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soundcloud
Montag, 31. Juli 2017, 11:00 Uhr

Was ist der aktuelle Stand bei SoundCloud?

Eine Zusammenfassung der letzten Wochen

SoundCloud geht es nicht gut. Die Nutzerzahlen sinken, Mitarbeiter wurden entlassen und das Geld wird knapp. Jede Woche gab es eine neue Meldung zu dem deutsch-schwedischen Streaming-Anbieter. Wir fassen den aktuellen Stand zusammen.


SoundCloud war jahrelang der strahlende Stern am Berliner Start-Up-Himmel. Ein deutsches Unternehmen, das weltweit für Aufsehen sorgte und mit großen Namen der Start-Up-Szene aus dem Silicon Valley mithalten konnte. Umso größer war die Enttäuschung als Anfang Juli bekannt wurde, dass es SoundCloud gar nicht gut geht.
SoundCloud ist die Lieblingsplattform von Independent Artists und DJs, um ihre Musik zu veröffentlichen. Viele kleine Künstler wurden durch das Portal zu bekannten Musikern – Lorde und Mura Masa gehören unter anderen dazu.
Auch für uns ist SoundCloud eine wichtige Plattform. Viele unserer DJ-Sendungen werden dort veröffentlicht, wir ziehen einzelne Interviews dort hoch und eine Kategorie wie der „Free-Download des Tages“ wären nicht möglich gewesen, wenn Künstler nicht auf SoundCloud ihre Songs zum kostenlosen Download angeboten hätten.

Die Meldungen der letzten Wochen im Überblick

Doch Anfang Juli kam die unschöne Meldung: SoundCloud entlässt 173 Mitarbeiter. Das sind über 40 Prozent der gesamten Belegschaft! Die Büros in San Francisco und London werden geschlossen. Der Gedanke dahinter: Kosten senken und das Unternehmen somit für die Zukunft bereit machen. Denn aktuell ist SoundCloud ein großes Verlustgeschäft. 2015 machte es noch 51 Millionen Euro Verlust, dem standen nur 21 Millionen Umsatz gegenüber. Seitdem dürfte sich daran nicht viel geändert haben. Zwar startete im Oktober 2016 die Bezahlvariante „SoundCloud Go“, die für 10 € im Monat auch Musik der großen Labels für Streaming freischaltet. Also sehr ähnlich zu Spotify und Co. Bisher wurde der Dienst von der Community aber eher belächelt. Offizielle Nutzerzahlen wurden noch nicht veröffentlicht.

Die entlassenden Mitarbeiter konnten sich übrigens über ein außergewöhnliches Angebot von WeTransfer-Präsident und Marketingchef Damian Bradfield freuen. Jeder der entlassenen Mitarbeiter, der selbst im Musikbereich ein Unternehmen gründen will, erhalte 10.000 Dollar Startkapital von ihm. Einen Monat haben sie Zeit sich zu melden. Zwar nicht viel Geld für eine Unternehmensgründung, aber eine nette Geste. Schließlich würden, so Bradfield, 173 Leute mit genialen Ideen entlassen werden. Diese Ideen sollten nicht untergehen.

Nach Ankündigung der Stellenkürzung ging die Panik aber nicht nur bei den Mitarbeitern sondern auch in Musikerkreisen um. Was passiert mit den Tracks, wenn SoundCloud pleitegehen sollte und den Dienst komplett einstellt? Aus der Panik heraus meldete das unabhängige Archive Team am 14. Juli, dass es alle Inhalte auf SoundCloud archivieren werde. Man arbeite an einem entsprechenden Programm. Über 900 Terabyte gäbe es demnach zu archivieren. Nur wenige Tage später, am 20. Juli, kam dann der Stopp des Projekts. Auf Wunsch von SoundCloud wurde die Archivierung eingestellt. Denn SoundCloud versucht allen Leuten, die den Tod der Plattform schon riechen, klar zu machen, dass die Totengräberstimmung noch zu früh ist:

Some of you have asked how you can help–spread the word that we’re not going anywhere and keep doing what you’re doing–creating, listening, uploading, sharing, liking, and discovering what’s new, now and next in music. SoundCloud is here to stay.

CEO Alex Ljung auf dem Unternehmensblog

SoundCloud ist also gekommen, um zu bleiben. Dazu passt auch die Meldung von Bloomberg vom 29. Juli, dass angeblich zwei Private-Equity-Firmen Anteile der Firma kaufen wollen. Ist das die Rettung? Details über den Deal sind nicht bekannt, aber Bloomberg schreibt, dass die Firmen wenn dann eine Mehrheit an SoundCloud-Anteilen aufkaufen würde. Um wie viel Geld es geht und wie kurz der Deal vorm Abschluss steht, ist nicht bekannt. 2016 wurde der Wert des Unternehmens jedenfalls noch auf 700 Millionen Dollar geschätzt.