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Dienstag, 04. Juli 2017, 12:00 Uhr

WLAN in den Alpen

Vom Berggipfel in die digitale Welt

"Holla da ritio" -  schreit man vom Berggipfel hinaus und empfängt damit die gesamte Alpenwelt. Jetzt geht die Sache noch einen Schritt weiter in die digitale Welt – mit WLAN in den Alpen. Darauf haben wir gewartet?!

Stellt euch vor, die Heidi steht auf dem Berggipfel und anstatt ein "Holla da ritio" kommt ein brrrbrrr. Denn sie hat jetzt WLAN auf dem Gipfel, mitten in der unendlichen Weite der Alpen. Jetzt macht sie gerade ein Selfie mit dem Gipfelkreuz, das sie sofort auf Instagram postet. Zufrieden und gespannt auf die Anzahl der Likes tritt sie ihren Weg bergab an. Doch dann merkt sie „Hm… wie sah es eigentlich da oben aus, ich hab es mir gar nicht genau angeguckt. Egal, ich habe es ja auf dem Smartphone.“ So, oder so ähnlich könnte es zukünftig in den Alpen aussehen.

Teilweise gibt es ja schon WLAN in den touristischen Skigebieten. Aber die Staatsregierung hat mit den Alpen großes vor. Die kürzlich im Juni erschienene Bayerische Alpenstrategie sieht vor, mit der Digitalisierung des Alpenraums auch entlegene Täler und Berge weiterzuentwickeln, als Vorzeigeregion. Konkret bedeutet das, die Alpenregion mit einer „digitale Infrastruktur auf hohem Niveau – über Breitband mit mindestens 50 Mbit/s, stabilem Mobilfunk und frei verfügbaren WLAN-Internetzugängen – zu versorgen.“ Winter ähhh… Future is coming.
Bisher ist das alles noch nicht ganz konkret geplant, aber Diskussionen darüber sind bereits entfacht.

Wir haben mal Thomas Bucher vom Deutschen Alpenverein gefragt, was er von der Idee mit den WLAN-Hotspots hält. Er meint, dass es sinnvoll sei das Mobilfunknetz auszubauen, aber WLAN-Hotspots bräuchte man da weniger. In den bereits touristisch erschlossenen Gebieten, wie bei der Zugspitze, sei es durchaus plausibel, um aktuelle Infos übers Skigebiet aufs Smartphone zu bekommen, aber dafür reicht in der Regel auch der Mobilfunk.
Die vollkommen unerschlossenen Gebiete in den Alpen komplett mit WLAN abzudecken, hält er für unnötig.

Was anderes sei hingegen die generelle Abdeckung mit Mobilfunk. Ein stabiler Empfang sei sinnvoll für die Alarmierungen bei Notfällen und die Mobilfunkabdeckung reiche da vollkommen.
Dennoch würde sich durch die Digitalisierung die Sicherheit nicht unbedingt erhöhen – nur, wenn man selbstverantwortlich in den Bergen unterwegs ist. Am besten ist eben die Vorsorge, um Unfälle erst zu vermeiden.

Man sollte also wissen, dass man in den Bergen auf sich selber gestellt ist und sich nicht darauf verlassen sollte, dass überall Mobilfunkempfang und die Rettung bereit ist.

Am Ende ist es doch einfach schön, die entlegenen Orte in den Bergen als Zufluchtsort zu haben, ohne ständig erreichbar zu sein. Macht die Augen auf, staunt und um Kendrick Lamar zu zitieren "be humble".