Entdeckt
Wien, Dumm gelaufen im Dorotheum von dierk schaefer
Donnerstag, 16. Februar 2017, 00:00 Uhr

Eine Ode an die Schadenfreude

(Eure) Scherben bringen (uns) Glück

Muss man sich schlecht fühlen, wenn man sich gut fühlt, weil jemand sich schlecht fühlt? Nö! Zumindest nicht immer. Bei den folgenden Bespielen darf sich herzlich ins Fäustchen gelacht werden.

Musik ist vergänglich, Kunst ist für die Ewigkeit. Es sei denn, sie fällt patschigen Kinderhänden, stolpernden Touristen, Selfie-Jägern oder Putzfrauen zum Opfer. Mit blinder Zerstörungswut hat das selten etwas zu tun, und auch mit Absicht nur in den seltensten Fällen. Trotzdem: Man will sich gar nicht vorstellen, wie sich beispielsweise die Putzfrau gefühlt haben muss, die im Jahr 2011 die für den künstlerischen Wert essenzielle Patina aus dem Gummitrog der Installation „Wenn’s anfängt durch die Decke zu tropfen“ von Martin Kippenberger geschrubbt hat. Aber egal, ob es beruflicher Übereifer oder einfach nur der glatte Museumsboden ist, der zum Verhängnis führt, irgendwie muss man dann trotzdem lachen. Deshalb haben wir euch als kleine, diabolische Erheiterung unsere persönlichen Top 5 versehentlich zerstörter Kunstwerke zusammengestellt.

Der Infant im Porzellanladen
Kleinkinder im Glasmuseum – das kann ja nicht gut gehen. Andererseits: Kindern passiert sowas halt, so richtig sauer sein kann da keiner. Warum das Video trotzdem voll ins schwarze Komikzentrum trifft: Die Überwachungskamera des Shanghai Museum of Glass filmt die Eltern / Begleitpersonen dabei, wie sie die Kinder innerhalb der großräumigen Absperrung herumturnen lassen und das Ende der gläsernen Engelsflügel selbst abfilmen.




Ja wo ist sie denn…?
Das fragten sich der Künstler Jonty Hurwitz und der Techniker, der seine Skulptur fotografieren sollte. Selbige war nämlich plötzlich nicht mehr auffindbar, nachdem der Techniker die Einstellung ändern wollte. An ihrer Stelle befand sich nur noch ein Fingerabdruck. Somit war dann auch klar, wer für das Verschwinden verantwortlich war. Man muss dem Labormitarbeiter, der das Elektronenmikroskop bediente, allerdings zugestehen, dass sie WIRKLICH klein war. Immerhan konnte man sie locker in einem Nadelöhr oder auf einem einzelnen Haar aufstellen. Dennoch: Multiphotonenlithographie, 200 Kameras, ein Jahr Arbeit – alles für die Katz. War wohl eher ein Mann für’s Grobe.

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Bildquellen Collage: facebook | Art of Jonty Hurwitz

Nimm das!
Das nächste Unfallopfer ist ein bisschen älter. Dieser Junge kann von sich behaupten, mit gerade mal zwölf Jahren und nur einem Handgriff Kunst im Wert von 1.3 Millionen Euro zerstört zu haben. Immerhin hat er damit einen ziemlich schweren Sturz verhindert, wie’s aussieht. Nicht.



No selfie, no belief
Jetzt steigt das Schadenfreude-Barometer steil: Ein Brasilianer wollte ein Selfie mit dieser 300 Jahre alten Statue machen. Klar, dass er dafür draufklettern muss. Und wie das Kleinkind beim Dreibeinhocker stellt sich auch hier heraus: Steht gar nicht mal so stabil.

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Wer hat an der Uhr gedreht?
Der absolute Höhepunkt der Schadenfreude ist allerdings beim Anblick dieser Rentner erreicht. Es ist aber auch einfach nicht nachvollziehbar, warum die Uhr im Pennsylvania National Clock Museum nicht läuft. Warum hängt die dann da? Wie sieht das denn aus, wenn ich das Video zuhause vorzeige? Der Reparaturversuch bringt leider nicht das gewünschte Ergebnis. Naja, die hing ja auch schon 20 Jahre. Das Museum hat das Video der Überwachungskamera danach übrigens verwendet, um der Bitte „Please don’t touch“ noch etwas mehr Nachdruck zu verleihen.



Bildquelle Titelbild: flickr | Wien, Dumm gelaufen im Dorotheum von dierk schaefer | cc by 2.0