Entdeckt
Grammophon FERTIG
Mittwoch, 16. August 2017, 00:00 Uhr

50.000 alte Schallplatten digitalisiert

MP3-Datei mit Vinyl-Knistern

Die Online-Plattform Internet Archive hat über 50.000 alte Schallplatten digitalisiert und im Netz zugänglich gemacht. Das „Great 78 Project“ macht aus Schellack einen Download-Link.

Seit über einem Jahr arbeitet die amerikanische Online-Plattform Internet Archive gemeinsam mit der Non-Profit-Musik-Bibliothek ARChive of Contemporary Music an diesem Projekt. Ihr Ziel: Die Digitalisierung alter Vinyl- und Schellackplatten. Unter dem Namen „Great 78 Project“ wurden bis heute über 50.000 Discs und Zylinderaufnahmen digitalisierte und ins Netz gestellt.

Musikalisch hat die Sammlung vor allem Blues und Bluegrass zu bieten. Aber auch Aufzeichnungen von traditionellen Jodlern und auch mehrere Novachord Synthesizer Aufnahmen von 1941 sind mit dabei. Für uns klingt diese Musik, wie all das, was wir aus schwarz-weis Filmen kennen. Eine kleine Zeitreise für die Ohren.

Aus den alten Aufzeichnungen eine digitale Datei zu erstellen ist ein schrecklich komplizierter Prozess, denn die Tonträger bestehen zum Teil noch aus Schellack. Schallplatten aus Harz, wie wir sie kennen wurden erst 1960 massenhaft angefertigt. Schellack jedoch ist ein sehr sprödes Material und so kann es sein, dass die Platte beim bloßen Anfassen einfach auseinander bröckelt. Eine weitere Herausforderung ist die Wiedergabegeschwindigkeit. Diese ist nämlich reine Interpretationssache, denn erst in den späten 20er Jahren hat man sich auf eine standardisierte Wiedergabegeschwindigkeit geeinigt. Und natürlich müssen beim Digitalisieren auch ästhetische Entscheidungen wie die Mikrofonplatzierung oder ähnliches getroffen werden. Das alles bedeutet, dass je nachdem wie digitalisiert wird, der Datensatz auch anders klingt.

Genau deshalb gibt es im Internet Archive hin und wieder auch mehrere Versionen eines Songs, da der Song dann in verschiedenen Varianten digitalisiert wurde. Das besondere an der Datenbank ist auch, dass man dort nicht nur nach Künstler, Song oder dem Entstehungsdatum der Originalaufnahme suchen kann, sondern auch nach den Namen des Digitalisierers.

Das amerikanische Technikportal The Verge berichtet, dass das „Great 78 Project“ auch in Zukunft fortgesetzt werden soll. Demnach liegen im Archiv inzwischen über 200.000 gespendete Aufnahmen, die nach und nach digitalisiert werden. Die meisten dieser Aufnahmen stammen aus den 50er-Jahren oder sind sogar noch älter. Das hat zur Folge, dass sich in der großen Datenbank auch Marschlieder aus dem zweiten Weltkrieg und nationalsozialistische Gesänge befinden. Ob man das unbedingt auch für die Zukunft erhalten muss... eine andere Frage.

Ziel des „Great 78 Project“ ist es die Aufnahmen als historisches Artefakt zu bewahren. Eine digitale Nachbearbeitung der Dateien ist deshalb nicht geplant. Ein bisschen Knacksen und Rauschen gehört eben mit dazu.

Hier könnt ihr euch einmal durch alle 50.000 digitalisierten Schallplatten klicken.

Bildquelle: flickr | "Grammophone" von Jannis | cc by-sa 2.0