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Dienstag, 29. Oktober 2013, 12:53 Uhr

Studieren an einer Online-Hochschule

Uni-Abschluss bequem vom Sofa aus?

Der Cyber-Lern-Boom ist mittlerweile auch in Deutschland angekommen. Seit Anfang Oktober lockt die erste deutsche digitale Massenuniversität Iversity hunderttausende Wissbegierige an und verlangt dafür noch nicht einmal Geld.

Ein Fernstudium verbindet man bisher eher mit dröger Fernsehwerbung „In einem Jahr zum Diplombetriebswirt“. Dabei hat das Studium von zuhause aus mittlerweile eine ganz andere Qualität bekommen. Immer mehr Hochschulen verlagern ihr Angebot ins Internet und mit „Iversity“, der ersten deutschen Online-Hochschule, gibt es nun eine Open-Course-Plattform, die für jeden zugänglich ist. Mehr als 20 zeitgemäße Gratiskurse wie “The Future Of Storytelling“ und “Design 101“ sollen die Studenten anlocken. Und damit treffen die Iversity-Gründer einen Nerv: Gerade solche Exoten wie den Studiengang „Creative Writing“ findet man bisher kaum an deutschen Hochschulen.

Von Architektur über Physik bis hin zu BWL gibt es schon jetzt ein großes Angebot. Und es soll in den nächsten Jahren noch weiter wachsen. Um in dieser Quantität auch die Qualität zu wahren, holt man sich Top-Professoren aus Europa und den USA, die online ihre Kurse halten. Allerdings müssen sich die Studenten rechtzeitig entscheiden: Reicht mir eine reine Online-Prüfung? Oder möchte ich einen Abschluss mit den entsprechenden ECTS-Punkten machen? Danach richtet sich dann die Zeit, die man pro Woche in das Online-Studium investiert.

Bisher galten amerikanische und kanadische Plattformen wie Coursera und Udacity als Vorbild. Doch mittlerweile ist das Spektrum an Cyber Schulen mit MITx, edX, Schoo und der englischen Futurelearn School gewachsen. Dort erfolgt der Unterricht hauptsächlich via Videostream.
Anders als bei der Konkurrenz bietet Iversity statt ausschließlichem Videomaterial sogenannte Moocs an. „Mooc“ steht für Massive Open Online Course. Im Prinzip sind das kurze, verständliche Vorlesungen von Professoren, dazu gibt es einen Multiple-Choice-Test und eine Diskussionsplattform. Damit bekommt das E-Learning gleich auch einen sozialen Faktor: Bei einem Mooc können Menschen aus aller Welt über den Inhalt der Vorlesung diskutieren. Eigentlich wie in einem richtigen Hörsaal. Nur das Flirten mit dem Sitznachbar fällt weg.

Die massenhafte Nutzung macht Moocs auch kommerziell  interessant. Dabei geht es in erster Linie nicht um Geld, sondern um die Daten, die bei einem solchen Projekt zusammenkommen. Jeder eingetragene Onlinestudent hinterlässt während des Kurses eine Datenspur. Alle einzelnen Mausklicke werden erfasst: Wie viel Zeit braucht man für die Aufgaben, welche löst man richtig, zu welchem Zeitpunkt steigt man aus. Diese Rückmeldungen sind wichtig um einzuschätzen, wie gut der Kurs bei den Teilnehmern ankommt. Aber auch für Firmen sind diese Daten interessant.

Zum Beispiel verkauft die Onlinehochschule Udacity gesammelte Nutzerdaten an Firmen, die gezielt Arbeitnehmer suchen. Diesem Vorbild könnte auch die deutsche Iversity bald folgen. Studenten ihren Qualifikationen entsprechend weitervermitteln. Natürlich nur mit ihrem Einverständnis.

Mit steigenden Studienkosten in vielen Ländern sind die Gründer der Open Online Kursplattformen davon überzeugt, eine gute und vor allem bezahlbare Alternative zu bieten. Kurse im Internet sind nicht nur günstiger, sondern könnten auch endlich eine Lösung für überfüllte Hörsäle sein. Und sie passen sich den individuellen Lebensumständen an: Eine Mutter kann sich das Studium ums Kind rum organisieren. Ein Rentner kann vom Lieblingssessel aus teilnehmen. Und wir lernen "kreatives Schreiben" von der Badewanne aus. Klingt gut.

Und das Konzept scheint aufzugehen. Während eine „normale“ Universität zwischen wenigen Hundert bis hin zu knapp 50.000 Studenten (LMU München) hat, haben sich an der „Iversity“ bereits mehr als 115.000 Menschen registriert.

Mehr Informationen zu einem Online-Studium an der Iversity findet ihr auf der Homepage der Hochschule.

Bildquelle: "Outdoor Office" von mikecogh | Flickr