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Montag, 08. Mai 2017, 10:00 Uhr

David Lynch will keine Filme mehr machen

Interview mit The Sydney Morning Herald

Der Regisseur deutete in einem Interview mit dem Sydney Morning Herald an, dass sich die Gesellschaft und ihr Entertainment-Konsum dahingehend verändert hätten, dass sich Filme gar nicht mehr lohnen. Unrecht hat er damit nicht.

Gegenüber The Sydney Morning Herald sagte Lynch, der nicht nur cineastische Meisterwerke wie Blue VelvetMulholland Drive oder Lost Highway kreierte, sondern auch die fantastisch wirre Serie Twin Peaks:

Things changed a lot [...] So many films were not doing well at the box office even though they might have been great films.
... und fügte hinzu:

[T]he things that were doing well at the box office weren't the things that I would want to do.
Sein letzter Film Inland Empire (2006) brachte weltweit gerade mal vier Millionen Dollar ein, während Mulholland Drive (2001) noch 20,1 Millionen Dollar und sein Debütfilm Eraserhead (1977) vergleichsweise noch sieben Millionen Dollar einbrachten. Eine gewisse Rolle bei diesen Zahlen dürfte sicherlich auch das lapidare Nutzen von illegalen Streamingportalen spielen - warum über zehn Euro fürs Kino zahlen, wenn es Daheim auch für lau und ohne zwei Meter große Menschen vor einem geht (Obacht, leichte Ironie).
Ein weiterer - wenn nicht sogar noch größerer - Grund könnte unser verändertes Entertainment-Verhalten sein.

Ob zur Realitätsflucht, zum Einkuscheln bei tagelangem Schmuddelwetter, als Prokrastination während Klausurenphasen, zum Rumkatern oder Einlullen vorm Schlafengehen: Um einen Grund zu finden, sich stundenlang in Serien vertiefen, muss man nicht wirklich kreativ sein. Tatsächlich scheint es (zumindest wenn man nach der egoRedaktion geht) gar eher so zu sein, dass man sich irgendwelchen Schwachsinnsserien widmet, bevor man sich einen ganzen abgeschlossenen Film reinzieht. Der dauert immerhin anderthalb bis zwei Stunden - wer hat denn heutzutage noch so viel Zeit am Stück! Dass man mit besagten Schwachsinnsserien letztlich an die fünf Stunden im wahrsten Sinne des Wortes totschlägt, geht logisch zwar nicht ganz auf, scheint aber auch nicht groß zu stören.
Verstärkt wird dieser Effekt von Streaming-Portalen wie Netflix und Amazon Prime, die laufend neue, selbstproduzierte Serien auf den Markt schmeißen. Statt dadurch langsam auch mal übersättigt zu sein, schaut man sich eben wirklich jeden Bullshit an.

Dieser unfassbare Hunger auf Serien wird ab dem 21. Mai 2017 auch wieder von Lynch gefüttert: Auf Showtime wird die Kultserie Twin Peaks nach 26 Jahren mit der dritten Staffel fortgeführt.



Bildquelle: flickr | "David Lynch" von jvoves | cc by 2.0