Yard Act: Where's My Utopia?

Yard Act: Where's My Utopia?

Das Album der Woche

Von  Vitus Aumann
Auch über die scheinbar perfekte Welt kann man sich gerne mal wohlklingend auskotzen.

Wie schafft man es rein in das perfekte Leben?

Na ja, schaut man ins Internet ist das ganz schön einfach: Bloß schnell einen überhaupt gar nicht zwielichtig wirkenden Kurs abonnieren, der nach nur ein paar erstaunlich hohen Überweisungen alle Träume wahr werden lässt – was soll schon schiefgehen?
Aber selbst wenn an den ganzen blödsinnigen Pyramidensystemen etwas dran wäre: Was wäre denn, wenn plötzlich wirklich alle Wünsche auf einen Schlag wahr werden – man aber trotzdem einfach nicht so wirklich glücklich wird?

Dieses scheinbar gar nicht so absurde Szenario spielen Yard Act gerade durch:

Auf Where’s My Utopia? zerlegen die Briten ihren eigenen Aufstieg in die Post Punk-Championsleauge. Und erreichen dabei noch mal größere Höhen.
  • Yard Act: Where's My Utopia?
    Das Album der Woche


Task Failed Successfully

Die Geschichte von Yard Act klingt auf den ersten Blick eigentlich so, also könnte man daraus einen wohlfühl-kitschigen Sonntagnachmittag Film machen: James Smith und Ryan Needham mussten lange eher ein so semi-erfolgreiches Dasein in der ein oder anderen semi-erfolgreichen Band fristen. Dann kam Yard Act – und es ging ohne Zwischenhaltestelle durch die Decke.

Mercury Prize Nominierung? Aber natürlich. Coverstories und Top 10 Platzierung? Logisch. Den größten Hit noch mal aufnehmen und einfach so als Bonus noch Elton John draufklatschen? Ja, auch das haben Yard Act hinbekommen.

Eigentlich komplett den Jackpot geknackt, aber warum ist die Stimmung dann immer noch so mies?

Genau diese Frage soll auf Where’s My Utopia? geklärt werden: Ein Grund ist auf jeden Fall eine gewisse innere Zerrissenheit, die James seit dem Erfolg der Band durchmachen muss. Familienleben und Rockstarexistenz ist wohl schwer vereinbar und so muss sich der Brite in einigen Songs über seine Rolle als oft abwesender Vater klar werden. Vor allem "The Undertow" stellt empfindliche Fragen über Verantwortung und Schuldgefühle. "Down by the Stream" versucht dann Wege zu finden, wie man eigene Fehler aus der Jugend nicht in die Familie weiterträgt.

Auch wenn es um den eigentlichen "Dream Job" geht, kann es schon schmerzhaft werden: Denn Yard Act zeigen ganz deutlich, dass die erfolgreiche Karriere halt auch ihre Schattenseiten hat. Statt wie wahrscheinlich erträumt als erfolgreiche Rockstarts auf alle Konventionen pfeifen zu können, fühlen sich "Post Punks Latest Posterboys" eher wie ein Zahnrad in einer perfiden Maschine, die langsam die Kreativität ausbluten lässt.

Klar trieft so ziemlich jede Textzeile nur so vor Sarkasmus und zynischem Rumgeätze, aber hinter dem punkigen Schutzwall spürt man plötzlich doch erstaunlich viel Ehrlichkeit.

 

Farbenfrohe Pöbeleien

Nicht gerade entspannende Gesprächspunkte, die sich die nicht mehr ganz so jungen Jungs aus Leeds ausgesucht haben. Aber egal wie trist die Themen von Where’s My Utopia hin und wieder auch werden: Der Post Punk Sound von Yard Act zieht auch den übelst gelaunten Griesgram wieder in die grüne Stimmungszone.

Der Sprechgesang von James kann erstmal vielleicht ein bisschen spröde wirken, eintönig wird es aber trotzdem nicht: Die Ohrwürmer liefern nämlich die Instrumente nach. Allein "Dream Job" hat sogar mehrere Gitarrenriffs, die deutlich länger im Kopf bleiben als die letzte große Motivationsansprache im Büro. Ryans Bass schleicht sich dabei auch immer wieder gerne ins Rampenlicht. Und statt geradlinig nach vorne zu preschen, geben Jay Russels Drumbeats eher einen leicht tanzbaren Discovibe mit, der wohlige Madchester-Erinnerungen raufbeschwört. Mal denkt man, man hört hier den Sleaford Mods beim Kreativworkshop zu oder einer sehr angepissten Alternativversion von Blur.

Die perfekte Welt haben Yard Act auf dem zweiten Album nicht gefunden – aber der Sound ist ziemlich nah dran.



Tracklist: Yard Act - Where's My Utopia?

  1. An Illusion
  2. We Make Hits
  3. Down by the Stream
  4. The Undertow
  5. Dream Job
  6. Fizzy Fish
  7. Petroleum
  8. When the Lauhter Stops (feat. Katy J Pearson)
  9. Grifter's Grief
  10. Blackpool Illuminations
  11. A Vineyard for the North
Where's My Utopia? wurde am 01. März 2024 via Island Records veröffentlicht.



Noch mehr egoFM Musik streamen

Klick auf das Bild und du landest direkt in unserem egoPURE Stream, wo du ohne große Werbung so viel Musik streamen kannst, wie du willst!

online-radio-mit-alternativer-musik-abseits-vom-mainstream.jpg

Design ❤ Agentur zwetschke