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Donnerstag, 17. August 2017, 06:00 Uhr

Die perfekte Stadt

Gedanken aus der egoRedaktion

O-Ton in der Redaktion zu perfekten Stadt: Gute Vibes und lecker Essen! Das scheinen die Grundvoraussetzungen für egoHausen zu sein. Aber vielleicht haben wir da nicht genug outside the box gedacht, denn was ein amerikanisches  Unternehmen jetzt umsetzt, hätte eigentlich auch auf unserem Mist wachsen können.

Nipton, Kalifornien: ein Kleinstädtchen am Rande der Wüste Nevadas. Eigentlich kein besonderer Ort. Die Bevölkerung wird allerdings immerhin ganz autark durch Solarenergie mit Strom versorgt. Und zwar alle 20 Einwohner.

Dieses verschlafene Städtchen soll jetzt wieder zum Leben erweckt werden. Durch Cannabis. 
Denn der Hersteller von Cannabisprodukten American Green hat die komplette Kleinstadt gekauft und will sie jetzt zum Anbauort und Vertriebsknotenpunkt für seine Produkte machen. American Green entwickelt unter anderem grüne Apps, betreibt eine Grasfarm in Phoenix und ein paar Cannabis-Automaten. In der Staft darf der Tourismus natürlich nicht zu kurz kommen: das Städtchen soll Besucher mit Bed&Breakfast, einem Coffeeshop und einem grasfreundlichem Freizeitangebot locken. Auch Künstler werden zum Netzwerken und kreativen Arbeiten mit offenen Armen empfangen. Außerdem soll die weitgehend autarke Stromversorgung weiter ausgebaut werden.

Gute Vibes wird's dort also sicher bald geben. Und für ausreichend Imbisse wird die hohe Nachfrage vermutlich auch sorgen. Aber in Kalifornien ist der Besitz von geringen Mengen Cannabis ja auch legal. Auch wir haben uns gefragt: Was würde die perfekte Stadt ausmachen? Hier die ebenfalls ganz legalen Antworten aus der egoRedaktion:


Elise (Moderatorin)Einmal bitte mallorquinisches Tramuntana-Gebirge, Mandelkuchen und Serrano-Schinken zum Mitnehmen! Ein bisschen Genügsamkeit à la „Más vale pájaro en mano que ciento volando". Und mehr Hüpfburgen und Bällebäder!

Sandra (Redakteurin und Moderatorin)Ich hätte gerne die Fahrradwege aus Kopenhagen für die perfekte Stadt. Und dazu die hinunter-, beziehungsweiße heraufzählenden Ampelsysteme für Fahrradfahrer. So weiß man genau, ob man Gas geben muss und dann vielleicht noch bei grün drüber kommt, oder ob man sich Zeit lassen kann, weil es sowieso noch die nächsten 30 Sekunden rot sein wird.

Lena (Musikredakteurin)Ich hätte gerne (aus meiner Zeit in Köln) das Gefühl, dass mein Dönerverkäufer darauf achtet, dass ich immer gut vom Feiern Heim komme. Und mich darauf anspricht, wenn es mal nicht so ist, ob alles ok war. Und ich jeden Jungen erstmal bei ihm vorstelle, weil er die auch noch um 3 Uhr in der Nacht ausgesprochen verlässlich absegnen konnte. Und er dann nach seinem Deutschkurs mit mir seine neuen Kenntnisse austauscht und mir im Anschluss sagt, ich muss für mein Falafel Dürüm nur das bezahlen, was ich habe und mir noch einen Resipudding und einen Ayran in die Tüte schmuggelt - für meine Mitbewohner.
Und dass mir der Blumenverkäufer sagt, ich kann meine Einkaufstüten aus dem anderen Laden bei ihm abstellen, damit ich nicht so schwer durch die Gegend schleppen muss, wenn ich noch mehr einkaufen will.
Und den Supermarktverkäufer, der einem immer so schöne fröhliche Sachen sagt, dass sich die ganze WG immer schon gefreut hat zum Einkaufen zu gehen und gehofft hat, dass er da ist, denn Lebensfreude steckt an. Und dass ich mich mit der Kaffeeverkäuferin in meinem Kaffeedealer anfreunde - sie weiß was ich am liebsten trinke und wir über das Leben sinnieren, wenn ich gerade mal eine Schreibpause mache und wir uns dann irgendwann auch privat anfreunden.
Und dass alle auf den anderen Acht geben.

Also zusammengefasst wünsche ich mir Empathie, Nächstenliebe und echt, ehrliche gute Stimmung, Freundlichkeit - im Grunde genommen - Leben.

Melanie (Praktikantin)Für mich gehört die australische „No Worries"-Mentalität zur perfekten Stadt. In Melbourne zum Beispiel wurde ich, egal wo ich war, sofort freundlich angesprochen .
Anders als in Deutschland, wo alle in der U-Bahn ein langes Gesicht ziehen und jeder nur aufs Handy schaut.

Jonas (Praktikant)Wenn ich von München aus den Vergleich zur perfekten Stadt ziehen soll, dann fällt mir leider allzu viel ein, wo extremster Verbesserungsbedarf liegt. Und warum ich über die perfekte Stadt gar nichts sagen kann, ohne über München herzuziehen.
Weil in München alle Voraussetzungen für die perfekte Stadt gegeben sind. Wenn jeder zweite Schwerverletzte bei Verkehrsunfällen Radlfahrer ist, und dann trotzdem eine Imagekampagne zur "Radlhauptstadt" gefahren wird, verdeutlicht das mehr als ein Problem. Offensichtlich: wir haben ein Verkehrsproblem. Subtil: wir wollen immer mehr sein, als wir sind. Und das nervt mich an meiner Heimatstadt immens.
Und weil wir immer mehr sein wollen als wir sind, geben die Münchner nach außen hin alles, um die Stadt als Großstadt zu vermarkten. Klappt aber nicht. Weil wenn nach 20.00 Uhr kein Supermarkt mehr offen ist, dann ist es halt Hintertupfing, und keine Weltstadt.
Deswegen ist die perfekte Weltstadt eigentlich wie München. Nur halt ohne Haltungsprobleme bei all denen, die die Stadt aktiv auf der Behördenseite gestalten.

Anna (Online-Redaktion)Die perfekte Stadt braucht Menschen, die sich in ihr wohlfühlen, nicht ständig über sie ablästern und Dinge ändern, die ihnen nicht gefallen - persönlich fällt mir da gerade die Kulturpflege als Mangelpunkt Münchens ein.
Mit Kulturpflege meine ich allerdings nicht subventionierten Untergrund (das ist meiner Meinung nach ein bisschen Quatsch). Sondern einfach Leute, die nicht heulend Daheim bleiben, weil der legendärste Club der Geschichte zugemacht hat - mein Herz blutet freilich, weil das Atomic geschlossen hat. Aber statt alles andere zu hassen, habe ich das Unglaubliche gewagt, und bin einfach - Trommelwirbel, hier kommt die Antwort auf all euer Leid - penetrant in einen neuen Club gegangen und mich einfach mal so in einem neuen öffentlichen Wohnzimmer breitgemacht.

Und wenn wir nun ganz utopisch sind: Meer. Eine Stadt braucht Meer. Und tiefsitzende, süße Traurigkeit in den Menschen. Bevor ich das nun aber nach München bringen will, buch ich lieber den nächsten Flug nach Portugal. Und das ist es eben: Wem's nicht gefällt, soll sich entweder dafür einsetzen, dass sich was verändert, oder wegziehen. Zefix.


Bildquelle: flickr | Sonny Abesamis „Lego City | CC BY 2.0