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Dienstag, 28. April 2015, 11:30 Uhr

Einer für alle, alle für einen

Crowdfunding und -Investing in der Kreativbranche

Die eine zündende Idee. Der langersehnte Durchbruch. Klingt geil oder? Aber selbst mit dem ausgeklügeltsten Projektplan, dem genialsten Song oder dem abgefahrensten Drehbuch in der Tasche braucht man doch etwas Kleingeld.

Abhilfe gibt es seit einigen Jahren durch Crowdfunding oder Crowdinvesting. Kürzlich erst sammelten Fans der Foo Fighters Geld, dass ihre Lieblingsband doch endlich mal wieder ein Konzert in Richmond geben soll. Scrubs-Serienstar Zach Braff bringt die Tage seinen über Crowdfunding finanzierten Kinofilm „Wish I Was Here“ auf die Leinwand. Und die kanadische Band Nickelback könnten demnächst Opfer eines Crowdfunding-Projekts werden. In London sammelt jetzt nämlich ein Bürger Geld, dass die Musiker doch bitte nie wieder ein Konzert in seiner Stadt geben sollen. Spätestens aber, wenn sich die Macher von Southpark auf ein Thema stürzen, sieht man, dass es zurzeit die Massen beschäftigt. Wir haben jetzt mal einen Blick auf Unternehmen geworfen, die Crowdfunding und –investing für kreative Projekte anbieten.

Musiker wollen inzwischen oftmals den Do-It-Yourself-Weg zum Ruhm gehen und ihre Platte selbst aufnehmen. Genügt das Ersparte nicht dafür, können sie sich und ihre Musik im Internet vorstellen und Fans zu Spenden aufrufen. Wir als Musikentdecker finden den Gedanken natürlich besonders reizvoll, Fan der ersten Stunde zu sein und somit aktiver Teil bei der Entstehung eines Albums zu sein. Eine Plattform, um neue Künstler bei ihren ersten Schritten in die Musikbranche zu unterstützen ist PledgeMusic. Die Direct-To-Fan-Community gibt es seit 2009 in Büros rund um den Globus. Anmelden kann sich hier jeder Musiker, der finanzielle Unterstützung braucht. Sei es für die Studiomiete, den Dreh eines Musikvideos oder die Umsetzung einer Livetournee. Neben den Einnahmen von Geldern schafft diese Finanzierungsform natürlich eine intensive Fanbindung, denn der einzahlende Fan (Pledger) bekommt im Gegenzug exklusive Inhalte oder Erlebnisse. Mindestens erhält er in der Regel aber den Download des produzierten Albums als sogenannten Basis-Pledge.

Im Unterschied hierzu gibt es seit einigen Jahren auch die Möglichkeit des Crowd Investings. Ein Fanherz mag bei limitierten Vinylexemplaren zwar höher schlagen, viele Menschen hätten aber für ihr finanziertes Geld gerne einen (finanziellen) Mehrwert. Die Firma Cinedime bietet daher an, einen Teil des Gesamtbudgets, was für die Produktion eines Kino- oder Fernsehfilm benötigt wird, über Crowd Investing einzutreiben. Dies bedeutet, dass der Investierende einen Darlehensvertrag erhält und im Falle des Erfolgs an der Gewinnausschüttung des Filmprojekts beteiligt wird. Erreicht der geplante Film in der vorgegebenen Zeit die benötigte Finanzierungssumme jedoch noch, bekommt man einfach sein Geld zurück. Neben der Erlösbeteiligung gibt es je nach Höhe des investierten Betrags auch noch Dankeschöns, wie Filmplakate, Einblicke ins Drehbuch oder Premierenkarten.

Am 21. Oktober startet das erste Projekt des Münchner Unternehmens. Der Film „Lena Love“ ist eine Mischung aus Coming-of-Age-Story und Thriller und soll Anfang nächsten Jahres in den Kinos erscheinen. Hierfür braucht es noch mindestens 100.000€, die nun über Cinedime zusammenkommen sollen. In 100€-Schritten kann fünf Wochen lang investiert werden.




Da es noch viel mehr Bereiche gibt, in denen man kreativ werden kann, kümmert sich das in Dresden gegründete Unternehmen Startnext neben Film- und Musikprojekten, um alle Projekte im kulturellen Bereich. Da darf es auch mal eine verrückte Erfindung oder Technologie-Idee sein. Aber auch als Designer, Fotograf oder Games-Entwickler ist man hier richtig. Startnext will Künstler, Kreative, Erfinder und Gründer in Deutschland und Österreich als Plattform dienen. Was ich als Unterstützer zum Dank erhalte, ist von Projekt zu Projekt unterschiedlich. Geschäftsführerin Anna Theil verriet uns im Interview, dass das Crowdfunding für die Kickstarter neben der Finanzierung besonders den Vorteil bietet, dass sie ein direktes Feedback von möglichen Kunden und Käufern bekommen. So war es einem Erfinder aus Hessen möglich ein Projekt für einen Kran für Fotoapparate und Smartphones via Crowdfunding zu verwirklichen, nachdem er bei der Bank dafür erst keinen Kredit bekam. Nachdem das Projekt aber via Startnext so großen Zuspruch fand, bekam er dann noch einen Kredit oben auf. Auch nicht verkehrt ist es, wenn ihr euch für die Umsetzung eines Films für eure Abschlussarbeit Unterstützung über Startnext sucht. Was ihr dem Unternehmen dabei übrigens als Provision zahlt, bleibt euch überlassen. Denn ganz nach dem Motto „einer für alle, alle für einen“ werden auch sie selbst gecrowdfundet.



Bildquelle: Aaron Patterson // flickr // under cc-licence