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Montag, 25. September 2017, 00:00 Uhr

Fünf Perlen vom Reeperbahn Festival 2017

Das Festival für Musikentdecker

Wir haben uns letzte Woche auf dem Reeperbahn Festival rumgetrieben und einige Perlen live entdeckt, die wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen.

Herrje, war das mal wieder schön. Vier Tage lang sind wir Reeperbahn und das Gefilde drumherum auf und ab flaniert, haben in diese und jene Location reingeschnuppert und dabei einiges auf Ohren und Augen bekommen. Fünf von diesen Hunderten wollen wir euch näher vorstellen...

Kid FrancescoliIm Prinzip ist Kid Francescoli schon viel zu sehr Stammgast im egoProgramm, als dass wir euch das Duo aus Marseille wirklich als Neuentdeckung verkaufen könnten. Zum Beispiel ist Mathieu, der Produzent Kid Francescolis, auch Teil von den Husbands, die 2016 auch auf dem egoFM Fest aufgetreten sind. Nichtsdestotrotz war es beim Reeperbahn Festival das erste Mal, dass wir Mathieu und Julia live erleben durften - und dabei völlig weggehauen wurden. Diese perfekt schöne Melancholie. Dieses Zusammenspiel der beiden Musiker. Diese wummernden Synthesizer. Irre.



Let's Eat Grandma
Ein bisschen arm ist es schon, das Alter von Künstlern als besonderes Merkmal hervorzuheben, bei Let's Eat Grandma kommt man dennoch nicht herum. Rosa und Jenny aus Norwich sind 16 und 17 Jahre alt und haben noch nicht einmal gerade erst angefangen: Seit 2013 machen sie bereits ganz offiziell Musik. Psycheledic Sludge Pop, um genau zu sein. Als junge alte Hasen im Business stellen sie sich allerdings keineswegs als große Profis dar, sondern einfach so, wie sie sind: Teenager. Deswegen benützen sie Klatschspiele als Percussions, verstecken sich hinter ihren Synthesizern, springen in der Menschenmenge wild umher, wirken dabei jedoch keinesfalls wie: Teenager. Sondern eben doch ziemlich arg professionell.
Zugegeben, einen kleinen Bonuspunkt brachte die Location, die das ganze Erlebnis nochmal verstärkt und veredelt hat: Die Prinzenbar ist ein recht kleines Betongewölbe, das mit Stuck und einem gigantischen Kronleuchter verziert ist.



FishbachDer zweite französische Act in dieser Bestenliste. Und in diesem Fall wird sogar ausschließlich auf Französisch gesungen - auf rotzigste, tiefste, gefühlvollste Art und Weise mit einer attitute française, wie man sie sonst nur in klischeehaften Filmen serviert bekommt. Mit E-Gitarre und Zigarette wechselnd in der Hand hat sich Flora Fischbach aus Dieppe (das liegt in der Normandie) ihrem Publikum präsentiert und dabei nach jedem Song kurz inne gehalten und scharf in die Menge geschaut, als ob sie überlegt, kurzerhand alle umzubringen. Könnte man beängstigend finden, könnte man aber auch feiern. Wir entscheiden uns für letzteres.



Ankathie KoiDiese Frau verdient erstmal einen Preis für das beste Outfit des gesamten Festivals: Rot-schwarz gestreifte Lederjacke mit Schulsterpolstern, im selben Muster sind auch die kurzen Ledershorts gehalten, dazu passend der bestgeföhnteste Vokuhila, den man seit der Jahrtausendwende je gesehen hat. Ankathie Koi aus Wien – der eine oder andere kennt sie vielleicht aus ihrer anderen Band Fijuka – befördert einen aber nicht nur optisch in die Hochphase der Madonna- oder Bonnie Tyler-Ära, sondern auch soundtechnisch. Synthpop, Diskoelemente, einprägsame dramatische Melodien gesungen von einer Ausnahmestimme, die Kate Bush Konkurrenz machen könnte. Hört euch sofort das aktuelle Album I Hate The Way You Chew an, wobei ihr - sofern ihr sie einmal live erlebt habt - immer ihre Bühnenperformance inklusive Outfit und unterhaltsame Ansagen zwischen den Songs vermissen werdet.



HolygramBesonders beeindruckt hat uns auch eine Band, die wir in der SkyBar des Molotows entdecken durften. In der kleinen Location mit niedrigen Decken baute die Band eine Wand aus Dark Wave, Post Punk und Nebel vor sich auf, die dem Publikum langsam aber stetig entgegen kam, bis man sich dem Sound nicht mehr entziehen konnte und mit ihm selbst verschwamm. Düstere hypnotisierende Gitarren und Synths, die klar an Joy Division oder The Cure erinnern, lassen uns lässig hinten an der Bar gelehnt an unserem Bier nippend im Takt wippen, bis wir glauben in einem dreckigen Club im Manchester der 80er zu stehen. Aber da kommen Holygram gar nicht her, sondern aus Köln. Gerne mehr davon!




War irgendwer von euch auch beim Reeperbahn Festival und hat was Irres dabei entdeckt? Dann schreibt's uns doch per Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.


Bildquellen Collage: Ankathie Koi | HOLYGRAM | Fishbach