Musikmeldungen
svenregener
Freitag, 27. Februar 2015, 15:00 Uhr

Element of Crime zu Gast bei Max

Hier das ganze Interview zum Nachhören

Sven Regener ist Drehbuchautor, Schriftsteller und nicht zuletzt Sänger von Element of Crime. Klar also, dass wenn Regener zu einem Interview vorbeischaut, es um absolut alles gehen kann. Ging es dann auch.

Seit 30 Jahren macht Sven Regener erfolgreiche Musik mit seiner Band, schreibt Bestseller und führt Regie. Trotzdem gilt er seit einem legendären Ausraster oft nur als intellektueller Zitatgeber, wenn es um den Ausverkauf von Kunst und Kultur geht. Das ist nicht nur sehr unfair, sondern auch unglaublich falsch:

Sonderlich intellektuell war das ja nicht, mehr so Happy Hardcore. Im Grunde genommen ging es um eine Haltung zur Musik. Was wollen wir von den Musikern? Sollen das irgendwelche Dödel sein, deren Kram nichts wert ist ,oder ist das eine grundsätzliche Frage, in der es darum geht, wie weit man Musiker und Rechteinhaber enteignet. Aber das ist abgehakt. Ich hab danach auch nie wieder Interviews zu dem Thema gegeben, weil ich wusste, wenn ich jetzt damit anfange, dann bin ich nur noch der Rechtskasperle für alle und das wollte ich nicht. Es war, glaube ich, ganz gut, dass nicht immer nur die Lobbyisten der Plattenfirmen und Buchverläge was dazu sagen, sondern dass sich auch mal ein Künstler dazu committet und mal sagt 'Warte mal, wir machen das hier nicht aus Schingschangdudel und wir erwarten Respekt.' Wir sind der Meinung, wenn jemand unsere Songs mag, dann kann er dafür auch einen Zehner hinblättern, das ist nicht teuer. Andere Leute kaufen sich ein Paar Schuhe für Hundertneunzig Euro, dann können sie auch nen Zehner für die Platte zahlen von jemandem, den sie mögen. Das Intellektuelle war da nicht sonderlich überrepräsentiert.
Im letzten September kam das 13. Album von Element of Crime in die Läden, Lieblingsfarben und Tiere. Klingt nach Freundebuch und Kinderlied. Auch hier, klärte Sven (wir dürfen jetzt übrigens Sven sagen) uns auf, steckt nicht wirklich viel Intellekt dahinter:

Das Album ist nach einem Song auf dem Album benannt. Und das ist eigentlich so n bisschen Bullerbü-Musik. Das mag ich manchmal auch ganz gerne. Es hat was Regressives und Kindliches. Und es handelt eigentlich davon, dass man sagt, ich hab jetzt kein Bock mehr, die ganzen Leute gehen mir auf die Nerven, lasst mich alle in Ruhe. Die Leute fragen, ist das eine Antwort auf die Beschleuningung der Welt? Ich sage: Die Welt war schon immer schnell, man hat immer mal die Schnauze voll. Und das ist ein tolles Thema für Rock'n'Roll: Abhängen. Da kann man gute Songs draus machen.
Element of Crime sind Lieblinge des Feuilletons, die sie vor allem ihrer intelligenten Texte wegen feiern. Dagegen spricht, dass Sven Regener, der Verfasser, die Zeile "Liebe ist kälter als der Tod" angeblich selbst nicht versteht. Außerdem findet er, dass Musik und Intelligenz sowieso nicht zusammenpasst:

In der Kunst sind Intelligenz und Verstand kein Wert an sich. Mit einem intelligenten Lied kann ich nichts anfangen. Intelligente Kunst gibt es nicht. Intelligenz ist wichtig in Dingen wie Debatten, in der Politik, an der Uni, in einer Wissenschaft. In der Musik hat Intelligenz keine Rolle. Unser erster Schlagzeuger hat immer gesagt, ein Drummer kann doof wie Hölle sein, Hautptsache er geht ab wie Sau. In der Kunst geht es nicht darum, schlau zu sein, sondern etwas zu machen, das berührt, auf eine Weise, die man nicht versteht.

Hier könnt ihr das ganze Interview nachhören:


Element of Crime touren noch den März über und sind im Sommer auch auf unseren Lieblingsfestivals, wie dem Melt!, zu Gast. Ihr 13. Album Lieblingsfarben und Tiere ist seit letztem September draußen. Nicht nur Sven meint: Kaufen!