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ANOHNITITELBILDFIXED
Mittwoch, 05. April 2017, 08:00 Uhr

Musiker und Kritik

Über Neutralität, Ignoranz und Wutpostings

ANOHNIs Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie kam beim Großteil der Besucher ziemlich gut an - nur ein Kritiker der Zeit war nicht ganz so begeistert, schrieb eine eher negative Bewertung und trieb die Künstlerin damit zu einem erbosten Posting.

Besonders oft kommt es nicht vor, dass Künstler direkt und öffentlich auf Kritik eingehen und sich gegen ein Medium positionieren. Gerade, wenn der Unmut über die Meinung eines Mediums, beziehungsweise eines einzigen Autors, auf einer ganzen Bevölkerung abgelassen wird. So passiert bei ANOHNI, die der Meinung ist, dass das, was die Zeit schreibt, für den Großteil der deutschen Meinung gilt und dementsprechend ankündigte, nie mehr hierzulande aufzutreten.

Der Artikel in der Zeit ist als Konzertrezension nicht allzu positiv, allerdings auch nicht durchweg negativ. Im Vordergrund des Artikels steht die Konzeption der Show, die der Kritiker nicht besonders gut fand und dies nüchtern begründet. Ihre Stimme, sowie die musikalische Begleitung werden gelobt. Nichtsdestotrotz war ANOHNI rasend vor Wut und setzte folgendes, eher ungeschicktes Posting ab:

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Aber wie geht man denn nun eigentlich als Künstler mit Kritiken um? Das haben wir ein paar der egoKünstler gefragt... Victoria Legrand von Beach House zum Beispiel erzählte uns:

What we make is personal. Our music is personal. It's coming from our souls and our minds and our hearts. So if somebody criticizes our music though, I think you have to have a very thick skin, you know? Because I think Some people are very sensitive and get hurt and crushed. But if you believe in what you do it doesn't matter what somebody else says about it. It really doesn't. In fact, if somebody criticizes you it's as flattering as somebody saying a nice thing, because it's people paying attention. So you know that saying: There is no such thing as bad publicity.
Macht durchaus Sinn. Anders schaut es aber natürlich aus, wenn man als Künstler direkt beleidigt wird. So geschehen bei den Jungs von Glass Animals. In einer Konzertrezension zwar noch sieben von zehn Sternen erhalten, im Text dann aber homophob beleidigt und gleich noch mit dem Mord bedroht. Sie tun es lässig „as a part of the job" ab, wir stimmen aber zu, wenn sie sagen, „that person doesn't deserve to be a journalist anymore“.



Die Hessener Okta Logue geben wiederum zu, alle Albumrezensionen zu lesen. Die Begründung: "Wer so lange an einem Album gearbeitet hat, der will ja auch wissen, wie es ankommt". Klar, wer sich über Monate an ein Produkt setzt, den interessiert ja auch, wie es für andere klingt.



Die Damen von Ibeyi nehmen die Sache schon sehr unterschiedlich: Naomi sagt, dass sie wissen, was sie machen und deswegen eher über schlechte Kritik lacht, während Zwillingschwester Lisa zwar weint, aber gleichzeitig den fremden Input schätzt.



Låpsley aus dem beschaulichen Yorkshire betont hingegen, dass Musik eine so persönliche Sache sei, das es wenig verwunderlich ist, wenn am Ende völlig unterschiedliche Rezensionen enstehen.



Wichtig sind im Endeffekt eigentlich nur zwei Sachen, finden wir. Die Kritik muss einerseits professionell geschrieben, der Künstler andererseits aber auch in der Lage sein, mit professioneller Kritik umzugehen.


Bildquelle: facebook | ANOHNI