Entdeckt
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Donnerstag, 26. September 2013, 00:00 Uhr

Nick Gentry malt Bilder auf alten Disketten

Floppy Disk goes Art

Für ein Bild braucht man Farbe und Leinwand. Falsch. Eigentlich reichen auch Farbe und alte Disketten. In München haben wir den Künstler Nick Gentry entdeckt, der seine Portraits auf alte Floppy Disks malt. Wir sind begeistert.

Unsere Entwicklungsphasen lassen sich eigentlich ziemlich gut am jeweiligen Wandschmuck ablesen. Klingt jetzt erstmal furchtbar tiefenpsychologisch, ist aber eigentlich ziemlich banal. In unseren ersten Lebensjahren vergöttern wir Pferdebilder und Fußballer-Portraits. Es folgen die Bravo-Starschnitt-Phase und noch einige mehr, bis wir dann irgendwann zu uns kommen und endlich - endlich! - einen guten Kunstgeschmack entwickeln. Und der hat nichts mit Rembrandt zu tun (mögen wir auch, aber eher im Museum als an der Küchenwand), sondern geht eher in die Urban-(Street-)Art-Ecke. Banksy. Damien Hirst. Oder Nick Gentry.

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Nick Gentry kommt aus London und hat sich auf's Portrait-Malen spezialisiert. Aber seine Werke bringt er nicht auf eine normale Leinwand, sondern auf alte Floppy-Disks, die er auf Flohmärkten und bei eBay findet (mittlerweile bekommt er allerdings so viel Material zugeschickt, dass er sich diese Wege sparen kann). Zwischen zwei und 700 Floppys verwendet Gentry für seine Werke. Über die Models, die als Vorlage für seine Werke gedient haben, will Nick nicht sprechen. Die Identität der Menschen soll geheim bleiben.

Um seine Vorlagen noch weiter zu anonymisieren, nimmt er ihnen den "Spiegel der Seele" - die Augen. Ersetzt werden sie durch die offenen, runden Metalscheiben der Disks. Das Ergebnis sieht ein bisschen wie ein Cyborg aus - und das ist auch genauso gedacht. Gentry hat sich tatsächlich von dem Film "Blade Runner" inspirieren lassen. Wer auf der letzten Stroke Art Fair in München war, wird sich an Gentry erinnern: Seine Portraits stechen heraus und brennen sich ins Gedächtnis - genau wegen der fesselnden Augen.

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Unter den Portraits beherbergen die alten Floppy Disks immer noch die digitalen Überresten ihrer Besitzer. Alte Daten, die heute niemand mehr braucht. Die aber durch die Kunst weiterhin aufbewahrt werden. Schöne Idee.
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Mit seinen Werken macht Nick Gentry gerade Station in München. Bis zum 19.10. könnt ihr euch die Disk-Portraits in der Münchner Galerie flash anschauen.


Bildquelle: Nick Gentry | Facebook