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Freitag, 28. April 2017, 00:00 Uhr

Streaming-Urteil des EuGH

Was heißt das Urteil für Nutzer von Streaming-Portalen?

Die meisten Leute, die Serien schauen werden wohl schon das eine oder andere Mal auf dubiosen Internetseiten gestreamt haben und nun ordentlich Schiss bekommen. Doch: Was genau heißt das Urteil des Europäischen Gerichtshofs?

Das Urteil des EuGHVor dem Europäischen Gerichtshof wurde ein Fall aus den Niederlanden verhandelt. Der Angeklagte hat einen Mediaplayer vertrieben. Beim „Filmspeler“ handelt es sich um ein Gerät, das an den Fernseher angeschlossen wird und sich über das Netz direkt mit Streaming-Portalen verbindet. Somit konnte der Besitzer dann Filme abspielen, die noch nicht für das Heimkino erschienen waren und sogar noch im Kino liefen, gleiches galt für Fernsehserien.
Das eine offensichtliche Urheberrechtsverletzung vorliegt, wenn jemand ohne Urheberrechtsansprüche den Film ins Netz stellt, ist klar. Dass dem eigentlichen Urheber, in diesem Fall, Einnahmen entfallen ebenfalls.

Schließlich werden, obwohl der Endverbraucher nicht zwingend zahlen muss, um den Film zu sehen, trotzdem Einnahmen generiert. Diese entstehen meist mit Hilfe von Werbeanzeigen. Eine Alternative bilden sicherlich legale Streaming-Anbieter wie Netflix, Amazon Prime und Watchever, diese haben allerdings nie die Serien der Konkurrenz im Angebot, einen allumfassenden legalen Streaming-Anbieter gibt es nicht.

Was heißt das Urteil für Nutzer von Streaming-Seiten?Das werden die nächsten paar Wochen zeigen. Ob es sich bei diesem Urteil wirklich um einen Präzedenzfall handelt ist umstritten, da im vorliegenden Fall eben ein Gerät benutzt wurde, dessen einziger Sinn und Zweck es war, illegal hochgeladene Filme zu streamen.
Neu am Urteil ist allerdings, dass bereits das Streamen eines illegalen Films als Urheberrechtsverletzung behandelt wird. Ob es deswegen zu der befürchteten Abmahnwelle kommt, wird sich zeigen.

Das Anschauen eines Films ohne diesen herunterzuladen, sondern eben nur im Web-Player zwischen zu speichern, galt vorher als juristische Grauzone. Im Gegensatz dazu steht das sogenannte Filesharing, der Upload und Download von Dateien. Falls diese urheberrechtlich geschützt sind, begeht der Nutzer also eine Straftat. Mehrere tausend Abmahnungen werden jedes Jahr in Deutschland dies betreffend verschickt. Dem Empfänger des Briefes drohen in diesem Fall mehrere hundert Euro Strafzahlung.

Wie sollte ich mich als Nutzer verhalten?Als Nutzer ist man auf der sicheren Seite, wenn man legal streamt. Logisch. Ob eine Urheberrechtsverletzung vorliegen könnte ist relativ einfach festzustellen: Ist der Stream umsonst, hat gleichzeitig eine deutsche Synchronisation und vietnamesische Untertitel, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es nicht mit rechten Dingen zugeht....... Letztendlich ist es für den Nutzer also relativ leicht zu merken, ob eine Urheberrechtsverletzung vorliegt, über die Risiken sollte man sich im Klaren sein.
Da der Zugriff auf einen Stream aber nur über die IP-Adresse registriert werden kann, und diese nicht länger als eine Woche (falls überhaupt) gespeichert wird, ist es trotzdem relativ unwahrscheinlich, dass eine Abmahnung ins Haus flattert.

Falls dies doch passiert, unbedingt überprüfen ob diese gerechtfertigt ist, und ob die geforderten Zahlungen verhältnismäßig sind.


Bildquelle: flickr | "Garbage Earth DDC_4137" von thierry ehrmann | CC BY SA 2.0