Musikmeldungen
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Montag, 21. September 2015, 05:00 Uhr

Weltbekannt in Frankreich

10 Künstler, die ihr kennen solltet

Die Franzosen können es einfach viel besser als alle anderen, dieses "leben". Sie verstehen es besser zu essen, besser zu genießen, besser zu lieben. Und Fußball spielen können sie auch. Wir hören mal, wie sie das mit der Musik so meistern.

Großartig suchen muss man nicht - Frankreich ist musikalisch durchaus kein unbekanntes Land. Dabei seien nur mal Daft Punk, C2C, Woodkid, Breakbot, Justice, Sébastien Tellier oder die ganzen Klassiker wie Serge Gainsbourg, Léo Ferré, France Galle undundundundundundundundund erwähnt. Allerdings gibt es noch so viele andere Künstler zu entdecken, zu viele andere! Wir hatten irre Probleme, uns auch schon auf diese zehn (aber streng genommen 14) Künstler zu beschränken. Schweren Herzens ging es dann doch irgendwie. Wir stellen vor...

Husbands

Mit den Husbands schummeln wir ein bisschen. Denn eigentlich handelt es sich hier um gleich drei französische Bands, die sich zur krassesten Supergroup fusioniert haben, die es je gab. So bilden sich die Husbands aus den Besten der Metiers Songwriting (Oh! Tiger Mountain), Beats (Nasser) und Melancholie (Kid Francescoli), weswegen es eigentlich gar kein Wunder ist, dass sie so ganz arg fantastische Musik machen. Jeder Song (kein Scheiß), den sie bisher veröffentlicht haben, war mindestens eine Zeit lang unser Lieblingssong. "You, Me, Cellphones", zum Beispiel:



Oder "Dream":



Und auch "Let Me Down (Don't)":



Der Entschluss, sich zusammen zu tun, kam 2013, im April dann die famose, selbstbetitelte EP. Mit den Husbands fühlt man sich einfach gut. Jung und frei und scheißdochaufdieandernmäßig. Laissez-Faire! Oder so. Ihr Debütalbum hatten wir eigentlich 2014 erwartet. Aber nichts. Erstmal war jeder wieder mit seiner Hauptband beschäftigt. Kid Francescoli veröffentlichte zum Beispiel mit Julia Minkin die Platte With Julia, wo unter anderem "Blow Up" drauf war:



Auch der andere Mathieu haute mit Oh! Tiger Mountain sein Debütalbum raus, The Start of Whatever. Ihr Song "New Religion" machte weltweit Runde auf den relevanten Musikblogs:



Na gut, Simon veröffentlichte mit Nasser 2014 nichts, konnte sich dafür aber auf dem Erfolg von ihrem dritten Album #7 ein bisschen ausruhen.



Anfang dieses Jahres, ganz plötzlich, war es aber so weit: die Husbands haben ihr Debütalbum veröffentlicht. Ça alors!

Ob wir nach derartiger, jahrelanger Schwärmerei enttäuscht waren?
Nein. Die selbstbetitelte Platte hielt alles, was wir uns die letzten zwei Jahre erhofft hatten.



Chevalrex
Selbst beschreibt Rémy Chante aka Chevalrex aus Valence seine Musik als Bricolages-Pop, was so viel heißt wie Heimwerker- oder (wahrscheinlicher) Bastelei-Pop. Wegen all der verschiedenen Einflüssen könnte man seinen Stil auch der Collage zuordnen. So schafft er auch perfekt den Spagat zwischen melancholischen, chanson-angehauchten (zum Beispiel "Jamais sans ma hâche") und treibenden, mediterranen Klängen ("Seconde main").



2013 veröffentlichte Chevalrex sein erstes Album Catapulte, 2014 folgte dann 30 Minutes with Chevalrex.



Odezenne
Eigentlich weiß man bei Odezenne sofort, worauf man sich einlässt, wenn man nur mal auf Facebook schaut. Dort geben sie ihre Heimatstadt als "Ta mère" (zu Deutsch so in etwa "Dei Mudda") an. Dies wäre nur ein Beispiel für ihre Message. Ein anderes findet man in ihrer Diskografie. Dort verstecken sich Titel wie "Je veux te baiser" (Angabe zu Deutsch nicht möglich, da nicht jugendfrei) oder "Bouche à lèvres" (gut, das ist noch einigermaßen koscher). Was wir sagen wollen: Odezenne ist pure Erotik. Kein Witz.
Ihre erste Platte, Sans chantilly, kam 2008 raus und ist eher HipHop - schön smoother, entspannter HipHop, der Flow ist bombastisch. Extra gezuckert wird außerdem mit feinen Samples und warmem Vinyl-Geknister.



O.V.N.I., die Nachfolgerplatte, kam 2011 raus und ist schon eine Mischung aus HipHop und schweren Elektroklängen.



Dolzinger Str. 2, die dritte Platte von Odezenne, kam heuer erst raus und ist eine weitere Entwicklung Richtung Elektro. "Je veux te baiser" ist dafür leider ein semi-guter Beweis, besser eignen würden sich Songs wie "Cabriolet" und "Vodka" - die kann man hier in Deutschland in diesem Internet allerdings nicht anhören weil YouTube und GEMA (ihr wisst schon).
Sollten den unten stehen Song nun Minderjährige oder Hardcore-Christen hören: Sagt es fei nicht euren Eltern. Haben wir uns da verstanden? Cool.



Fauve
Nicht mehr ganz unbekannt, aber dafür ein sehr dringender Tipp aus der egoRedaktion sind Fauve. Die Pariser machen Musik, die man theoretisch unter das Kopfkino-Genre packen müsste: Auf Französisch singen sie weniger, als dass sie Geschichten erzählen und diese dann mit feinst melodischer Hintergrundmusik vertonen und Field-Recordings ausschmücken. Echt magnifique!



Bisher haben sie zwei Alben veröffentlicht, Vieux Frères I und Vieux Frères II. Allerdings beschreiben sie sich selbst weniger als Band, sondern viel mehr als Kollektiv mit fünf permanenten Mitgliedern.



Von einer Person, die sehr eng mit dem Frontmann befreundet ist, wissen wir, dass Sänger Quentin Postel im normalen Gespräch genauso redet wie in den Songs, was oft ziemlich nervenaufreibend sein kann. Außerdem hat man uns erzählt, dass Fauve der ganze Ruhm sogar schon viel zu viel ist - vor einem Konzert sei er einmal rauchend auf und ab gegangen und habe immer wiederholt, dass er es einfach nicht verstehe, er verstehe es einfach nicht, wie sei das möglich, dass sie mittlerweile bei Festivals schon als Headliner auftreten.



Baden Baden
Baden Baden ist ein Trio aus Paris, das 2008 mit Musikmachen angefangen, allerdings erst zwei Jahre später das Debütalbum 78 mit gerade mal sieben Tracks veröffentlicht hat. Ihre Songs zeugen von reinen und geflissentlichen Melodien, sind ziemlich umgänglich, der Gesang ist größtenteils auf Französisch. Ihre zweite Platte, Coline, wurde 2012 veröffentlicht, Mille Eclairs folgte Anfang dieses Jahres.



Während "J'ai plongé dans le bruit" noch recht treibend ist, ist "Dis leurs" etwas ruhiger und emotionaler, man könnte es theoretisch als sowas wie Neo-Nouvelle-Chanson bezeichnen.



Der weitaus synthie-lastigere Track "Le Courage des Oiseaux" wurde am 1. Juni 2015 erst veröffentlicht. Dabei handelt es sich um ein Cover von Dominique A, den man als Pionier und Gründungsmitglied des Nouvelle Chansons ansieht.



Martin Mey
Der Soul/Folk-Sänger veröffentlichte 2010 seine Debüt-EP Get Out and Live und 2011 sein Debütalbum Out Of My Loops, auf dem unter anderem auch sein Cover von Led Zeppelins von "Nobody's Fault But Mine" drauf war. Seine aktuelle Platte, Taking Off, kam 2014 raus und ist elektronischer als die Vorgänger. Einer unserer Favoriten ist "Loner/ Prisoner", der ein bisschen an den Klang des ersten Foals Albums erinnert. In diesem weiten Web gibt es davon aber lediglich eine akutische Version, wo das nicht besonders gut rauskommt. Deswegen hier ein anderer Track des Albums:



Radio Elvis
Die Pariser kennt ihr bereits aus dem egoProgramm mit ihrem fluffig-düsteren Songs "La Traversée". Der Track erschien 2015 auf ihrer EP Juste avant la ruée, wurde allerdings schon 2013 auf der Seriously, Eric? Compilation veröffentlicht.



Während viele ja selbst Nouvelle Chanson als eher altbacken empfinden, geben Radio Elvis diesem nochmal eine etwas modernere Anmutung. Der Gesang ist dabei klassisch tief-zart, wird allerdings von Gitarren, einem prägnanten Schlagzeug und sogar vereinzelt elektronischen Elementen begleitet, statt von Akkordeon und Piano. Das beweisen die Radio Elvis auch wieder auf ihrer neuesten, zwei-trackigen EP Les Moissons.



Juveniles
Das Duo aus Frankreich mischt schon seit 2011 gemeinsam rum und konnte sich mit diversen Remixen, wie zum Beispiel Yelles "Comme un enfant" oder "Entropic" von den Coastal Cities einen Namen machen. Ihr eigener Klang ist aber auch nicht schlecht (viel viel besser sogar): Synth-Pop gespickt mit 80s Elementen.



Beherbergt unter dem französischen Label Kitsuné brachten sie auch schon mehrere EPs raus, ihr selbstbetiteltes Debütalbum wurde allerdings erst 2013 veröffentlicht und wurde von ihrem Landsmann Yuksek produziert.



Ein neues Album kündigen sie bereits seit 2014 an, am Juni dieses Jahres wurde dann endlich der erste Track "Partyfine" veröffentlicht, bei dem sie auch wieder mit ihrem Mentor Yuksek zusammen gearbeitet haben.



Isaac Delusion
Wenn man versucht etwas über die vier Jungs von Isaac Delusion etwas heraus zu bekommen, stößt man ohne Französisch Kenntnisse schnell an seine Grenzen. Das Problem: Die wenigen Informationen die man über sie herausfindet können nur schwerlich ein Bild über die Pariser vermitteln. So reichen ihre musikalischen Einflüsse von Elliot Smith über Neil Young zu Bonobo und Gang Starr und ihr Stil wird mit einer Mischung aus Tropical, Zouk und Paranormal betitelt. Was wir aber besonders an ihrer Musik mögen: Sobald man den Play Button drückt, spielen all die Probleme des Alltags keine Rolle mehr. Denn schon die ersten Töne dringen unmittelbar ins Herzchen und erfüllen den Körper mit einer angenehmen Wärme und Gefühl der Geborgenheit.



2012 veröffentlichten Isaac Delusion zwei EPs, Midnight Sun und Early Morning. 2014 kam dan endlich ein ganzes, selbstbetiteltes Album. Wir lieben diese eher simplen, organischen Melodien, die mit feinen Elektro-Elementen und Loics zwarten, sehr interessanten Stimme kombiniert werden.



Am 22. Juni dieses Jahres haben Isaac Delusion einen neuen Song veröffentlicht, "How Much I Want Her", der recht funky daher kommt. Äh, kann jetzt bitte mal endlich jemand was erfinden, das einem ermöglicht, Musik essen zu können?



Yan Wagner
Yan Wagner ist ein Elektro-Künstler aus Paris, der aber auch schon mal länger in New York gelebt hat. So. Das wäre es. Denn viel mehr gibt es über ihn merkwürdigerweise nicht viel zu lesen, in diesem Internet. Seine Tracks sind housig, haben aber auch Elemente vom Dark-Wave und Techno. Charakteristisch ist bei all seinen Songs jedoch seine wahnsinnig tiefe, imposante Stimme. Yan Wagners letztes Album Forty Eight Hours wurde 2012 veröffentlicht.



Auch die EP Turmoil wurde eigentlich schon vor drei Jahren veröffentlicht, wurde nun aber nochmal re-releast. Der Auftritt vom Art Rock Festival erinnert dabei sehr an den Stil der dänischen Rangleklods.





Daniel Darc
Der Pariser sollte sich auch in dieser Liste befinden, da er als Inspiration für einige der oben genannten Künstler gilt und nicht zuletzt ein wahnsinnig talentierter Musiker war - leider hat er Anfang 2013 einen Herzinfarkt nicht überlebt und ist mit gerade mal 53 Jahren verstorben. Mit seiner Band Taxi Girl hat er zwischen 1980 und 1990 sechs Alben veröffentlicht und den französischen New Wave stark beeinflusst. Solo veröffentlichte Daniel Darc noch weitere sechs Platten, seine letzte, Chapelle Sixteen, kam 2013 raus.

Qu'il repose en paix.



Bildquelle: Flickr | "Untitled" von I Love Trees | cc by 2.0