die Arctic Monkeys allerdings nicht ganz alleine beteiligt. Unterstützung fanden sie unter anderem in Josh Homme von den Queens of the Stone Age, Pete Thomas, der normalerweise am Schlagzeug vom britischen Musiker Elvis Costello sitzt, Bill Ryder-Jones, dem ehemaligem Gitarristen von The Coral und dem Performance Poet John Cooper Clarke. Produziert wurde die Platte im Übrigen von Simian Mobile Discos James Ford. 





Daft Punk – Random Access Memories
 
ram.jpgWas haben wir uns gefreut, als der Blätterwald zu rascheln begann: Daft Punk bringen ein neues Album raus. Pure Euphorie in der egoRedaktion. Für viele hier sind Thomas Bangalter und Guy-Manuel de Homem-Christo nämlich so etwas wie die Heilbringer der elektronischen Musik. Ob wir uns wohl zu viel erwartet haben vom neuen Album? Nun, die Meinung über Random Access Memories sind so kontrovers wie die über Käse-Marmeladenbrot. Viele meinten, die neue Platte würde absolut gar nicht nach Daft Punk klingen. Wir sahen das etwas entspannter.

Den Grund für diese Neuerfindung konnten wir nämlich gut nachvollziehen: Daft Punk waren unzufrieden mit den Dimensionen, die Electronic Dance Music angenommen hat. EDM läuft mittlerweile auf allen Kanäle und verkommt zu einem nervigen Trivialsoundbrei. Also war die einzige logische Lösung ein Neuanfang - mit den Legenden von Früher: Giorgio Moroder, der in den 70ern erst dafür gesorgt hatte, dass Synthie-Musik ins Rollen kam und Nile Rodgers, der handgemachten Disco-Funk prägte. Random Access Memories ist unter anderem deswegen eine Hommage an frühere Zeiten und ein Beleg dafür, dass tanzbar nicht mit elektronisch gleichzusetzen ist.  




Arcade Fire - Reflektor
reflektor.jpgKeine Frage, 2013 war das Jahr der großen Albenveröffentlichungen. Eines darunter war das von Arcade Fire, die sich - ähnlich wie auch einige andere in dieser Liste - ein klein wenig neu erfunden haben. Reflektor lässt sich einwandfrei durchhören, was manch einen Fan wohl straucheln lässt. Auf Reflektor haben die Kanadier um Win Butler mehr Synthies, mehr Bässe, mehr Disko gepackt - und das so, als ob sie nie etwas anderes getan hätten. Treibende Beats, eine sympathische Verworrenheit und ein Sound aus der späten 80er-Disco-Ära, der sehr erfrischend kommt, machen aus Reflektor stilistisch eine in Teilen chaotische Mischung. Zwischendurch ist noch ein bisschen Conga-Percussion untergemischt und zack: Fertig.

Von den hintersten Winkeln einiger MP3-Player schafften sie es mit der Single "Reflektor" in die Einkaufscenter dieser Welt. Und mit dem kompletten Album in unser Herz. Hach.




Moderat - II

II.jpgSechs lange Monate haben sich Sascha Ring (Apparat), Gernot Bronsert und Sebastian Szary (Modeselektor) in ihr Berliner Studio eingesperrt, um gemeinsam als Supergroup Moderat den Fluch des zweiten Albums zu besiegen. Die Messlatte hing ziemlich hoch, schließlich wurde ihr selbstbetitelter Erstling aus dem Jahr 2009 als Konsensalbum der Indie- und Elektroszene gefeiert.

Für die Supergroup aber keine große Sache, die Latte wurde problemlos gesprengt. II merkt man den Spaß an der Sache an: Massiv, brachial und kühl, aufgebrochen mit eklektischen Sphären und hymnischen Stimmen. Voller Drehungen und Wendungen. Große Gefühle. Ein Album, das mehrmals gehört und entdeckt werden will - auch 2014 noch. 

 

Woodkid - The Golden Age

thegoldenage.jpgMit The Golden Age hat der Pariser Woodkid uns bewiesen, dass es in der heutigen Klangfülle durchaus noch Platz für klassische Instrumente gibt. Gerade das macht nämlich das Debütalbum des Franzosen aus. Ein Album, das sich besonders dazu eignet, bei Gewitter und Kerzenlicht brillante Schachzüge zu planen oder die längst überfällige Wetlherrschaft an sich zu reißen. The Golden Age ist also quasi eine Platte, das sowohl Superschurken, als auch -helden gefällt. Man könnte fast denken, Yoann Lemoine - so heißt Woodkid eigentlich - wäre eines dieser musikalischen Wunderkinder, die seit dem dritten Lebensmonat bereits fünf Instrumente nicht nur spielen, sondern beherrschen können. Falsch. 

Bevor Yoann Lemoine zu Woodkid wurde, verdiente er sein Geld unter anderem als Regisseur mit Faible für Musikvideos. Doch irgendwann hat es ihn gejuckt: Er wollte nicht mehr nur für andere Musiker arbeiten - er wollte selber Musik machen. So entstand die erste Single "Iron", für die er auch das Video selbst bastelte. Klar. Nach nur wenigen Monaten hatte das mehrere Millionen Klicks, Yoann Lemoine wurde zum YouTube-Star. Und als "Iron" dann im Werbespot zu Assassin's Creed benutzt wurde, war die Karriere mehr oder weniger gesichert.

Wer einmal ein episches Konzert sehen will, sollte sich jetzt schon um Karten kümmern. Zum Beispiel für den 11. März 2014 - da tritt er im Münchner Zenith auf. Wer erst noch von der Gewalt Woodkids überzeugt werden muss, sollte sich den Auftritt vom Melt! Festival 2013 anschauen.



Vampire Weekend – Modern Vampires of the City

modernvampiresofthecity.jpgViele dunkle Jahre - drei, um genau zu sein - mussten wir von Contra und dem selbstbetitelten Debütalbum aus 2008 zehren. So lange hatten Vampire Weekend nichts neues von sich hören lassen. Ausgehungert wie wir folglich waren freuten wir uns deswegen umso mehr, als dieses Jahr endlich das dritte Album angekündigt wurde. Berechtigt, wie sich herausstellte. Modern Vampires of the City ist nämlich ein Glanzexemplar. Im Laufe des Albums macht man verschiedene Emotionen durch, wie man es sonst nur von Familienfeiern kennt. Erst freut mich sich, ist in Aufbruchstimmung, will etwas Großartiges schaffen. Im nächsten Moment krümmt man sich heulend am Boden. Alles ist scheiße und hat doch eh keinen Sinn. Doch trotz dieser Bipolarität sind wir heilfroh darüber, dass Modern Vampires of the City überhaupt veröffentlicht wurde. 

In einem Interview mit NME erzählte Frontmann Ezra Koenig nämlich, dass er sich eigentlich aus dem Musikbusiness zurückziehen und einen ernsthaften Job suchen wollte. Als Drehbuchautor, zum Beispiel. "I still loved music but I had this weird feeling". Phew, das ist ja gerade noch mal gut gegangen.  




Mount Kimbie – Cold Spring Fault Less Youth

coldspringfaultlessyouth.jpgMit Cold Spring Fault Less Youth entfernten sich die beiden Londoner klanglich ein Stück vom Vorgänger Crooks & Lovers. Nun setzten sie weniger auf rein elektronische Tracks, wurden mutig und komibinierten ihre sanften Electrobeats mit markanten Stimmen, wie etwa King Krules. Mit ihm haben Mount Kimbie "You Took Your Time" und "Meter, Pale, Tone" aufgenommen. Eine recht merkwürdige Kombination, welche erstmal überrascht, sich im Nachhinein aber als eine sehr gelungene Symbiose herausgestellt hat.

Gleichzeitig könnte Cold Spring Fault Less Youth nicht Mount Kimbie-hafter sein, ihrem Stil blieben sie nämlich treu. So ist auch die neue Platte reich an Variation, raffinierten Verschachtelungen und prägnanten Beats. Kein Takt wirkt dabei undurchdacht, jeder noch so kleine Klick ist genau da, wo er hin gehört - ein Kunstwerk, das man problemlos fünf Tage durchhören kann, ohne irgendwann genervt zu sein.
 


Tyler, the Creator - Wolf

wolf.jpgMit BASTARD, GOBLIN und WOLF hat Tyler, the Creator nicht nur eine Trilogie, sondern ein diabolisches Meisterwerk veröffentlicht. Dafür hat der Kopf der Odd Future Wolf Gang eine ganze Bagage an alter Egos erfunden, die er uns im Laufe der Chronik alle vorstellt: Sam, Wolf Haley, Ace The Creator und Tron Cat. Betrachtet man die drei Alben in chronologischer Reihenfolge, bildet WOLF die Vorgeschichte zu BASTARD, dem Mittelstück, und GOBLIN den - vorerst - letzten Teil. 2015 soll die Geschichte dann mit EARLWOLF? beendet werden. Ihr habt also noch ein wenig Zeit euch in die Geschichte einzuleben, bis sie dann fertig ist.
 
Dieses Bubigesicht zu der Stimme - das ist einfach ein ziemlich absurder Widerspruch. Irgendwie. Andererseits passt es recht gut. Und wir lügen, wenn wir nicht ehrlich zugeben, wahre Groupies von diesem Bubi zu sein. Vielleicht, weil wir selbst so Weicheier sind und uns beim Anhören von WOLF wenigstens etwas gefährlich fühlen. Oder aber einfach aus Angst, dass Tyler, the Creator eines Nachts vor unserem Bett stehen könnte und uns verprügelt, weil wir WOLF nicht zu den besten Alben des Jahres gezählt haben. Das könnte durchaus passieren. 

 


Casper – Hinterland
 
hinterland.jpgHinterland heißt das gute neue Stück und spaltete die Casper Fans in zwei Lager. Einmal gab es die Klassiker: "Oh man, die alten Sachen von Casper sind viel geiler. Jetzt ist er voll Mainstream geworden." Zum Glück gab es dann noch die anderen, die treuen Seelen: "Okay, es ist anders, aber geil." Und egoFM? egoFM findet's fantastisch. Wir gehen sogar noch weiter und verleihen der neuen Platte ein ganz besonderes Attribut: Pathetisch

Nachdem "Ascheregen" veröffentlicht wurde, bestätigte sich nämlich langsam das, was man bei "Hinterland" bereits erahnen konnte: Das neue Album ist anders. Kein melancholisches Herumphilosophieren mehr, sondern treibende Beats und ganz viel Energie. Was bleibt ist Caspers unvergleichbare Stimme, die seine Songs so besonders macht. 

Im Oktober kam er damit sogar zu Besuch und spielte in unserem Studio ein exklusives Studiokonzert. Das war schön. Nur mit euch und Casper - endlich unter uns, eben.




DJ Koze – Amygdala

amygdala.jpgDer Hamburger DJ und Produzent Stefan Kozalla aka DJ KOZE (ausgesprochen: Kotze oder Kosi, das überlässt er euch) verzichtet absichtlich auf Schönklang. Ein Protest gegen die Welt im Ganzen. Denn der Misanthrop hat grundsätzlich an Allem was zu nörgeln. Mit seinem alter Ego Adolf Noise hat er seine Umgebung Anfang-/Mitte- der -00er Jahre schon oft auf satirische Art auf Hopps genommen.

An Amygdala beteiligten sich namenhafte Künstler wie Caribou, Apparat, Matthew Dear, Ada, Mike Milosh von Rhye, sowie Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow und die Grand Dame der deutschen Sangeskunst, Hildegard Knef. DJ KOZE bedient sich außerdem dschungelartiger Klänge und lässt Glühwürmchen umherschwirren. Immer wieder neue Sounds verschwinden so schnell wie sie gekommen sind und halten bei Laune. Dass Digitalfehler richtig geil klingen können, wäre damit ebenfalls bewiesen. Unser insgeheimer Favorit vom Album ist übrigens "Homesick", der von Ada gefeatured wird. Da hat der Koze den so-gut-wie Klassiker von Kings of Convenience in ein neues, elektronisches, aber dennoch zartes Gewand gepackt. 

Amygdala ist übrigens in einem spanischen Fischerdorf entstanden. Das regt Fantasien an. Aber das nur mal so am Rande.



Claire – The Great Escape

thegreatescape.jpgAch, wie die Zeit vergeht... - ist eigentlich ein Ausspruch, den Eltern gerne beim nostalgischen Durchblättern unserer Kindheitsfotos verwendet. Vorzugsweise, um uns in der Anwesenheit von alten Freunden oder neuen Flammen jeglichen Street Credits zu berauben. Und fast wäre er uns auch entwischt, als Claire ihr erstes Album ankündigten. Es kommt uns vor wie Gestern, als sie bei uns im Studio als Lokalhelden waren. Wir wussten schon damals: Diese Münchner werden mal fett. In der Tat haben unsere Lokalhelden es weit gebracht. Bis nach Amerika, um genau zu sein. Was als kleines einmaliges Filmprojekt begann, entwickelte sich in Kürze zu einem der gefragtesten Acts Deutschlands.

Gewohnt ist man von den Münchnern bombastischen Elektropop. Selbstbeschreibung des Sounds: Neon-Pop. Auf The Great Escape haben sie bewusst noch einen draufgesetzt. Mehr Kraft, mehr Energie. Es geht um Aufbruch. Mit "Games" lieferten sie dann unsere persönliche Sommerhymne, die schlagartig auch im Mainstream-Radio gefeiert wurde. Menno. Trotzdem definitiv auch einer unserer Favoriten dieses Jahres. 



Disclosure – Settle
 
settle.jpgVor gut vier Jahren begannen die Gebrüder unter dem Namen Disclosure zu produzieren, wobei Guy und Howard Lawrence damals gerademal 18 beziehungsweise 15 waren. 2012 war dann ihr Durchbruchsjahr. Sie spielten im Vorprogramm von SBTRKT und Hot Chip, können von einer ausverkauften US-Tour und einem Ausflug nach Australien sprechen und waren letzten Winter „jüngster Act, der jemals im Berghain gespielt hat". In Städten wie Amsterdam und Paris war ihre Frühlingstour binnen Minuten ausverkauft. Und 2013 kam schließlich das Debütalbum Settle raus.

Titel um Titel beweisen die Londoner dabei ihr feines Gespür für Melodien. Ohne engstirnig in einer Schiene zu fahren, haben Disclosure dabei ihren eigenen charakterstarken Klang: Schwer 90s mit Potential für die Masse, ohne dabei einen Funken Reiz zu verlieren. Ganz im Gegenteil. Sie schaffen den Spagat zwischen Elektro und Musik für die Menge. Dank ihnen sieht die Zukunft des Mainstreams wieder etwas rosiger aus.