Musikmeldungen
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Montag, 30. November 2015, 00:00 Uhr

Weltbekannt in Irland

5 +1 Künstler, die ihr kennen solltet

In Irland ist die Welt gerade voll okay: Drogen werden dekriminalisiert, geringe Mengen sollen sogar erlaubt werden, es gibt guten Whisky, ein Buttermuseum und gleichgeschlechtliche Paare dürfen heiraten - doch bevor wir auswandern, wollten wir noch mal sicher gehen, dass auch die Musikszene dort passt.

Man könnte meinen, dass der Irischen Regierung die dreitäge Legalität von Drogen anfang des Jahres geschmeckt hat - vielleicht, weil es den Tourismus so herrlich spontan und stark angekurbelt hat. Aber von vorne: Im März waren Ketamin, Ecstasy, Meth und Konsorten für ein paar Tage lang legal. Grund dafür war ein kleines Fauxpas aus dem Jahre 1977. Damals wurde der "Misuse Of Drugs Act" verabschiedet, der die Herstellung, den Besitz und die Verbreitung von Drogen unter Strafe stellt - es sollte mit einem umfassenderen Gesetz ersetzt werden.
Jene Erweiterung wurde im März jedoch von einem irischen Berufungsgericht als nicht verfassungskonform erklärt. Das bedeutete im Umkehrschluss, dass ab sofort jeglicher Besitz, Konsum und Verbreitung von Substanzen wie Ecstasy, Benzodiazepine und sogenannten Legal-Highs keinen Gesetzesverstoß darstellte. Diese juristische Lücke konnte erst wieder geschlossen werden, nachdem das ausgebesserte Gesetz durch das irische Unter- und Oberhaus gegangen ist und vom Präsidenten unterzeichnet wurde. Dies dauerte jedoch drei ganze Tage.

Nun will man den Konsum von Drogen dekriminalisieren - damit nimmt sich Irland ein Beispiel an Portugal, das auf die Art und Weise die Zahl der Drogenabhängigen stark reduzieren konnte. Schließlich sinkt die Hemmung, sich Hilfe zu holen, beziehungsweise einfach Hilfe anzunehmen. Nächstes Jahr sollen deswegen auch öffentliche Injektions-Räume in Dublin geöffnet werden.

Der Drogenbeauftrage Irlands, Aodhán Ó Ríordáin, sagte dazu in der Irischen Times:

I am firmly of the view that there needs to be a cultural shift in how we regard substance misuse if we are to break this cycle and make a serious attempt to tackle drug and alcohol addiction.

Zudem überlegt sich Ó Ríodáin, ob es nicht generell eine gute Idee wäre, den Besitz von geringen Mengen Cannabis und Kokain zu legalisieren - muss wohl sowas wie umgekehrte Psychologie sein. Genaueres wird sich erst in den nächsten Monaten ergeben.

Nachdem sich im Mai die Bürger Irlands via Referendum - in klarer Mehrzahl - für die Heirat gleichgeschlechtlicher Partner entschieden haben, wird das Land so immer mehr zu einem irre fortschrittlichem Vorbild. Zudem kommen eben noch Dinge wie das Buttermuseum (verdammt, ein Buttermuseum!), irrwitzige Feiertage, Kobolde und verstecktes Gold, Whisky, saftiges Gras... Würden auch Wetter und Temperaturen in Irland passen, wären wir sofort weg, keine Frage. Denn auch die irische Musikszene macht wahnsinnig viel her - fünf (plus einen) Künstler stellen wir euch diese Woche in "Weltbekannt in..:" etwas genauer vor.

Soak
Die junge Irin hat zwar erst 2014 ihre ersten Singles ("Blud" und "B a noBody") der Öffentlichkeit präsentiert, wurde jedoch noch im selben Jahr vom BBC auf der Sound of 2015 Liste als Künstlerin aufgeführt, die man unbedingt kennen sollte. 2015 veröffentlichte Bridie Monds-Watson - wie Soak mit bürgerlichem Namen heißt - ihr Debütalbum Before We Forgot How to Dream, das dieses Wochenende sogar mit dem Northern Irish Album of the Year Award ausgezeichnet wurde.
Während ihr Äußeres eher burschenhaft ist, klingt ihre Stimme unfassbar mädchenhaft und einfühlsam. Soak ist übrigens erst 18 Jahre alt und somit wieder mal eines jener Wunderkinder, das Fragen in uns hervorruft wie: "Was zur Hölle machen wir nur falsch in unserem Leben". Dementsprechend unschuldig sind ihre Lyrics, sie handeln meist von einfachen Teenager-Problemen, sind aber wahnsinnig philosophisch.




Shit Robot
Der gebürtige Dubliner Marcus Lambkin lebt nun seit mehreren Jahren in New York, wo er als DJ seine Bagles verdient. Gerade mit James Murphy vom LCD Soundsystem hat Lambkin oft zusammen aufgelegt und gemeinsam Tracks produziert. Über dessen Label (DFA) brachte Shit Robot 2010 auch seine Debütplatte From the Cradle to the Rave raus, das in der elektronischen Blogosphäre ziemlich gehypt wurde. Letztes Jahr folgte We Got A Love, ebenfalls über Murphys Label.
Für seine neueste Single, "Where It's At" (2015), hat sich Shit Robot den Comedian Reggie Watts erneut als Feature geholt - die beiden arbeiteten bereits für We Got a Love" zusammen. Lambkins housige Klangbetten funktionieren aber auch einfach perfekt mit Watts souliger Stimme.




Mano Le Tough
Mano Le Tough kann man eigentlich nicht mehr wirklich als Geheimtipp bezeichnet - immerhin hat der gebürtige Greystoner schon um die 125.000 Facebook-Fans. Dafür wirkt Niall Mannion jedoch noch recht auf dem Boden geblieben. "Mano likes nature, eating vegetables and reading", schreibt er in seinen Social-Media Kanälen.
Mittlerweile lebt Mano Le Tough in Berlin, wo er regelmäßig in der Loftus Hall die Passion Beat Reihe schmeißt. Gäste waren unter anderem schon Nicolas Jaar und John Talabot. Wenn er mal eben keine Party schmeißt, legt er selbst auf und produziert fantastische, meist instrumentale Deep House-Tracks. Sein Debütalbum Changing Days wurde 2013 veröffentlicht, heuer kam der Nachfolger Trails raus. In den solltet ihr unbedingt mal reing




Rejjie Snow
Irland hat eine großartige Hip Hop Szene. Eines seiner neuesten und vielversprechenden Talente ist der Dubliner Rapper Alex Anyaegbunam, alias Rejjie Snow. Sein creepy Video zu "Lost in Empathy" wurde fast eine Million Mal angesehen, der Sound dazu erinnert ein wenig an Tyler, The Creator - nur noch etwas elektronischer.
Nachdem Rejjie Snow bereits einige Jahre in Amerika zur Schule ging, fing er 2012 in Savannah, Georgia an, Film und Design zu studieren. Allerdings wollte er sich dann doch eher auf das Musikmachen konzentrieren und kehrte zurück nach Irland. Dort produzierte er seine Debüt-EP Rejovich, die er 2013 raushaute. Sein Debütalbum Dear Annie hat bis dato noch keinen offiziellen Release-Termin.




Little Green Cars
Little Green Cars wurden uns damals von ihrem Landsmann Hozier empfohlen, als wir ihn nach seinen Musiklieblingen fragten. Das Folk-Pop-Quintett gründete sich 2007, damals waren alle Mitglieder noch um die 15 Jahre alt. 2008 veröffentlichten Little Green Cars ihre erste EP Volume I, 2009 kam der Nachfolger Volume II raus. Ihr Debütalbum Absolute Zero hauten sie 2013 raus. Die Platte wurde von Markus Dravs produziert, der auch schon für Künstler wie Mumford and Sons gearbeitet hat.




Solltet ihr außerdem kennen: Kojaque
Kojaque macht diesen lockeren, smoothen Rap mit diesen entspannten Beats. Das Zusammenspiel daraus erinnert uns ein klein wenig an eine Fusion aus Loyle Carner und dem hiesigen FloFilz. Ein Debütalbum hat der noch sehr unbekannte Ire allerdings noch nicht veröffentlicht. Viral ging jedoch sein eigentlich recht minimalistisches Video zu "Midnight Flower". Dafür hat Kojaque nämlich circa drei Wochen lang geübt, die Luft für mindestens drei Minuten lang anhalten zu können. "Midnight Flower" wurde nämlich in einem Take aufgenommen. Abgefahren - aber definitiv nicht zum Nachmachen geeignet. Denn mal abgesehen davon, dass es recht unangenehm ist, einfach nicht mehr zu atmen, ist es auch noch ziemlich lebensgefährlich für uns Säugetiere.
Hoffen wir also, dass Kojaque nicht ausversehen mal zu lange unter Wasser bleibt und pünktlich zu der eventuellen Legalisierung von Marijuana noch ein komplettes Album rausbringt. Das Zeug (also sein Zeug) ist nämlich exquisit.



Bildquelle: Flickr |"100_1810" von Demnos0813 | cc by-sa 2.0