Entdeckt
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Mittwoch, 12. März 2014, 12:00 Uhr

Wahlkampf in Regensburg

Was soll das mit der Alternativkultur?

Ein Fass, das immer wieder neu aufgemacht wird: Alternativkultur in Regensburg erhalten. Jetzt wird damit Wahlkampf gemacht.


Wir verzichten jetzt mal auf die große umgreifende Einleitung à la einfallslose Ode an Regensburg, die immer noch viel zu oft wiedergekaut wird und mittlerweile so knackig ist wie eine vertrocknete Stange Poree. Apropos altbekannt: Jeder, der zumindest halbwegs was mit der oberpfälzischen egoStadt am Hut hat, findet sich in mindestens einem der folgenden Szenarien gleich wieder.

Eins: Man wird aus der Bar oder aus dem Club geworfen und steht erstmal im Kalten. Gute, alte Sperrstunde. Sie versaut es uns einfach immer wieder. Wir lieben sie. Gerade, wenn der Abend so richtig gut ist, wird man vom weißen kalten Neonlicht wieder auf den Boden der traurigen Tatsachen zurückgeholt. Meistens enden die kurzen Nächte dann in privater Runde oder man macht sich direkt auf den nach Hause Weg.

Zwei: Die Lieblingskneipe wird geschlossen. So richtig groß war die Diskussion zuletzt um die Alte Filmbühne. Es gab einen regelrechten Shitstorm gegen Immobilienverwalter und Pächter bis hin zu Statements, dass die Alternativkultur bedroht ist, ja, sogar auszusterben droht. Groß war da die Aufregung um jedermanns Stammkneipe. Und jetzt? Die Filmbühne ist umgezogen und keiner meckert mehr. Dass außerdem manche Orte wie prädestiniert dafür zu sein scheinen, ständig den Betreiber zu wechseln, sind auch olle Kamellen. 

Drei: Ein Kino macht zu. Ihr wisst, worauf wir hinauswollen. Das Ostentorkino. Gerüchte, dass der Gebäudekomplex zu einem supergentrifizierten schicken Laden umgebaut werden soll, ließen nicht lange auf sich warten. Nachdem jetzt die Unterstützerlisten, auf denen sich 13.600 Personen für den Erhalt ausgesprochen hatten, an die Hausbesitzer übergeben worden sind, heißt es, dass eine Disko nie geplant war. Sehen wir mal, was 2015 daraus wird.

Kultur im Wahlkampf

So. Das polarisiert doch. Und alles, was polarisiert, eignet sich doch perfekt als Wahlkampfthema. Warum dann nicht mal Themen für die anstehende Kommunalwahl anpacken, die auch mitten ins Studentenherz treffen? Stimmt schon, unsere Generation ist nicht besonders politisch. Lifestyle, das Leben genießen, Bier trinken und so. Generation Y, wie das immer so schön heißt. Und da Regensburg 21.000 Studierende zu bieten hat, ist das doch eine ganz beträchtliche potentielle Wählerschaft. 

Der Zug, der mit dieser Thematik bis unter die Decke vollgestopft ist, scheint gegenwärtig bei jeder Partei Halt zu machen. Christian Schlegl von der CSU hat beispielsweise eine eigene Website unter dem Slogan "Der kann's", auf der sich ziemlich viele Clubbesitzer für ihn aussprechen. Unter ihnen auch das Mono, wo sich hauptsächlich linksorientiertes Publikum tummelt. Die SPD um Joachim Wolbergs hat eine ganze Künstlerfront hinter sich. Die Grünen stellen sich - neben der SPD - klar auf die Seite der Ostentorkinobetreiber. Mal sehen, wer am Sonntag die Lorbeeren mit nach Hause nimmt.

Clubs und Bars geben ihr Gesicht her

Wie kommt es jetzt aber, dass so viele Bars und Clubs bei der Schlegl Kampagne mitmachen? Vor allem beim Mono wunderten wir uns stark, weil dieser Handlungsschritt an Paradoxie kaum zu überbieten ist. Überspitzt formuliert: Warum macht ein Laden bei einer CSU Kampagne mit, dessen Publikum sich regelmäßig über ebendiese Partei auslässt und auch derbe Witze macht, ergo nie diese Partei wählen würde?

Wir laden deshalb zur Disskussionsrunde ein. Phuc Huynh betreibt die Mono Bar und ist Besitzer eines asiatischen Restaurants, steht also mit beiden Gastronomiebetrieben auf der Pro-Schlegl Seite. Ihm gegenüber steht Peter Brünsteiner. Er ist in der freien Regensburger Kulturszene als Schauspieler, Musiker und Kompnist aktiv und sieht vor allem den Wahlkampf der CSU kritisch. Außerdem hatte er fünf Jahre lang hinter dem Thresen in Regensburger Gastros gearbeitet und ist auf dem Gebiet auch dementsprechend fit. Man darf gespannt sein.

Hier gibt's die komplette Diskussionsrunde zum Nachhören: