Entdeckt
GELD
Mittwoch, 16. August 2017, 00:00 Uhr

Ein Dollar für ein bisschen Neugierde

Geniale Geschäftsidee oder soziales Experiment?

Würdest du einen Dollar bezahlen, nur um zu sehen, wie viele Leute ebenfalls einen Dollar bezahlt haben? Wir schon. Aber wie viele andere auch?

Wie kommt man möglichst schnell zu viel Geld? Im Lotto gewinnen? Reich erben? Eine Bank ausrauben? Ja, all das wären Alternativen. Aber wer hätte gedacht, dass es reicht eine Homepage zu programmieren und in allen sozialen Netzwerken dazu aufzufordern einen Dollar auf ein unbekanntes Konto zu überweisen?

Seit etwas mehr als drei Wochen ist die Homepage peoplepaiddollar.com jetzt online. Als Domaininhaber ist eine Briefkastenfirma in Panama registriert. Als Bankkonto ist ein Account bei Paypal hinterlegt. Auf der Startseite von peoplepaiddollar.com erscheint auf dunklem Hintergrund in großen weißen Buchstaben der Satz:

Aren't you curious to know how many people paid $1 to see how many people paid $1?
Die Idee ist so simpel und dreist, dass man gar nicht glauben will, dass sie tatsächlich funktioniert: Wer einen Dollar bezahlt, erfährt wie viele Menschen ebenfalls schon gezahlt haben. Nicht mehr und nicht weniger.

Wir haben für euch unser letztes Kleingeld zusammengekratzt und einen Dollar auf das unbekannte Konto überwiesen. Das Prozedere ist einfach: Bei Paypal einloggen, einen Haken bei den ungelesenen Nutzungsbestimmungen setzen, Klick, und… Fertig.
Geld FERTIG

Das Ergebnis: 5725 Menschen wurden schon von ihrer Neugierde ausgetrickst (Stand: 14. August 2017). Wir auch und wir waren enttäuscht. Da war kein Feuerwerk, keine Überraschung, nicht einmal die Aufmachung der Homepage veränderte sich. Da war nur die Zahl: 5725. Aber was haben wir uns auch davon erwartet?

Laut ICANN, das Koordinationsorgan der Vergabe von Webadressen, ist peoplepaiddollar.com seit dem 22. Juli online. Am 11. August haben laut trillate.de 5712 Menschen einen Dollar gespendet. Bei uns, drei Tage später waren es nur 13 mehr. Die eingenommene Geldmenge scheint also zu stagnieren. Das Konzept funktioniert eben nur solange sich die Homepage mit Hilfe von sozialen Medien weiterverbreitet. Leider ist der Hype wohl schneller vorbei als den Betreibern lieb ist. In drei Wochen 5700 Dollar mit Nichts-Tun zu verdienen ist trotzdem eine bemerkenswerte Leistung. Schließlich immer noch durchschnittlich rund 250 Dollar pro Tag.

Diejenigen, die hinter der Briefkasten-Fima in Panama stecken haben ihr Ziel auf jeden Fall erreicht. Sie haben in kurzer Zeit sehr viel Geld verdient und das alles nur mit Hilfe von stumpfer Neugierde. Viel mehr als die knapp 5700 Dollar werden es allerdings nicht werden. Denn neugierig sind wir doch alle, egal wo wir herkommen, wie wir aussehen, wie viel Geld wir besitzen und ob wir sparsam, mutig, naiv sind oder eben nicht. Und da wir euch jetzt schon die Zahl genannt haben, ist die Neugierde dahin. Somit ist peoplepaiddollar.com irgendwie beides: Geniale Geschäftsidee und soziales Experiment.

Bildquelle: peoplepaiddollar.com