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Donnerstag, 02. Oktober 2014, 00:00 Uhr

Pack schlägt sich, Pack verträgt sich

Eine Liste von zehn getrennten und wiedervereinten Bands

Dieses Wochenende steht ganz im Zeichen der Wiedervereinigung. Bei uns natürlich im musikalischen Sinne. Deshalb haben wir für euch eine Liste mit zehn Bands zusammengestellt, die wieder zueinander gefunden haben.


#01 Bloc Party
Zurzeit haben wir Bloc Party-Frontmann Kele Okereke mit Liedern aus seinem kommenden zweiten Soloalbum im Programm. Welchen Status die Londoner Band in voller Besetzung aber gerade hat, weiß man nie so recht. Meist werden die Gerüchte dazu von ihnen selbst geschürt, hinterließen sie doch erst letztes Jahr im Gästebuch des Rock-A-Field-Festival in Luxembourg die Nachricht „Bloc party is dead. Bye bye!“ Den ersten Break-Up gab es 2008 nach ihrem dritten Album Intimacy für ganze drei Jahre. Man würde sich hassen, Kele Okereke würde ersetzt werden. Das war das einzige, was man in dieser Zeit zu hören bekam. Umso überraschender kam dann das Album Four im Jahr 2012. Kurz vor dem vielsagenden Gästebucheintrag ließ man dann schon wieder verlauten eine bis zu zwei Jahre andauernde Pause einzulegen. Gäbe es für Bandseiten auf Facebook die Möglichkeit ihren Beziehungsstatus anzugeben, wäre für Bloc Party nichts passender als „kompliziert“.




#02 The Libertines
Gar nicht mehr kompliziert scheint es auf einmal bei Peter Doherty und Carl Barat zuzugehen. Man hatte sich zwar einst mal wegen Einbruchs und Diebstahls angezeigt, aber wer will denn schon so kleinlich sein und verzeiht so etwas nicht. 2010 gab es die erste Wiedervereinigung der Krawall-Band aus England beim Reading/Leads Festival. Die Toxic-Twins der Nullerjahre umarmten und küssten sich hier schon wieder so, als wäre nichts gewesen. Eine Gage in Millionenhöhe soll hier alte Wunden geheilt haben lassen. Dieses Jahr standen Doherty, Barat, Powell und Hassall dann abermals wiedervereint im Londoner Hyde Park auf der Bühne und gehen sogar soweit, eine dritte Platte für 2015 anzukündigen. Das klingt alles wirklich zu gut um wahr zu sein. Letztes Wochenende starteten die Libertines in einem drei Nächte hintereinander ausverkauften Alexandra Palace in London in ihre Europatournee. Heute Abend sind sie nach unendlich langer Zeit wiedervereint auf deutschem Boden in Berlin anzutreffen.




#03 Blur
Bereits fünf Jahre vor den Libertines gaben Blur 2009 ihr Reunion-Debüt im Londoner Hyde Park. War etwa die finale Trennung der Dauer-Konkurrenten Oasis im selben Jahr der Anlass dafür? Nein, wir wollen ja keine (alten) Pferde scheu machen. Die Britpop Band um Damon Albarn muss einfach einmal erwähnt werden, ohne dass eine verstaubten Gallagher-Hass-Anekdote herausgekramt wird. Ende der 80er gründeten Albarn und Graham Coxon die Band. Zwei Jahre später gab es auch schon den ersten Plattenvertrag mit Food Records und das Debütalbum Leisure schoss in die Top 10 der UK Charts. Nach sechs Studioalben wurde es Fans der Mitbegründer des Britpops sicher anders als sie 2002 hörten, dass Graham Coxon das Weite gesucht hatte. Ein Album gab es ein Jahr später ohne ihn noch, dann blieb es aber bis 2008 ruhig. Neben dem Hyde Park Gig, gab es zur Feier der Reunion noch eine Band-Doku auf DVD und 2010 die erste neue Single „Fool’s Day“ seit sieben Jahren.




#04 The Verve
Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Das müssen sich die Mitglieder von The Verve gedacht haben. Kaum eine Band hat so viele Trennungen und Wiedervereinigungen durchgemacht wie sie. 1989 gründete Frontmann Richard Ashcroft die Band bereits zu Schulzeiten. Kurz noch ein „The“ vor den eigentlichen Bandnamen gesetzt, um einem Gerichtsstreit aus dem Wege zu gehen und schon stand dem Erfolg nichts mehr im Wege. Außer vielleicht die schwierigen Charaktere von Ashcroft und Gitarrist Nick McCabe. So kommt es nach dem zweiten Album 1995 zur ersten Trennung der Band. Waren hier die Wogen schnell geglättet, wurde sich 1996 gleich wieder versöhnt. Drei Jahre später geht man erneut getrennte Wege (was aber gerne als Pause bezeichnet wird) und Ashcroft veröffentlicht zwei Soloalben. Zeitgleich verkündet er, dass eher die Beatles wieder zusammenkommen würden als The Verve. Aber selbst ohne Lennons und Harrisons Wiederauferstehung, rauft man sich im Jahr 2007 zusammen und vereint sich – wieder einmal. Man würde doch lieber nur noch die Musik sprechen lassen. Lange sprach die aber auch nicht mehr. Für ein fünftes Studioalbum reichte es noch, dann erklärte McCabe, die Band sei im Urlaub. Der dauert noch bis heute an.




#05 Suede
Einerseits sind sie ja alle die Mitbegründer des Britpops, andererseits könnten sie auch als Mitbegründer des Drama-Genres gelten. In diese Kategorie passt auch die englische Alternative-Rock-Band Suede, die mit ihrem Mercury Music Prize gekrönten Debüt-Alben Suede und dem Follow-up Dog Man Star die britische Musikszene revolutionierte. Frontmann Brett Anderson versuchte die Band nach wie vor aufrecht zu erhalten, als Gründungsmitglied Bernard Butler diese bereits verlassen hatte. Mit der Veröffentlichung des Albums Singles (was eigentlich bereits ein Best-Of war), verkündet Anderson 2003 die Trennung der Band. Zu einer überraschenden Reunion kam es sieben Jahre später in der Londoner Royal Albert Hall. Auch hier blieb Butler jedoch fern. Kühne Fan-Träume wurden wahr, als dann 2013 das Comeback-Album Bloodsports erschien. Schwierigkeiten hat die Band jedoch immer noch in Amerika, wo sie auf Grund eines Gerichtsprozesses nur unter dem Namen „The London Suede“ auftreten dürfen.




#06 Pulp
Eine vollständige Bandgeschichte der Alternative-Rock-Gruppe Pulp aus Sheffield würde an die 24 Musiker beinhalten. Einzige Konstante ist Jarvis Cocker, der trotz spindeldürrer Figur und fettigen Haaren in den 90ern als Sexsymbol galt. Er gründete Pulp 1978 mit unschuldigen 14 Jahren. Schon damals begann er wegen einigen Auseinandersetzungen Bandmitglieder wie wild auszutauschen. Erst mit der Single „Babies“ aus dem dritten Album Separations und erneuten Umstrukturierungen der Band ergab sich 1992 ein Plattendeal bei Island Records. 1995 kommt dann mit dem Lied „Common People“ und dank des Headliner-Platz beim Glastonbury Festival der Durchbruch. Vom einst folkigen Musikstil bleibt die Jahre darauf nichts mehr übrig – es wird düsterer. 2002 verließ man das Label und hielt seinen vorerst letzten Auftritt beim Auto Festival in Rotherham mit den Worten „This is the last time you see us in a while“. Dann war acht Jahre lang nichts mehr von der labellosen Band zu hören und sehen (abgesehen von einem Auftritt Cockers in dem Film „Harry Potter und der Feuerkelch“ mit Phil Selways und Jonny Greenwood von Radiohead , wo sie die Zauberer-Band Weird Sisters darstellten). 2011 stiegen Pulp dann wieder aus der Versenkung empor und traten seither weltweit auf diversen Festivals auf. Auf neues Material wartet man aber bis heute vergebens.




#07 Arrested Development
Die Hip-Hop-Gruppe Arrested Development startete nach ihrer Gründung 1989 von null auf hundert durch und gewann mit ihrem Erstlingswerk 3 years, 5 months & 2 days in the life of… prompt einen Grammy. Speech und DJ Headliner kassieren oben drauf noch den Preis für in der Kategorie Best New Artist. Aber im Gegenteil zu dem zu dieser Zeit üblichen Gangsta-Rap, machen die beiden keinen auf böse Buben und spenden die Hälfte der Einnahmen ihrer Erfolgs-Single „Mr. Wendal“ an eine Obdachlosen-Stiftung. Getreu Speech’s Motto „It’s time for more substance“ wollte man sich bewusst von den üblichem Gehabe ihrer Genre-Kollegen abheben. Mit dem Follow-Up Album Zingalamaduni konnten AD nicht mehr an ihre Erfolge anknüpfen und so kam es bereits 1996 zur Trennung der Band. Die Zeit vertrieben sich die ehemaligen Bandmitglieder nun mit Soloprojekten. Weil es gemeinsam doch am meisten Spaß macht, setzte man sich drei Jahre später bereits wieder an einen Tisch. Die nächsten zehn Jahre werden vier weiter Alben aufgenommen und Fans sind erleichtert, dass AD ihrem Stil treu geblieben sind. Als Dank an ihre Anhängerschaft gibt es 2012 die Jubiläumsplatte Standing at the Crossroads gratis.




#08 The Fugees
Wyclef Jean, Laurence Hill und Pras Michel – besser bekannt als die Fugees – nahmen in ihrer Laufbahn leider nur zwei Alben auf. Immer wieder gab es Gerüchte und Zusammentreffen der Bandmitglieder nach ihrer Trennung 1997, aber schon beim kleinsten Seitenhieb war man wieder zerstritten und eine Reunion rückte in weite Ferne. Der Durchbruch gelang der Gruppe 1996 mit ihrem zweiten Album The Score, was eines der am meisten verkaufte Hip-Hop-Alben aller Zeiten ist. Nach diesem Erfolg widmeten sich alle drei ihren Soloprojekten. 2004 war es dann soweit und man schloss sich für einen Auftritt in Brooklyn zusammen, welcher im Musikfilm „Dave Chappele’s Block Party“ gezeigt wird. Nach fast 1zehnjähriger Abwesenheit im Fernsehen traten die Fugees bei BET’s 2005 Music Award auf und begeisterten mit einem 12-Minuten-Set. Mit „Take It Easy“ wurde auch endlich eines neues Lied im Internet von ihnen veröffentlicht und man ging sogar wiedervereinigt auf Europatournee. Das Verhältnis zwischen den Bandmitgliedern wurde jedoch zunehmend schlechter, so dass es nie zu dem angekündigten Comeback-Album kam. “Before I work with Lauryn Hill again, you will have a better chance of seeing Osama Bin Laden and [George W.] Bush in Starbucks having a latte, discussing foreign policies, before there will be a Fugees reunion,”, sagte Pras Michel einst zu allhiphop.com.




#09 Pixies
Es gibt wirklich miese Arten Schluss zu machen. Zum Beispiel per SMS. Nicht wesentlich besser hatte es die Bandmitglieder der Pixies 1993 getroffen, als Leadsänger und Songschreiber Francis Black in einem Radiointerview mit BBC ohne deren Wissen verkündet, er würde die Band verlassen und die Pixies seien somit Geschichte. Netterweise schickte er noch ein Fax an seine Exkollegen hinterher um das ganze schriftlich festzuhalten. Fast genauso kam es jedoch zehn Jahre später auch wieder zur (zweiten) Reunion der Truppe um Charles Thompson (aka Francis Black), Joey Santiago und David Lovering. Thompson witzelte mal wieder im Radio, es passiere bezüglich der Pixies viel mehr als sie (die Journalisten) wissen würden. Etwas verwirrt kontaktieren ihn die verbliebenen Mitglieder und man kam ganz nach dem Motto „warum eigentlich nicht“ ins Quatschen. Anfangs wollte Bassistin Kim Deal, mit der sich Thompson über die Jahre immer wieder in die Haare bekommen hatte, bei dem erneuten Zusammenschluss auch mit von der Partie sein. Drei neue EPs erscheinen 2013 bevor sie endgültig die Band verlässt. Erst im April diesen Jahres gab es ein neues Pixies Album. Indie Cindy bestand jedoch lediglich aus allen drei vorab nur Online veröffentlichten EPs.




#10 A Tribe Called Quest
Q-Tip und Phife Dawg wachsen zusammen in New York auf und gründen mit Ali Shaheed Muhammad und Jarobi White 1985 den Tribe. Bis heute gelten sie als eine der einflussreichsten und bedeutendsten Formationen, die es im Hip-Hop je gegeben hat. Ihren Namen verdanken sie der befreundeten Crew Jungle Brothers. Diese öffnen ihnen auch die Türen zur Rap-Musik. Mit ihrem Debüt People’s Instinctive Travels and the Paths of Rhythm hauten sie alle von den Socken. Nicht nur dass sich der zurückhaltende Q-Tip und der impulsive Phife perfekt ergänzten, Ali brachte dem ganzen auch noch einen jazzigen Vibe ein. Während bisher also anstrengender Gangsta-Rap die Nerven und Ohren betäubten hatte, kamen hier auf einmal ein paar Jünglinge mit entspannten Beats und einfallsreichen Texten daher. Es folgten ab jetzt ohne Jarobi im ein-Jahres-Takt die weiteren Alben The Low End Theory und Midnight Marauders, welches das am besten verkaufte Tribe-Album bleiben sollte. Für die vierte Scheibe Beats, Rhymes und Life wurde sich mehr Zeit gelassen, was aber auch an den Unruhen während des East Coast/West Coast-Battle lag. Manche Fans waren enttäuscht von der Platte, die aber dennoch auf Platz 1 der US-Charts schoss. Während der Studioarbeiten zum fünften Werk The Love Movement brannte dann 1998 auch noch Q-Tips Haus samt Studio ab und zur großen Überraschung gab der Tribe bekannt, dass dies ihr letztes Album sei. Oftmals wurde hier als Grund genannt, man würde mit dem Label Jive Zomba nicht mehr klar kommen. Auf Grund der Gerüchte, der ATCQ schulde der Plattenfirma noch ein Album, gab es im Jahr 2003 immer wieder Berichte, das Trio befände sich im Studio. 2006 kam es dann zur ersten Live-Renunion und der Tribe tourte durch Amerika. Die Jahre darauf wurde immer wieder erklärt, es gäbe kein neues Album mehr und man würde sich nur noch für Live-Auftritte zusammenschließen. Ihre wirklich(!) allerletzten zwei Auftritte laut Q-Tip gab es im November 2013 bei Kanye West’s Yeezus Tour dort wo alles begann: in New York.



Bildquelle: The Libertines // Facebook