Musikmeldungen
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Dienstag, 26. September 2017, 11:00 Uhr

Musizierende Schauspieler

ungeahnte Multitalente der Kinoleinwand

Zuckersüß kann Scarlett Johansson nicht nur auf der Kinoleinwand - ihre Coverband Sugar For Sugar singt diesmal für den guten Zweck. Aber auch andere Schauspieler sind gesanglich nicht ganz untalentiert.

Michael Cera
Michael Cera, der wohl merkwürdigste und liebenswürdigste Schauspieler zugleich, ist nicht nur auf der Leinwand merkwürdig und liebenswürdig zugleich, sondern auch im Musikbusiness. Das zeigt er jetzt mit dem 80s-Synth-Lovesong, den er gemeinsam mit Sharon Van Etten für die Doku Dina aufgenommen hat.
Gut, in Juno zupft er die Klampfe und covert The Moldy Peaches und bei Scott Pilgrim vs. the World spielt er Bass und tatsächlich hat er auch schon ein echtes eigenes Album veröffentlicht, aber so richtig ernst als Musiker hat man Michael Cera noch nie genommen (vielleicht wegen des echten eigenen Albums, das eher Lofi daher kommt). Doch das muss sich jetzt ändern. Nach diesem Track kann keiner mehr leugnen: Michael Cera ist ein verdammtes Genie (das wir über alles lieben).



Scarlett Johansson
Weil zu unserer Liste an Multitalenten hauptsächlich Männer gehören, fangen wir mit einer Frau an, dessen gesangliches Talent nicht so bekannt ist. Scarlett Johansson ist als Sängerin schon über zehn Jahre aktiv. 2006 erschien ihr ersten Album Unexpected Dreams. Neben ihren Soloprojekten hat sie unter anderem bei dem Lied "Yes We can" mit Will.i.am für Präsidentschaftskampagne von Barack Obama gesungen und bei den Soundtracks einiger Filme mitgewirkt, zum Beispiel Er steht einfach nicht auf dich. Ja gut, das sind nun eher weniger ego'esque Referenzen, deswegen sind wir mal kurz leise und lassen das Mädchen ihr Talent einfach mal eben selbst unter Beweis stellen:



Letztes Jahr packte Scarlett wieder das Mikro aus: Am 7. Oktober 2016 erschien das Album The Time is Now, eine Zusammenstellung aus Coversongs. Der Erlös ging an die Stiftung für AIDS-Forschung (amfAR). Auf dem Album werden nicht nur Phil Collins und Michael Jackson gecovert, sondern auch New Orders "Bizarre Love Triangle" - und zwar von Scarlett Johanssons Band Sugar For Sugar. Die Band besteht neben ihr noch aus den sachte weniger bekannten Sängerinnen Holly Miranda, Julia Haltigan und Kendra Morris. Beim Cover von New Order bleiben sie der Essenz vom Original zwar ziemlich treu, geben dem Ganzen aber einen Touch mehr Neon-Pop.



David Duchovny
Es ist Zeit, die ewige Mulder oder Moody Diskussion niederzulegen und zu akzeptieren, dass dieser Kerl hin und wieder auch mal ein richtig guter Duchovny ist - wenn er Musik macht, beispielsweise. Dass er dazu tatsächlich fähig ist, hat er mit seinem Debütalbum Hell or Highwater bewiesen, das am 12. Mai 2015 veröffentlicht wurde. Zumindest handelt es sich dabei um eine solide Folk-Rock Platte, die zu romantischem Schunkeln am Lagerfeuer geradezu drängt.



Johnny Depp

Egal ob als Raoul Duke in Fear and Loathing in Las Vegas, als grausamer Friseur in Sweeney Todd oder als Edward mit den Scherenhänden: der Typ scheint der geborene Schauspieler zu sein. Doch bevor es überhaupt erst mit der Schauspielerei los ging, hat sich Depp als Musiker versucht. Mit seiner Band The Kid war er in den 80ern sogar Vorband von Iggy Pop. Das war's dann leider aber schon mit den größeren Erfolgen. Später war er auch Gitarrist der Band Rock City Angels. Und dass er immernoch Gitarre spielen kann, hat er vor ein paar Jahren an Halloween bewiesen, wo er mit Marilyn Manson auf der Bühne stand.



Christopher Lee
Der britische Bösewicht unserer Herzen, der unter anderem als Saruman in Herr der Ringe zu sehen war, machte Metal - und das auch noch im Alter von 93 Jahren, bis zu seinem Tod 2015. Ein Jahr zuvor veröffentlichte Lee seine letzte EP, Metal Knight. So wird er nicht nur über seine Filme unvergessen bleiben, auch seine Musik macht ihn ein großes Stück mehr unsterblich.



Ryan Gosling
Ryan Gosling ist nicht nur (für viele) unglaublich schön und ein guter Schauspieler, was er in Filmen wie The Place Beyond The Pines, Drive oder Wie ein einziger Tag unter Beweis stellt. Natürlich hat dieser Traum aller Mütter auch noch einen wunderbaren Musikgeschmack - nicht nur wenn es um seine eigenen Filme wie Lost River geht, bei der er genug Feingefühl hatte, Johnny Jewel von den Chromatics die Soundtrack-Aufgabe in die Hand zu drücken, sondern auch, wenn es ums Selbstmachen geht. Sein erstes und bisher einziges Album kam 2009 raus, heißt Dead Man's Bones und ist mit dem lockeren Gesang und flinken, etwas ruppigen Akkorden der Herzenseroberer schlechthin. Wenigstens isst der Kerl ungern Müsli. Man kann schließlich nicht durch und durch perfekt sein.



Jeff Bridges
Er gehört zu den einflussreichsten Schauspielern und hat in mehr als 50 Filmen mitgespielt. Beim Dude Daheim steht sogar schon ein Oscar für die beste Hauptrolle im Film Crazy Hearts rum, für den er auch den Soundtrack beisteuerte. Doch dies passierte lange, lange nachdem Bridges sich der Musik widmete - fast zehn Jahre vorher schon veröffentlichte Bridges sein Debütalbum Be Here Soon über sein eigenes Label Ramp Record. 2011 folgte das zweite, selbstbetitelte und 2015 haute der Dude seine Sleeping Tapes raus.



Bruce Willis
Walter Bruce Willis kommt aus Idar-Oberstein und so ziemlich jeder kennt ihn für seine Schauspielkunst - seit 1980 gibt es eigentlich nur drei Jahre, in denen man vom Stirb-langsam-John McClane Ruhe hatte. Kaum einer weiß allerdings, dass der Drehbuchautor, Filmproduzent und Komponist auch selber singt, zumindest von 1980 bis 2010. Gut, könnte eventuell auch daran liegen, dass er zum Musizieren gerne mal den Künstlernamen Walter Willison annimmt, wobei er sich eigentlich gar nicht verstecken bräuchte - 1987 war "Under the Boardway" immerhin auf Platz #02 der UK Charts.



Klaas Heufer-Umlauf und Gloria
Der Prinz des Porno-Ping-Pongs endeckte nach einer langen und erfolgreichen Karriere als TV-Spaßnudel seine Singer-Songwriter-Seite. Zusammen mit Mark Tavassol (seines Zeichens Gitarrist von Wir Sind Helden) hat er die Band Gloria gegründet. Was damals zunächst nach einem großen PR-Gag aussah, entwickelte sich schnell zu einer ernstzunehmenden Sache, immerhin kamen die Jungs kurz nach Gründung bereits bei Grönland Records unter Vertrag - dem Label, das auch Künstler wie Philipp Poisel und Boy unter seinen Fittichen hat. Klaas und Mark haben inzwischen zwei komplette Alben rausgehauen, zum einen das selbstbetitelte Debüt (2013) und den gelungenen Zweitling Geister (2015). Im August dieses Jahres folgte dann prompt auch schon wieder eine neue Single: "Immer noch da". Jep, Gloria haben es sich bequem gemacht im Musikbusiness.



Nora Tschirner und Prag
Die Nora und egoFM, das ist auch so eine Geschichte. Im Juli 2012 war unsere Redaktion tief zerstritten über die Frage "Finden wir Prag gut oder nicht". Prag, das ist die Band von Nora Tschirner, die dort zusammen mit ihren Freunden Erik Lautenschläger und Tom Krimi Musik macht. Und das klingt so:



Ganz entschieden haben wir uns immer noch nicht, tendenziell sind wir aber dann doch ein bisschen entzückt. Auch dieses Schauspieler-Musiker-Gebilde hat zwei Alben auf den Markt gehauen und das auch noch in exakt den selben Jahren wie Gloria: Premiere (2013) und Kein Abschied (2015). Damit wir ganz damit im Reinen sind, müssten jedoch eventuell noche in paar Platten mehr folgen. 

Serdar Somuncu und Zwieback & T
Das ist ein ganz besonderer Fall der missglückten Musikerzweitkarriere. Denn es soll eine Parodie sein, die aber wiederum so cheezy ist, dass man nicht mit sondern über sie lacht. Der Kabarettist Serdar Somuncu tat sich mit dem Produzenten André Fuchs zusammen, sie nannten sich Zwieback & T  und veröffentlichten gleich ein ganzes Album.



Beim Anhören drückt eine ganz simple Frage wie ein Geschwür auf jede einzelne Nervenzelle: "Warum nur, warum?" Olli Schulz ist auch ratlos.



Bildquelle: flickr | "A Vintage Microphone" von Holmes Palacios Jr. | cc by 2.0