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Donnerstag, 28. Dezember 2017, 00:00 Uhr

Black Mirror vs. Realität

Am 29.12. geht's weiter

Es könnte sein, dass wir dieser Tage nicht ganz bei uns sind. Das liegt nicht irgendwie daran, dass wir vollgefressen und noch restgestresst vom Weihnachtswahnsinn sind, sondern weil wir heillos aufgeregt sind: Die neue Staffel von Black Mirror startet am Freitag auf Netflix.

Die Erwartungen an den Staffelstart sind teils freudiger, teils sehr, sehr nervöser Natur. Charlie Brookers Anthologie-Serie Black Mirror, die 2011 noch auf Channel 4 das Licht erblickte ist nämlich - pardon - scheißgruselig. Nicht etwa wegen stupider Booh-Effekte, sondern weil die Serie derart realitätsnahe Dystopien technologischen Ursprungs auf den Bildschirm zeichnet, dass einem beim Benutzen vom Smartphone schon schlecht wird.
Durch diese weise Voraussicht läuft uns regelmäßig ein eiskalter Schauer den Rücken runter, wenn große Unternehmen neue Technologien vorstellen, die jenen so erschreckend ähneln, die in Black Mirror bereits furchtbar schief gelaufen sind...

Die vierte Staffel wird sechs Episoden beinhalten, für die hochkarätige Regisseure angeheuert wurden. Mit dabei sind unter anderem Jodie Foster, John Hillcoat (der Musikvideos für Künstler wie Siouxsie and the Banshees, Depeche Mode, Nick Cage and the Bad Seeds und Unkle gedreht hat) und David Slade (American Gods, Hannibal, 30 Days of Night).
Neben dem zackigen Trailer liefern auch die Episodentitel schon reichlich Spekulationsvorlagen zum Inhalt der neuen Staffel: "Crocodile", "Arkangel", "Hang the DJ", "USS Callister", "Metalhead" und "Black Museum".



Zu erwarten sind wieder einige schreckliche Technologien, die uns in den nächsten Jahren nach und nach in ähnlichem Gewand auch in der Realität vorgestellt werden... Wir haben uns mal hingehockt und zusammengeschrieben, inwiefern uns Black Mirror schon die Zukunft vorausgesagt hat.


Black Mirror Episode Realität
 The National Anthem (S01 E01)

Prinzessin Susannah wurde entführt und wird nur freigelassen, wenn der Premierminister Michael Callow mit einem Schwein kopuliert – öffentlich im nationalen Fernsehen.

 
#Piggate

Wie dumm Black Mirror Fans im September 2015 schauten, als in der Daily Mail ein Auszug der Biografie Call Me Dave veröffentlicht wurde. Darin ging es um ein recht infames Kapitel aus dem Leben von David Cameron: Für eine Mutprobe zur Einweihung seiner Mitgliedschaft in einem super speziellen Dining Club der Oxford University musste der ehemalige Premierminister Großbritanniens seinen Penis in den Mund eines toten Schweins stecken. Die Mutprobe ging unter dem Namen „Piggate“ viral.


The Entire History of You (S01 E03)


Stellt euch vor, ihr müsstet euch nur ein klitzekleines Implantat hinters Ohr transplantieren lassen, um dann über eure eigenen Augäpfel das ganze Leben aufzeichnen zu können und bei Belieben abspielen zu lassen. Wäre doch super? Ihr könntet dabei beispielsweise das Bewerbungsgespräch nochmal rekapitulieren und jede noch so kleine Mimik eures Gegenübers untersuchen und darauf interpretieren, ob es nun gut lief oder nicht. Naja, schaut euch lieber mal The Entire History of You an, bevor ihr vor Aufregung ausflippt…

 Google Glass / Google Contact Lens

2011 wurden die in der Black Mirror vorgestellte Technik noch mit Google Glass assoziiert, mittlerweile gibt’s noch was viel näheres: Im  Januar 2016 kündigte das Unternehmen die Smart Contact Lens an – die sollen zwar erstmal nur Diabetes-Patienten nützen, in dem die Linsen das Glucose-Level in der Tränenflüssigkeit messen und so frühzeitig bei Mängeln Alarm schlagen können, aber man stelle sich nur mal eine Fusion mit der Google-Glass-Technologie vor!!!!!!

Be Right Back (S02 E01)

Martha und Ash lieben sich. Ash stirbt. Die innige Beziehung jedoch bleibt am Leben – oder zumindest eine künstliche Version davon. Denn Martha beschließt, einen Service in Anspruch zu nehmen, der mittels Videos und Tweets eine künstliche Intelligenz mit Infos füttert, um so den Charakter und das Verhalten des Verstorbenen zu kopieren. Zunächst beschränkt sich das Kontakthalten noch aufs Chatten… später werden die Infos auf eine exakte Replika des Körpers von Ash geladen…

Eugenias unsterblicher bester Freund

Eugenia Kuyda und Roman Mazurenko sind beste Freunde. Roman stirbt. Die innige Beziehung jedoch bleibt am Leben – oder zumindest eine künstliche Version davon. Denn Eugenia beschließt, selbst einen Chatbot mit den Infos über Eigenschaften und Verhaltensweisen ihres verstorbenen besten Freundes zu füttern um so einfach weiter mit ihm chatten zu können. ERRRMAGERRRRD.

15 Million Merits (S02 E02)

Der Mensch nicht mehr als Produkt – einerseits als Stromquelle andererseits als Werbe-Rezipient, der bei Spots, die an die Wände des eigenen Zuhauses projiziert werden, nicht einfach die Augen verschließen kann. Er muss sie anschauen, ansonsten ertönt ein noch nervtötenderer Alarm.


Aufmerksamkeitssüchtelnde Werbung

Die Leute, die die kostenlose Version von Spotify benutzen, kennen das auditive Äquivalent zu dieser Dystopie bestens: Ist die Lautstärke zu leise, pausiert der Spot, bis sie wieder hochgedreht wird. Doch auch die visuelle Masche gibt’s teilweise schon: Wechselt man das Tab, während vor einem Video Werbung läuft, geht’s ebenfalls nicht weiter. Madig.

The Waldo Moment (S02 E03)

Aus Liebesfrust über die misslungene Beziehung mit einer Politikerin fängt ein Comedian, der sich hinter dem Körper eines animierten Cartoon-Bären versteckt, damit an, die Wahlkampfkandidaten zu dissen. Die Bevölkerung feiert’s und wählt das blaue Geschöpf tatsächlich ins Parlament.


Animojis


Im September präsentierte Apple in Bezug auf die vielen neuen Techniken des sagenumwobenen iPhone X‘ die Fähigkeit der Gesichterkennung. Mit der soll man nicht nur das Handy entsperren und bezahlen, sondern auch Mimik-Pate für Emojis sein kann.

Das eigene Gesicht dient dafür als aktive Vorlage für Einhorn, Hund oder Kackehäufchen. Und das erinnert uns doch wirklich sehr an die Art und Weise, wie Waldo Leben eingespeist wird…


US Präsident Trump

Nicht blau, dafür orange und leider kein Comedian, dafür aber irgendwie auch nicht nicht. Genug gesagt? Genug gesagt.

Nosedive (S03 E01)

Es geht um ein System, mit dem man jede einzelne Aktion der Mitmenschen nach dem Fünf-Sterne-Prinzip bewerten kann. Daraus ergibt sich ein Durchschnittswert, der einem entweder einen hohen sozialen Status und damit einhergehende Nachlässe bei beispielsweise Mietpreisen verspricht oder eben das Gegenteil bedeutet: den Ausschluss aus der Gesellschaft. Personen mit einem hohen Score profitieren dabei beispielsweise von Nachlässen beim Mietpreis, während niedrig Bewerteten beispielsweise der Eintritt in Restaurants verwehrt wird.

Das chinesische Bewertungssystem Aliplay

Wer dachte, dass das in Black Mirror beschriebene System der Like- und Follower-Geilheit à la Instagram ähnelt, hatte ja noch gar keine Ahnung davon, dass eine noch viel ähnlichere Methode zur Personenbewertung in China entwickelt wurde: Über das Bezahlsystem Aliplay sind Menschen nichts mehr als ein Score, der unter anderem darüber entscheidet, ob die Person kreditwürdig ist oder nicht. Die Nutzer liegen dabei immer zwischen den Werten 350 und 950, jeder neue Nutzer beginnt bei 600. Die Auf- und Abwertung geschieht mittels Einkäufen: Wer über Aliplay etwas besorgt, sollte darauf achten, dass Geld auch wirklich zu haben, andernfalls muss man Punkte büßen.

Ein hoher Score verspricht dem Nutzer außerdem bessere Chancen in Dating-Apps und kann auch beim Beantragen von Visa entscheidend sein.

Doch damit nicht genug: Das System scannt außerdem das Umfeld der Nutzer. Hat man in den sozialen Netzwerken viele Kontakte mit hohem Score, wirkt sich das ebenfalls positiv aus. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAH!!!!!!




Bildquelle Titelbild: Black Mirror | Netflix