Musikmeldungen
ssio
Mittwoch, 20. Februar 2013, 00:00 Uhr

Musikentdecker: Ssion

Künstler, die man auf dem Radar haben sollte

Wenn der Frontsänger aussieht wie Frida Kahlo, Schnauzer, Make-Up und Damenklamotten trägt, kann man davon ausgehen, dass auch die Musik nicht weniger extravagant ist. Somit ist Ssion etwas, das man sich allein schon aus kulturellen Gründen nicht entgehen lassen sollte.
Um zu erklären, warum wir Ssion feiern, brauchen wir nur zwei Wörter: Cody Critcheloe. Frontsänger der Band und Superhirn, süchtig nach Selbstdarstellung. Kleider und roter Lippenstift sind nur etwas für Frauen? Versucht das mal Cody zu erklären. Natürlich ist das für heutige Verhältnisse nichts Besonderes. An Cody hat es allerdings etwas faszinierendes, inspirierendes ja, geradezu hypnotisierendes. Würde Ssion etwas bekannter werden, würde morgen die ganze männliche Weltbevölkerung in Kleidern und rotem Lippenstift rumlaufen. Doch damit wären sie auch nur einen Schritt hinter Cody, der sich übermorgen wohl im Taucheranzug und Tütü sehen lassen würde. Nun, das war geraten. In Wahrheit wird es etwas sein, auf das man jetzt nicht mal mit den abgefahrensten Drogen kommen würde.

Und nicht nur wir sind begeistert von diesem Hirn. Auch die Yeah Yeah Yeahs, Santigold und Liars sind große Cody-Fans, immerhin durfte er für die Albumcover und Videos gestalten. Doch nun genug über triviales geschwärmt. Schließlich steht die Musik bei uns immernoch im Vordergrund. Ssion ist eine Elektro-Pop-Band aus Kansas City, die es eigentlich schon ewig gibt. Seit 1996, um genau zu sein. Seitdem wurden zehn Alben veröffentlicht und ziemlich verrückte Live-Shows performt, so sagt es zumindest die Legende. Trotzdem genießt Ssion eine gewisse Unbekanntheit. Was irgendwie schade , aber der Band höchstwahrscheinlich gar nicht so unrecht ist. Untergrund und so.



Das neueste Album ist „Bent“ und wurde 2012 unter Sleazetone Records veröffentlicht. Die meisten Lieder handeln von der Liebe und dem dazugehörenden Schmerz, so auch „Psy-Chic“ und „Earthquake“. Allerdings klingt es kein bisschen wehleidig. Ganz im Gegenteil. Eher nach dem Motto „Mein Herz liegt in Trümmern, aber scheiß drauf, ich gehe in die Disko und tanze und singe es einfach wieder heil.“ Also steht man plötzlich heulend im Tanzschuppen und trällert „An earthquake, an earthquake, feels like a heartbreak, a heartbreak.“ Eben genau das, was man in so einer leidigen Phase gebrauchen kann.



Gerade haben Ssion ihr neues Video zu "High" veröffentlicht. Das hat irgendwie etwas gemeinsam mit der Art Traum, nach dem man schweißgebadet aufwacht und sich erst fragen muss, wo man ist, ob das gerade wirklich passiert ist und von dem man auch tagsüber noch verfolgt wird.



Bildquelle: Facebook/ Ssion