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Montag, 14. August 2017, 00:00 Uhr

Depression über Instagram erkennen

Studie eröffnet neue Diagnosemöglichkeit

Eine Studie hat jetzt bewiesen: man kann anhand des Instagram-Profils Despression erkennen. Doch was zeichnet ein besonders depressives Profil aus? Wir haben die Ergebnisse zusammengefasst.

Wir pflegen sie, wir lieben sie und wir füttern sie täglich mit bunten Bildern - unsere Instagram-Accounts. Unser kleines Bildertagebuch. Und so kann es passieren - wie bei einem herkömmlichen Tagebuch - , dass sie Dinge über uns verraten, die wir vielleicht nicht einmal selbst wussten. Eine Studie des Psychologen Andrew G Reece und des Mathematik Professors Christopher Danforth zeigt, dass ein Instagram-Profil verraten kann, ob der jeweilige User depressiv ist oder nicht.

We were looking to identify what behaviors are people exhibiting potentially without them even realizing
Für ihre Studie entwickelten die beiden Forscher einen Algorithmus. Dieser analysiert mit Hilfe von Farbe, Gesichtserkennung und anderen Metadaten verschiedene Instagram-Bilder. Dabei wird jeder Pixel einzeln ausgewertet. Auch die Anzahl der Wörter in der Bildunterschrift, sowie die Anzahl der Likes und auch Kommentaren darunter Spielt eine Rolle. Inhaltlich werden die Texte aber nicht ausgewertet.

Wie posten depressive Instagrammer?

Das Ergebnis der Analyse ist überraschend: Depressive Instagramer nutzen nur sehr selten einen Filter. Die Bilder sind grundsätzlich bläulicher, dunkler und grauer. Sollten die User doch einen Filter verwenden, dann nutzen sie vor allem die Filter Inkwell (schwarz/weiß), Crema und Willow. Depressive User posten außerdem viel häufiger Bilder mit Menschen, als Landschaften oder Stillleben. Wenn jedoch jemand auf den Bildern zu sehen ist, dann ist der- oder diejenige meistens alleine, Gruppenfotos gibt es auf diesen Profilen nur sehr selten. Außerdem konnten die Forscher feststellen, dass die Fotos von Depressiven weniger Likes dafür jedoch viele Kommentare erhalten.

instagram studie filter
Welche Filter von gesunden und depressiven Menschen bevorzugt verwenden | Bildquelle: Studie

Für die Studie analysierten die Forscher rund 44.000 Bilder von 166 Instagram-Nutzern. Rund 40 % davon waren depressiv. Obwohl der Algorithmus in 70 Prozent der Fälle die Profile der Depressiven erkannte, warnen die Wissenschaftler davor, dass die untersuchte Fallzahl noch zu klein sei um allgemeingültige Aussagen zu treffen. Nur so zum Vergleich: Hausärzte entdecken ungefähr nur etwa 50 % der Depressionen. Die zwei Wissenschaftler haben in diesem Fall die Zustimmung der Probanden eingeholt, letztlich haben sie aber einfach allgemein zugängliche Daten dafür genutzt. Ein Problem, auf das sie hinweisen:

Data privacy is also a very important consideration.  A lot of social media data are technically public, but studies like ours show that even public data may unintentionally contain private information.  Anyone conducting social media analytics, whether for business or science, needs to be respectful of this. 
 
Bleibt die Frage wie wir in Zukunft mit diesem Wissen umgehen. Sicherlich ist die Analyse solch privater Informationen heikel, aber wenn sich darüber zukünftig auch noch andere Krankheiten ausfindig machen lassen, dann kann eine flächendeckende Analyse solcher öffentlich zugänglichen Daten ein interessantes Diagnosetool sein. In Facebook gibt es bereits die Möglichkeit depressive Freunde zu melden und auch Instagram zeigt eine Warnmeldung an, wenn man den Hashtag #depressed sucht. Also immerhin ein erster Anfang.

Bildquelle: egoFM