Entdeckt
WriteThePower_fb
Donnerstag, 09. März 2017, 00:00 Uhr

Write The Power

Protestpost leicht gemacht

Schluss mit den billigen Ausreden! Die Seite Write The Power ermuntert Amerikaner dazu, Anregungen und Kritik per Postkarte an Politiker zu schicken. Great website! Really great.

Der eine hindert uns daran, im Biomarkt einzukaufen, weil der zu weit weg ist. Der andere ist Schuld daran, dass wir doch immer Auto statt Fahrrad fahren und da auch immer noch mit Sommerreifen (und sein bester Kumpel sagt inzwischen schon ziemlich oft: „Jetzt ist es auch voll egal“). Der Dritte hält uns schon am zweiten Tag davon ab, den guten Vorsatz von täglichen Rückenübungen durchzuziehen und der vierte lässt unsere Hand im Sekundentakt in die Chipstüte wandern… tjaja, die inneren Schweinehunde dieser Welt sind zahlreich und heimtückisch.

Auch bei den Stichworten „Postkarten“ und „Politische Beteiligung“ vernehmen viele von uns ganz deutlich ein grunzendes knurren. Die Kombination aus beidem kann man sich vielleicht so vorstellen: Standardtext stempeln und ab damit in die Don’t Care Street.

collage kartenschreiben
Bildquellen Collage: amazon / flickr | Don't Care Street von Matt Brown | cc by 2.0

In den USA gibt es eine Webseite, die beides ein bisschen einfacher macht, sowohl die postalische als auch die politische Aktivität. Auf writethepower.com können amerikanische Bürger ganz bequem die Message rüberbringen. Man wählt ein Motiv, formuliert das Anliegen, findet ganz einfach den passenden Adressaten und gibt die Karte in Auftrag. Diese wird dann von den Betreibern der Seite gedruckt und verschickt.

Girls just wann have fun-damental rights
So lautet einer der Sprüche auf den wählbaren Motiven. Auch gut: Die Botschaft „You rock“ – unter dem Bild eines Schaukelstuhls. Natürlich kann es im House of Representatives nicht um bunte Bildchen gehen, aber wir möchten mal einen Menschen sehen, der vorgebrachter Kritik nicht gleich viel lieber Beachtung schenkt, wenn sie in einer subtil-humorvollen Verpackung kommt.

writethepowerScreen
Bildquelle: Write The Power

Gute Sache
Spaß beiseite. Die Karte kostet $1,50 Plus Porto. Davon gehen 10% an die American Civil Liberties Union (ACLU), die sich für die Zivilrechte amerikanischer Bürger einsetzt. Sie existiert seit den 1920er Jahren und hat zu maßgeblichen Entwicklungen auf diesem Gebiet beigetragen: dass die Evolutionstheorie weiterhin an Schulen gelehrt wird, gegen Rassentrennung, für die Rechte von Frauen auf Abtreibung, gegen die Ausweitung der Befugnisse von Polizei und Geheimdiensten nach dem 11. September. Das heißt, selbst wenn man sich von den teilweise unsinnigen Schrifttypen zu einem postalischen Unfug wie oben verleiten lässt und die Postkarte ungebremst im Schredder landet, ein bisschen was Gutes ist damit auf jeden Fall getan.

Nun sprechen wir immer noch von einer amerikanischen Website. Hier in Deutschland lautet die Devise eher: Mitmachen statt anregen, und wer politisch aktiv werden möchte, tritt eher einer Partei bei, als ein Briefchen zu verschicken. Doch die Schweinehunde der Welt sind sich sehr ähnlich. Die Dringlichkeit leidiger Aufgaben schrumpft Proportional zum Anstieg der damit verbundenen Mühsal. Das ist menschlich. Und bricht dem Portkartenschreiben und der Beteiligung am politischen Leben das Genick, sowohl hier als auch dort. Also könnten auch wir uns fragen: Warum eigentlich nicht? Wir könnten die Idee aufgreifen und einfach auch mal eine Postkarte an den Bürgermeister, den Landtagsabgeordneten, die Bundeskanzlerin schreiben. Und dann am besten gleich einwerfen, wenn wir das nächste mal zum Biomarkt radeln.

Bildquelle Titelbild: facebook | Write The Power