Musikmeldungen
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Montag, 30. Dezember 2013, 00:00 Uhr

Artists to Watch 2014

Künstler, die ihr auf dem Radar haben müsst

Wenn alle Jahresbilanzen gemacht sind, die besten Videos, Alben und Songs aufgelistet wurden und jeder seinen eigenen Senf dazu gegeben hat, dann spätestens ist es Zeit, nach vorne zu blicken.

Auf das neue Jahr, neue Musik. Von unseren eh-schon-Lieblingen und spannenden, gehypten neuen Künstlern, die uns in den letzten Monaten mal einen mehrwöchigen Ohrwurm verpasst oder ein krasses Video gedreht haben oder als Vorband auf einem Konzert besser waren als der Hauptact.

Auch wir haben uns Gedanken darum gemacht, von welchen Künstlern wir 2014 mehr als nur einen einmaligen Zufalls-Ausrutscher auf Platz Eins bei HypeMachine erwarten oder wer mehr wird als ein YouTube-Phänomen, aber nur weil der Song so unglaublich dumm ist. Ganz ehrlich: Der Fuchs sagt nicht DingDingDing! Sondern wer eventuell das Album des Jahres abliefert – so wie Alt-J 2012. Oder überraschend der beste Act beim Lieblingsfestival wird, obwohl man gar nicht unbedingt geplant hatte hinzugehen – so wie King Krule beim Melt! 2013.

Wir wollen euch nicht den nächsten Cro voraussagen. Keinen Künstler, der es in kürzester Zeit von 0 auf 100 oder eher auf die #1 schafft. Wir stellen euch Künstler vor, die für uns als egoFamilie wichtig sind und nicht sofort auch in Werbungen, Charts und im schlimmsten Fall auf anderen Radiosendern totgespielt werden. Zumindest nicht gleich. Siehe Klingande. Oder Wankelmut. Oder Lorde. Oder...


Das hier sind unsere Artists to Watch 2014
Chance the Rapper
Keinem anderen Künstler wird so viel für 2014 vorausgesagt, wie Chance the Rapper. Und auch wir sind uns sicher: Chance wird's. Zwei Mixtapes hat er dieses Jahr rausgebracht. 10 Day und Acid Rap, beide könnt ihr euch ►HIER◄ kostenlos runterladen. Es ist seine Mischung aus singeln (singen + quängeln) und rappen, seines ungewöhnlichen Flows und seiner – zugegeben – gewöhnungsbedürftigen Stimme. Und der Tatsache, dass er einfach verdammt talentiert ist und zu dem ziemlich gute Drähte nach oben hat. Er hat wie Kanye seine Homebase in Chicago, hat Fans wie Kid Cudi, die schon mal auf seine Shows gehen, richtig gute Features wie Action Bronson und Featureparts wie bei James Blake. Auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen: Chance wird's.



Chance the Rapper: 10 Day und Acid Rap Mixtapes bereits veröffentlicht. Album: -


Ein Album, auf das wir uns richtig freuen ist No Mythologies to Follow, das MØ im Februar rausbringen wird. Wir schätzen, dass es eins der wichtigsten Pop-Alben des Jahres wird. Weil die junge Dänin einfach einen Scheiß drauf gibt, was andere über sie und ihre Musik sagen (die allermeisten sind sowieso Fan. Diplo, zum Beispiel). Das ist authentisch und frech und gut so. Und deswegen trauen wir ihr auch einiges zu im neuen Jahr. Würdet ihr – angenommen ihr hättet es geschafft, mal so einen richtigen Hit zu schreiben – dann als Musikvideo einen Film nehmen, bei dem ihr in Strumpfhose und mit Kopfhörern im Bett vor eurem Laptop liegt und Playback in die Webcam singt? Dann lieber doch im schönen Sommerkleid über die Blumenwiese hüpfen. Und genau da liegt der Unterschied. MØ macht es einfach. Warum? Vielleicht weil sie, außer einem Sinn für gute Musik, auch einen für Humor hat.



MØ: Bikini Daze EP und "Waste of Time" bereits veröffentlicht. Album No Mythologies to Follow am 28. Februar 2014.

Kwabs
Manche Menschen kommen mit einer Gabe auf die Welt. Manche können richtig gut Gitarre oder Fußball spielen. Bei manchen schnallt man nicht gleich, dass sie so eine Gabe haben. Weil man es nicht sieht, sondern erst hört, wenn sie den Mund öffnen. Kwabena Adjepong aus Ghana (aufgewachsen in London) hat eine der schönsten Stimmen seit immer. Ihr habt doch als Kind alle König der Löwen geguckt. Und als Erwachsene dann nochmal. Und erst dann habt ihr kapiert, wie unglaublich schön Simbas Kindheit, wie unglaublich traurig Mufasas Tod, wie unglaublich befreiend die Zeit mit Timon und Pumba, wie unglaublich liebevoll die Beziehung zu Nala und wie unglaublich kraftvoll die Rückkehr zum Löwenfelsen war. Und all diese Emotionalität vereint in nur zwei Stimmbändern. Zwei Songs hat er dieses Jahr auf seine Soundcloudseite geladen, einer wurde dabei direkt von SOHN produziert. Für 2014 erhoffen wir uns zumindest eine EP, angekündigt ist aber noch nichts. So lange müssen wir eben noch König der Löwen schauen.



Kwabs: "Spirit Fade" und "Last Stand" Singles bereits veröffentlicht. Album: -

Mapei
Natürlich darf auch die obligatorische Schwedenmusik nicht fehlen. 2014 erwarten wir sie von Mapei, die zwar auf Rhode Island geboren wurde, aber dann den Großteil des Lebens in Schweden verbrachte. In die Staaten flog sie trotzdem noch oft. Und verliebte sich in Ami-Hip Hop, der eben in ihrer Wohngegend, den Sozialsiedlungen New Yorks, gerade aktuell war. In schwedischen Vororten wiederum, wo es nachmittags um drei dunkel wird, muss man sich zwingen, nicht depressiv zu werden und dafür etwas zu tun, das einem Spaß macht. Lieder schreiben zu Beispiel. Und so vermischt Mapei ihre musikalischen Hip Hop-Wurzeln mit dem verwundbares-Mädchen-aus-dem-kalten-dunklen-Popmusiknorden-Dasein und klingt dabei auch noch richtig gut. Sehr poppig, aber gut eben. Besonders. Mapei hatte mal eine WG mit Lykke Li (was auch einiges erklären kann) und arbeitete vor ein paar Jahren Mal an einem Album mit Justice. Weil sie aber fand, das würde nicht zusammenpassen beendete sie die Zusammenarbeit, gemeinsame Tracks wurden nie releast. Jetzt ist sie solo, hat vor wenigen Wochen "Don't Wait" ins Netz gestellt, damit für viel Furore gesorgt und arbeitet jetzt an einem Debütalbum. Wir glauben: Noch ein, zwei solche Tracks und sie könnte die 2014-Version von Lorde werden.



Mapei: "Don't Wait" Single bereits veröffentlicht. Album: geplant für 2014

Ira May
Jetzt ist die Schweiz ja nicht gerade für seine Millionen herausragenden Soulstimmen bekannt. Deswegen wird, sobald mal eine auftaucht, auch gleich ganz nach oben ins Lobeshymnenregal gegriffen. Ira May sei sowas wie die Schweizer Amy Winehouse, freuen sie sich im Nachbarland. Wir sagen: Nein. Aber einfach deswegen, weil Amy wohl die nächsten Jährchen unerreicht bleibt. Aber, das muss ja nicht heißen, dass wir Ira May ihren Durchbruch 2014 nicht auch wünschen. Wir sind uns da nämlich ziemlich sicher, dass die 25-Jährige nächstes Jahr ziemlich steilgehen wird. Und es ja nicht so, dass sie Nullkommanull Soul in der Stimme hat. Hat sie nämlich. Ziemlich viel sogar. Vielleicht am meisten von allen 25-jährigen Schweizerinnen. Ira hat die klassische Gesangsausbildung an der Basler Musikakademie und einen Vorkurs an der Jazzschule absolviert. Dann hat sie sich aber doch erstmal für eine Handelsfachfraulehre entschieden, die sie letztes Jahr beendet hat und jetzt eigentlich damit loslegen könnte. Eigentlich. Im Januar kommt ihr Debütalbum The Spell raus.



Ira May: Let You Go und Lonely EPs bereits veröffentlicht. Album: The Spell am 24. Januar 2014

Hayden James
Woher sonst als aus Australien soll Hayden James kommen und wo sonst als bei future classic soll er gesignt sein. Machen wir uns nichts vor: Auch 2014 wird wieder mindestens 50 Prozent der besten Musik der Welt aus Down Under stammen. Und Hayden James wird für einen Großteil davon verantwortlich sein. Ob als Remixer, oder als Produzent für andere oder sich zusammen mit anderen. Die Liste seiner Traumfeaturegäste ist lang: James Blake, AlunaGeorge, Chet Faker, Lorde, Childish Gambino undundund. Seine Beats sind entspannt, breite Soundflächen, mit vielen kleinen liebenswürdigen Details. Wegen "Permission to Love" haben wir uns dieses Jahr in ihn verliebt. Es ist der erste Song, bei dem er zum ersten Mal selber gesungen hat. Geschrieben und gemacht hat er ihn in knapp vier Stunden. Die Songs, die am schnellsten gehen, sind die besten, sagt er. Gerade sitzt er am Debütalbum. Wir hoffen, dass er alle Songs ganz ganz schnell fertig kriegt. Weil wir ungeduldig und die Songs dann so richtig gut sind.



Hayden James: Hayden James EP bereits veröffentlicht. Album: geplant für 2014.

George Ezra (oder der DJ, der als erster George Ezra remixt)
Wir glauben, dass männliche englische Babies zur Geburt eine Gitarre geschenkt bekommen und noch bevor sie ihr erstes Wort sagen, das Blues-Schema zupfen können. Die eine Hälfte dieser Kinder wird später aber Rugby- oder Fußballspieler. Die andere Hälfte bleibt bei der Musik. Und 17 bis 18 Jahre später werden sie berühmt. Glaubt ihr nicht? Fragt mal bei Jake Bugg, King Krule oder ach ja, Tom Odell nach. George Ezra hat mehr Gefühl in den Fingern, als ein Origamikünstler und klingt als ob er in seinem Leben schon mehr gesoffen und geraucht hätte als ein 65-jähriger Hafenarbeiter. Und dann sieht er auch noch so britisch aus! Wir sind trotzdem im Zwiespalt: Entweder George oder der erstbeste DJ aus der erstbesten Stadt, der den erstbesten 128 bpm-Beat drunterlegt und ihn auf Soundcloud lädt (wir schlagen vor: erstmal zum Free-Download). Aber egal wie: George Ezra, den Namen merkt ihr euch bitte.



George Ezra: Did You Hear the Rain EP bereits veröffentlicht. Album: -

Banks
Über 10 Jahre lang hat sie einfach nur geschrieben, für sich, ohne jemandem davon zu erzählen. Es sind Geschichten über die Liebe, den Schmerz, die Anziehung und Ablehnung. Emotionale Geschichten. Pur, ehrlich und wahr. Erst nach der Uni - sie studierte Psychologie in Los Angeles - hat Banks beschlossen, sich intensiv der Musik zu widmen. Kurz darauf sind Blogs auf sie aufmerksam geworden und nochmal ein wenig später Produzenten wie Jamie Woon, Totally Enormous Extinct Dinosaurs und SOHN. Und nochmal ein bisschen später wir. Weil sich Banks Stimme an egal von welchem Produzenten gebauten Beat anschmiegt, wie Marmelade auf einen Pfannkuchen. Und deswegen ist es wahrscheinlich auch egal, wer letztendlich alles am Album rumproduziert, an dem sie gerade arbeitet. Wir wissen, dass es gut werden wird. Und dass, wenn wir uns mal nach einem warmen Pfannkuchenbett mit Marmeladenbettwäsche sehnen, Banks da sein wird.



Banks: Warm Water; London und Fall Over EPs bereits veröffentlicht. Album: -

SOHN
Wenn ihr bis hierhin gelesen habt, habt ihr gemerkt, dass der Name SOHN schon zweimal vorgekommen ist. SOHN ist Produzent – für andere und für sich selber – stammt aus London, lebt in Wien. Stellt euch mal einen Tropfen blaue Tinte vor, der aus großer Höhe und in Slow-Motion in einen stillen, tiefen Teich glasklaren Wassers fällt, auftrifft und sich unter der Oberfläche in Wasser auflöst, oben aber Ringe schlägt, die zu Wellen werden, so groß, dass sie Wind erzeugen, ein Gewitter beschwören und einen Tintenregen zur Folge haben. Meteorologie und so. Tintenregenfälle sind sogar in London selten und überall anders auf der Welt auch. Aber bei SOHNs Musik sind sie möglich. Sein Debütalbum ist fertig. Muss nur noch gemastert werden. Hat er stolz auf Facebook verkündet. Wir warten. Auf den Regen.



SOHN: Lessons und Bloodflows EPs bereits veröffentlicht. Album: geplant für 2014

Husbands
Wir lieben Frankreich und französische Musik. Und neben Chansons und französischem Hip Hop stehen wir vor allem auf dieses künstlerisch-träumerische Pop-Ding, das sie so viel mehr in sich tragen als wir rationalen, pünktlichen Deutschen. Laissez-Faire halt. Die drei Husbands sind Simon, Mathieu und Mathieu, die alle vorher schon in unterschiedlichen, befreundeten Bands gespielt haben. 2013 kam dann der Entschluss sich zusammenzutun, im April die famose EP. Mit den Husbands fühlt man sich einfach gut. Jung und frei und scheißdochaufdieandernmäßig. Singt oder summt oder tanzt in der U-Bahn oder im Aufzug. Springt die letzten elf Stufen im Einkaufszentrum runter. Kauft euch im Winter drei Kugeln Eis und setzt euch zum Schlecken auf den Boden. Grüßt wildfremde Menschen und lasst euch nicht von den überrascht-unfreundlichen Fressen den Tag vermiesen. Laissez-Faire! Oder so. Wir wissen ehrlich gesagt nicht genau, ob sie im nächsten Jahr was rausbringen. Aber wir wünschen es uns so sehr.


Husbands: Husbands EP bereits veröffentlicht. Album: -


Vimes
Hey, wisst ihr noch, damals, als wir gesagt haben, Deutsche hätten nicht dieses Verträumtheitsgen der Franzosen? Vergesst das, denn jetzt stellen wir euch Vimes vor. Die schaffen es nämlich, dass wir genau das spüren, wofür wir sonst auf Reisen gehen müssten. An Orte, wo man wirklich zum Träumen animiert wird, weil sie magisch und wunderschön und vor allem ganz weit weg sind. Fremde Städte mit fremden Menschen und Kulturen. Schöneres Wetter, grünere Wiesen, höhere Berge, weicherer Sand, besseres Essen, längere Nächte und schönere Sonnenaufgänge. Vimes kommen aus Köln. Julian produziert die Beats und Azhar singt. Live werden sie noch von Johannes an den Drums unterstützt. Ein Label haben sie noch nicht. Aber Fans wie Chilly Gonzales, der sicherlich mal irgendwo was anhauen könnte. Und die Jungs und Mädels eines sehr bald sehr glücklichen Labels werden sich auch erstmal Augen und Ohren reiben, wenn sie erfahren, woher Vimes stammen.



Vimes: "Celestial" "UpStairs" und "House of Deer" Singles bereits veröffentlicht. Album: -

Prides
Im April haben sie ihren bisher einzigen Song auf YouTube und Soundcloud geladen. Heute, acht Monate später, haben sie insgesamt mehr als 150 Tausend verdiente Plays gesammelt und bei Island Records unterschrieben. Wie Chvrches kommen Prides aus Glasgow, sind zu dritt und machen diese Synthie-Hymnen, die wir auch unbedingt nächstes Jahr wieder brauchen werden. Musik, zu der man so hart mittrommelt, dass Handflächen und die Oberschenkel kurz über den Knien rot brennen. Ohrwürmer, die uns helfen werden, dieses Fresskoma nach der Mittagspause zu überwinden, statt weiter zu überlegen, ob man irgendwie Grippe oder Kotzreiz vortäuschen kann, damit man nach Hause gehen kann, um zum tausendsten Mal How I Met Your Mother anzugucken. Antreiber-Chakka-das-Glas-ist-halb-voll-Songs. Wir glauben Schrägstrich hoffen, dass Prides uns 2014 ein paar davon liefern. 



Prides: "Out of the Blue" Single bereits veröffentlicht. Album: -

Ry X
Von allen hier aufgeführten Künstlern ist Ry wahrscheinlich der erfahrenste. Als einziger hat er nämlich schon mal ein richtiges Album rausgebracht. Ry Cuming kam 2010. So heißt er auch in Wirklichkeit. Das blieb allerdings relativ unbeachtet. Danach ging es für den Australier einmal um die Welt. Von Costa Rica in die USA landete er 2012 in Berlin und freundete sich mit Frank Wiedemann, einem Produzenten und DJ an. In der Hauptstadt arbeiteten sie gemeinsam an mehreren EPs. Howling und Shortline haben uns das komplette Jahr über begleitet. Nach dem Sommer machte Ry solo weiter. Die Berlin EP erscheint. Und der Titelsong wird instant von den Werbungsmenschen entdeckt und für eine TV-Kampagne verwendet. Und von dort aus haben es ja schon so viele geschafft. Warum also nicht auch Ry?



Ry X: Berlin, Shortline und Howling EPs bereits veröffentlicht, Ry Cuming (2010) bereits veröffentlicht. Album: -


Bildquelle: Flickr, "Ye Olde Band" by bigglesmith, unter CC-Lizenz