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Donnerstag, 29. Dezember 2016, 00:00 Uhr

10 Probleme eines Musikliebhabers

Manchmal ist es einfach nicht leicht

Du bist der einzige Mensch, der sich wirklich für Musik interessiert und bezeichnest dich gar nicht mehr als Bon Vivant, sondern schon als echter Junkie. Damit hast du's teilweise nicht leicht! Doch wir fühlen mit dir und bringen zehn deiner größten Probleme auf den Punkt. Damit jeder da draußen mal merkt, wie sehr du eigentlich leidest.

#01 Fön vs. Musik
So passiert in der egoRedaktion: Musikredakteur Julian war einst hellerfreut über das neue Kendrick Lamar Album, dass er es einfach den ganzen Tag hören wollte. Auch unter der Dusche, beim Abtrocknen, Anziehen - und auch beim Fönen. Doch der arme Julian hatte ein Problem, dessen Lösungsweg nicht ganz einfach war: fönt er auf stärkster Stufe, um zwar schneller fertig zu sein, aber dafür einen kompletten Song zu verpassen oder fönt er nur auf halber Stärke, um so immerhin ein bisschen was zu hören, dafür aber mehrere Tracks zu verpassen. Kennst du? Kennst du.


#02 Der Schmerz, nicht mehrere Songs gleichzeitig hören zu können
Den ganzen Tag hörst du Musik, schließlich kennst du so viele Tracks, dass dir dabei nie langweilig wird und du Songs für mindestens 26 Stunden am Tag hättest. Doch hin und wieder wird dir die Begrenztheit deines Hirns klar. Spätestens, wenn du gerade zwei, drei oder vier Songs gleichzeitig im Kopf hast, die du gerne hören würdest - am liebsten auf einmal. Und das hast du auch schon mal ausprobiert, nicht wahr? Klingt ganz schön scheiße, nicht wahr?


#03 Grottig produzierte Schmankerl
Weil du so ein harter Musikfan bist und immer das Neueste kennen musst, verbringst du Stunden auf Soundcloud mit der "Recommended Tracks"-Funktion. Ganz hibbelig wirst du dann, wenn du eine nigelnagelneue, enorm gute Band entdeckst, die gerade mal 100 Follower hat - denn du hast den perfekten Sinn dafür, wer der neue Scheiß wird und kannst wirklich sagen, dass du von Anfang an dabei warst. Allerdings machen viele dieser Bands das eher hobbymäßig und haben keinen Zugang zu einem richtigen Studio. Mit simplen Geräten nehmen sie ihre Songs auf - und das hörst du mit deinem zarten Gehör ganz genau. Und es wurmt dich. Es wurmt dich richtig.


#04 NICHT DER BASSIST!!!! DAMIT ÄNDERT SICH ALLES!!!!!!
Anfang 2014 traf die Welt ein großer Schock: Gwil verließ alt-j. Und das, während ein neues Album in der Mache war, vor dem du sowieso Angst hattest, dass es richtig kacke sein könnte. Aaah! Der Gedanke, dass es ja "nur" der Bassist ist, kommt dir nicht. Ganz im Gegenteil. Du weißt nämlich jedes Mitglied zu schätzen und dass jeder gleichermaßen beim Prozess beteiligt ist. Bands vergleichst du mit chemischen Mischungen: wenn auch nur eine Kleinigkeit geändert wird, kann das Ganze einen umbringen.


#05 Speicherkarten können nie groß genug sein
Wir schreiben das 21. Jahrhundert. Eine Zeit, in der man es unheimlich feiert, dass Speicherkarten zwar immer kleiner von der Größe her werden, aber immer größer vom Speicherplatz. Das bringt dir aber leider gar nichts. Denn auch deine Musiksammlung wird immer, immer größer, dass du nach wie vor immer mal wieder Songs von deinem Handy/MP3-Player löschen musst. Ausmisten kommt nicht in Frage, immerhin könnte es ja sein, dass du irgendwo in der Pampa genau den Song hören willst, den du schon seit Anno 2003 nicht mehr gehört hast. Und was dann? UND WAS DANN?!


#06 Geiles Feature, scheiß Künstler
Was hast du geweint, als "Memories" von David Guetta rauskam. Wie kann... also wie kann ein so genialer Künstler wie Kid Cudi nur mit so einem lieblosen DJ wie Guetta kooperieren? WIE KANN ER NUR. Der Song ist natürlich trotz Cudis Einlage grauenhaft, zudem musst du jetzt um deine Kredibilität fürchten, wenn du auch nur einmal sagst, wie gut Kid Cudi ist. Schließlich kennt man ihn nur noch als billiges Featchen vom Gott des "Ich bastle meine Songs indem ich einfach alles, was in den letzten Jahren funktioniert hat, zusammenmische, das ganze mit einem plumpen Beat unterlege und muss bei Konzerten nur noch auf einen Knopf drücken und mit den Armen fuchteln".


#07 Socializen auf Partys
Du bist auf einer WG-Party, auf der der Gastgeber seine komplette MP3-Sammlung unbekümmert im Shuffle laufen lässt. Als Mensch, für den Playlisten nicht einfach aus willkürlicher Musik bestehen, ist das HÖLLE, untätig zuzuhören. Du erkennst den Ernst der Lage und ergreifst die Initiative. Also erstellst du binnen Sekunden eine neue Playlist, filterst und reihst die Songs neu aneinander (schließlich kann Rock nicht nach Rock laufen und auf Black folgt am besten Elektro-Pop). Damit wäre das erst mal erledigt - denkst du. Denn immer wieder, wenn du dich wieder unters Volk mischen willst, fällt dir ein neuer Song ein, der jetzt, genau in diesem Moment PERFEKT passen würde. Also zurück zum Rechner. Dieses Hin und Her geht so circa ein paar Runden, bis du's dann einfach sein lässt und gleich bei der Musik bleibst. Am Ende des Abends hast du dann zwar null neue Leute kennen gelernt, aber immerhin hast du für gute Musik gesorgt.


#08 Die Lieblingsband kündigt ein neues Album an
Im ersten Moment denkst du "MEGA!", im zweiten kommen dir dann Zweifel: "Oh nein, was ist, wenn die neue Platte beschissen wird?!" Schließlich ist das schon den Besten passiert. Oder noch schlimmer: was, wenn die neue Platte gleich so gut ist, dass deine bisherige Super-Underground-Band gar berühmt, von allen gefeiert und im Radio totgespielt wird?! FURCHTBAR. Aber hey, in beiden Fällen kannst du deinen Musiknerdimus noch mal verstärken. Trifft der erste Fall ein, kannst du sagen "Die früheren Alben waren besser." Im zweiten kannst du deine Nase gegenüber all den N00bs, die deine Lieblingsband erst jetzt feiern, rümpfen und sagen: "Ich hab die schon vorher gefeiert". Kommt voll gut.


#09 Öffis vs. Ladezeit
Du bist verabredet und hast dir für den Weg extra noch eine kleine Playlist erstellt. Die muss aber laden! Und der Bus kommt in fünf Minuten! Und du BRAUCHST diese Musik, sie ist essenziell für die 10-minütige Fahrt! ESSENZIELL. Also scheißt du einfach drauf und nimmst einen Bus später. Deine Verabredung muss es einfach verstehen, denkst du. Wo sie doch weiß, was du für ein harter Musikliebhaber bist.


#10 Festivals
Natürlich bist du ein krasser Musikliebhaber, Festivals findest du aber trotzdem furchtbar. Hier wird dir nämlich bewusst, dass zu der Begrenztheit deiner Aufnahmefähigkeit auch noch deine Anwesenheitsmöglichkeiten stark begrenzt sind: gerade mal an einem Ort gleichzeitig kannst du sein. Und auf Festivals ist es eben immer so, dass mindestens drei Bands, die du unbedingt sehen willst, zur gleichen Zeit spielen. Und du kannst.. DU KANNST DICH EINFACH NICHT ZWEI-, DREI-, SECHZIGTEILEN. Also bleibst du lieber Daheim und schreibst einen Blog darüber, wie schlimm dein Leben als unendlich harter Musikliebhaber ist.


Bildquelle: flickr | "Man With Headphones" von Sascha Kohlmann | cc by-sa 2.0