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Donnerstag, 27. Februar 2014, 12:00 Uhr

Harry Klein wird Marry Klein

Einen Monat lang nur weibliche Acts

Quotendiskussion hin oder her. Warum gibt es eigentlich so wenige weibliche Künstlerinnen? Das Münchner Harry Klein bringt im März einen Stein ins Rollen.

Endlich Wochenende. Feierabend. Wortwörtlich. Nach Hause gehen, duschen, sich was einigermaßen clubtaugliches drüberwerfen und sich mit Freunden treffen. Spätestens in der Vorglüh - Runde wird dann diskutiert, in welchen Club man optimalerweise in dieser Nacht zum feiern geht. Vor allem wenn es eine große Gruppe ist, ziehen sich diese Diskussionen in die Länge wie Kaugummi und enden manchmal in dem Grad der Hitze, wie wir es aus Polit - Runden kennen. Jeder will woanders hin, Kompromisse eingehen wollen viele dann auch nicht und zum Schluss weint immer mindestens einer, weil er den DJ nicht leiden kann.

Die Clubentscheidung wird doch meistens nach dem DJ gefällt, der auflegt. Oder etwa nicht? Und nach dieser Einleitung sind wir spätestens jetzt mittendrin in der Thematik. Warum sind in der Szene eigentlich so wenig Frauen unterwegs? Klar, man kennt die ein oder andere. Ellen Alien (die Gründerin von BPitch), Nina Kraviz, Monika Kruse, Dinky, Miss Kittin.

Man kriegt auch immer wieder mit, wenn Frauen vor allem in der Techno- und House- Szene gehatet werden oder wenn es Kollegen vom männlichen Geschlecht zu gut meinen und den weiblichen DJs dann ins Mischpult greifen oder Getränke bei ihnen bestellen. Das gute Harry Klein setzt genau dagegen im März ein Zeichen, indem es den ganzen März lang nur weibliche Künstlerinnen bucht, Workshops und Diskussionen veranstaltet. Das läuft - wie geschickt - unter dem Namen Marry Klein.

Die Idee ist nicht grundneu, aber darum geht's auch gar nicht. Schon 2006 und 2007 gab es dort diese Reihe. Gegen Unterrepräsentanz. Die ganze Technik, also alles, wird dann von der Weiblichkeit beherrscht: An den Visuals, Plattentellern und allen elektronischen Geräten wird die Männlichkeitsdominanz umgedreht. Versteht uns nicht falsch, hier wird keine Emanzen Schiene gefahren, wie das böse Zungen manchmal behaupten, sondern einfach mal Platz für was längst überfälliges geschaffen.

Apropos: Jeder - oder sollten wir jetzt ganz korrekt jedIN sagen? - kann jetzt ihre Sachen im Harry Klein einreichen. Egal, ob Musik oder Portfolio. Zu den Workshops, in denen man unter anderem lernt mit Ableton umzugehen, kann man sich hier anmelden.

Die Aktion hat übrigens auch schon weit über München hinaus Wellen geschlagen. Nicht zuletzt durch die Unterstützung von female:pressure, einem Netzwerk, welches sich zur Aufgabe gemacht hat, weibliche Künstler im Feld der elektronischen Musik stärker zur Geltung zu bringen. Auch lässt sich auf der Facebook Seite des Berliner DJs Fresh Meat auch schon reger Meinungsaustausch darüber finden:

                                   Unbenannt


Wir finden die Idee hinter Marry Klein ziemlich klasse, um nicht zu sagen superdupergut. Wir sehen uns im März!

Bildquellen:
Harry Klein
Berlin Mitte Insitut | Facebook