Entdeckt
hopscotch von Dean McCoy_flickr
Freitag, 04. August 2017, 00:00 Uhr

Pausenhofspiele reloaded

Früh übt sich…

Ihr dachtet, eure Karrierechancen in Sachen Fangen, Verstecken und Hüpfseil seien mit dem Ende der Grundschule endgültig den Bach runtergegangen? Falsch. Lasst das Kind in euch raus, es gibt für jeden die passende Vereinsgruppe.

Stellt euch vor, ihr hättet ein fröhliches Kind im Grundschulalter, das gerne in der großen Pause Seil springt oder Schaukelt. Und ehe du ihr euch versiehst, ist es ausgewachsen und zu einer Maschine mutiert, die in 30 Sekunden 200 Durchschläge mit dem Drahtseil schafft oder stehend auf einer Stahlschaukel mit acht Meter langen Streben Überschläge schwingt. Das beweist ja wohl, dass so manche Pausenhofsportart zur Olympischen Disziplin taugt. Wir zeigen euch mal, wie das aussieht, wenn jemand sich die Mühe mach, dem Ganzen ein Regelwerk überzuziehen und Wettbewerbe zu veranstalten, bei denen die Besten der Welt sich messen. Und wie viel Spaß das immer noch macht (zumindest beim Zuschauen).

FangenSeit 2016 gibt es die Sportliga World Chase Tag, die gegründet wurde, um die meistbetriebene und universellste Sportart der Welt zu feiern: Fangen! Die Gruppe aus London organisiert monatliche Treffen in London und sogar Weltmeisterschaften. Und das Beste: Sie haben endlich mal offizielle Regeln festgelegt und HIER aufgeschrieben.



Verstecken Mussten sie Schutzgeldeintreibern der Mafia entkommen und sich deshalb in ihren kleinen Ladengeschäften zwischen den Regalen unsichtbar machen? Oder entwickelte es sich aus jahrelangen Übungen, eine ganze Großfamilie in einem Fiat 500 zu verstauen? Wir wissen es nicht, aber die Weltmeisterschaft im Verstecken wird seit acht Jahren von Italienern ausgerichtet. Dieses Jahr vom 8. bis 10. September in Consonno. Genauer: in einer Geisterstadt, einem verlassenen Freizeitpark aus den 70er Jahren. 80 Teams à fünf Spielern machen mit. In insgesamt 30 Runden spielt immer jeweils ein Team die neutralen Sucher, alle anderen müssen sich verstecken. Am Ende gewinnt das Siegerteam das goldene Feigenblatt – was sonst.



GummitwistGanz in der Nähe gab es letztes Jahr die erste Gummitwist-Meisterschaft. Wer hat’s erfunden? Die Schweizer! Laut Facebook-Event haben neun Teilnehmer mitgemacht, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Man munkelt, dass Talentscouts bereits in Schweizer Grundschulen ausschwärmen…



SchaukelnSportschaukeln heißt eigentlich Kiiking, denn es kommt aus Estland. Die Esten schaukeln nämlich schon immer auf etwas extremeren Geräten: Die estnische Standard-Kiik ist zweieinhalb Meter hoch und trägt mindestens vier, höchstens zehn Schaukler. Seit 1996 gibt es professionelle Metallschaukeln mit ausfahrbaren Armen (bis zu acht Meter!). Im Wettkampf binden sich die Sportler an Armen und Beinen fest und versuchen sich an einem Überschlag bei maximaler Armlänge. Den Weltrekord der Damen hält Kätlin Kink mit 5,94m, Kaspar Taimsoo hat es sogar geschafft, sich mit einer 7,15 Meter langen Schaukel einmal zu drehen.



Steckenpferd Schaukeln und Gummitwist sind noch ziemlich junge Sportarten - ganz im Gegenteil zum Steckenpferdturnier, das zumindest in Finnland schon voll etabliert ist. Wenn die Hobby Horser auf den Platz reiten, rastet die Menge aus. Der finnische Steckenpferdverein SKY (ja, es gibt ihn) schätzt die Zahl der aktiven Steckenreiter auf 10.000.



SeilhüpfenSeilhüpfen in professionell nennt sich Jump Rope oder Rope Skipping. Dabei kommt es wahrscheinlich aus Holland, von wo aus es im 17. Jahrhundert in die USA exportiert wurde. Lange Zeit drehten sich die Seile auf beiden Kontinenten auf Schulhöfen. In Deutschland war es sogar ein Professor aus der egoFM Stadt Regensburg, der das Seilhüpfen in den 80er-Jahren great again machte. Wenn man die Profis heute so anschaut, meint man allerdings, dass die schon seit den Anfängen damals in Holland trainieren…



Hula Hoop Auch Reifen gibt es schon so ungefähr seit der Erfindung des Kreises. Als hipstermäßges Modeaccessoire hatten sie in den 50ern ihren großen Auftritt und schnell kam man auf die Idee, sie auch zur körperlichen Ertüchtigung zu nutzen und zwar in Dauer-Hula-Hoop-Wettbewerben. Was zur Folge hatte, dass die Zahl der Bandscheibenvorfälle rasant anstieg. Glücklicherweise hat sich seitdem einiges getan:



Bildquelle Titelbild: flickr | hopscotch von Dean McCoy | cc by 2.0