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Montag, 17. Juli 2017, 00:00 Uhr

Bremen vs. sexistische Werbung

Make Werbung Great Again

Ein Plakat in der Stadt, das eine halbnackte Frau zeigt, die nur ihre Brüste bedeckt und für ein Parfüm Werbung macht. So oder so ähnlich und meist zweideutig sehen wir das, doch unternehmen wir was dagegen? Die Stadt Bremen schon.

Werbung will natürlich interessant sein. Nackte Haut - das geht immer, egal ob Mann oder Frau. Ein richtiger Blickfang und anzüglich muss es sein, damit man Emotionen bei den Leuten auslöst und darüber geredet wird.

Hier, hast du schon die neue Werbung von XY gesehen? Da steht eine Frau in den kürzesten Hotpants auf einer Landebahn mit gespreizten Beinen und dazwischen steht ein Männerdeo, das mit dem Spruch ‚Reizt Frauen, nicht die Haut!‘ wirbt. Also sowas….
Zum einen ist man vielleicht empört über die Werbung, aber gleichzeitig macht man die Werbung mit der Marke XY zum Gesprächsthema – und damit hat die Werbung auch schon ihr Ziel erreicht. Billige Werbungsmache, könnte man meinen. Aber dahinter verbirgt sich noch viel mehr, wenn man sich mal wirklich mit der Wirkung von so einer Darstellung auseinandersetzt. Und dann kommen viele Fragen auf: Wo fängt Sexismus an? Ab wann ist die Darstellung nicht mehr ok? Wo kann ich mich beschweren? Und überhaupt: Was will denn Bremen jetzt genau dagegen machen?

Beginnen wir mit der DefinitionLaut Duden ist Sexismus die...

Vorstellung, nach der ein Geschlecht dem anderen von Natur aus überlegen sei, und die [daher für gerechtfertigt gehaltene] Diskriminierung, Unterdrückung, Zurücksetzung, Benachteiligung von Menschen, besonders der Frauen, aufgrund ihres Geschlechts.
Ein langer Satz, der im Prinzip alles sagt und alle wichtigen Stichwörter enthält. Sexismus reduziert Frau und Mann auf das Geschlecht, würdigt herab. Es steckt also noch viel mehr dahinter, als Aufmerksamkeit für das Produkt zu bekommen. Das Geschlecht wird bei sexistischer Werbung als Objekt dargestellt und gleichzeitig werden auch Werte vermittelt, die man in Frage stellen muss.

Wo kann man sich beschweren?Beim Deutschen Werberat hat jeder die Möglichkeit sich zu beschweren. Die haben Regeln erarbeitet, um eine sexistische Werbung festzumachen. Als Herabwürdigung oder Diskriminierung gilt zum Beispiel die Reduzierung auf die Sexualität, die Verharmlosung von Gewalt und die übertriebene Darstellung von Nacktheit.
Allerdings kann der Deutsche Werberat die Verantwortlichen nur rügen und die Werbung nicht ändern oder entfernen lassen.

Bremen geht da einen Schritt weiter.

Was macht Bremen dagegen?Die Bremer wollen mit der Werbung richtige Werte vermitteln und haben sexistischer Werbung auf öffentlichen Flächen den Kampf angesagt.
Seit April 2017 kann man sexistische Werbung der Bremischen Zentralstelle für die Verwirklichung der Gleichberechtigung der Frau (ZGF) melden. Diese schätzt nach den Kriterien des Deutschen Werberats, ob es sich um eine unzulässige Herabwürdigung und Diskriminierung handelt. Ist das der Fall und befindet sich das Plakat auf einer öffentlichen Fläche, wird gehandelt und das Plakat wird abgehängt.
Keinen direkten Einfluss hat die Stadt auf private Werbeflächen, aber durch das Sensibilisieren regt es vielleicht Menschen an sich auch bei diesen zu beschweren und auf diesem Weg etwas bewegen. 

Vor allem hat Bremen durch eine Plakataktion auf das Thema aufmerksam gemacht.
Die Plakate zeigen ein Trump-Motiv und den abgeänderten Wahlspruch als Slogan: „Make Werbung Great Again – Nein zur sexistischer Werbung“ – eine gute Anspielung auf die Aktualität des Themas. Zehn Tage lang verweilten die Plakate in der Stadt und die Resonanz war sehr positiv. Wie es scheint, hat es auf jeden Fall zur Auseinandersetzung mit dem Thema angeregt. Selbst der gebürtige Bremer Jan Böhmermann lobte die Aktion über Twitter.

Es zeigt also, dass Werbung sinnvoll eingesetzt werden kann und davon brauchen wir mehr. Es wird Zeit, dass mehr Bundesländer nachziehen. 

Wie sieht es in der egoFM Stadt München aus?In München gibt es keine direkte Meldestelle für sexistische Werbungen, aber ihr könnt euch bei der allgemeinen Behördenstelle 115 melden und euer Anliegen wird an Zuständige dafür weitergeleitet.


Bildquelle: ZGF Bremen