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Mittwoch, 26. November 2014, 17:33 Uhr

MDMA, Generalschlüssel und Visadaten

Kunstprojekt aus der Schweiz bestellt im Darknet

Das Darknet ist sowas wie die anonyme Unterwelt des Internets. Hier bekommt ihr Drogen, Waffen, und angeblich sogar Kontakt zu Auftragskillern. In St. Gallen gastiert nun eine Ausstellung zu dem Thema.

Für die Ausstellung haben die Künstler der Mediengruppe Bitnik einen Bot geschrieben, der wahllos Dinge im Darknet bestellt. Aber darüber sprechen wir gleich, zuerst geht es mal um das Darknet. Für alle, die damit bisher nicht in Kontakt gekommen sind, klingt das wie eine abgefahrene SciFi-Idee, die irgendwo zwischen Edward Snowden und Gotham City Realität geworden ist. 

"Man sollte vorsichtig sein"

Rein kommt man am einfachsten über einen TOR-Server. TOR, das steht für The Onion Routing und bezeichnet ein wahnsinnig kompliziertes Verschlüsselungssytem. Ist man erstmal drin, 
sollte man genau wissen, wo man hinmöchte. Oder man geht über Linklisten, wie das Hidden Wiki. "Allerdings gelangt man hier schnell auf Seiten mit Inhalten, von denen man gar nicht wissen möchte, dass es sie gibt", sagt Andreas Hentschel, stellvertretender Chefredakteur vom Chip Magazin. Außerdem kann man sich schnell Viren einfangen. "Man muss halt vorsichtig sein, denn es droht die ein oder andere Gefahr, und wenn es nur die ist, dass man sich den Rechner verseucht."

Drogen, Waffen, sogar Auftragsmorde

Ursprünglich war die Idee, Leuten im Internet einen Raum zu geben, wo sie sich sicher und anonym austauschen können. "Dissidenten, Blogger, Journalisten, Systemkritiker - die waren diejenigen, die in den 90er Jahren das Darknet initiiert haben", erzählt Andreas Hentschel weiter. "Später kamen dann Leute dazu, die dunkle Geschäfte machen wollten. Man findet Drogenumschlagplätze, kann Waffen kaufen, man kann angeblich auch Morde in Auftrag geben, man findet Raubkopien von harmlosen Musikdateien bis hin zu harter Pornografie, man findet auch jede Menge Schnickschnack."

"Selbst die sicherste Verschlüsselung kann geknackt werden"

Geschützt durch die Anonymität gibt es eben auch diesen kriminellen Teil des Darknets. Aber selbst anonymisierte Menschen machen mal einen Fehler. Dann greift die klassische Polizeiarbeit umso mehr. Andreas Hentschel erzählt von der Silk Road, einem großen Drogen-Umschlagplatz. Auf dieser Seite wurden Drogen im Wert von mehreren Millionen Dollar umgesetzt. Letztenendes war es ein kleiner Dealer, der bei einer Drogenübergabe erwischt wurde und so ist alles aufgeflogen. Aber mal abgesehen davon - "selbst die sicherste Verschlüsselung kann irgendwann mal geknackt werden". 

collage darknet

Trotzdem, diese dunklen Seiten existieren. Das beweist nicht zuletzt das aktuelle Kunstprojekt einer Truppe, die ein Computerprogramm im Darknet einkaufen lässt - per Zufallstreffer. Bezahlt wird alles mit Bitcoins und die Waren, die dann tatsächlich auch ankommen, werden in einer Ausstellung in St. Gallen gezeigt. Mittlerweile gibt es da eine Visakarte, die für gerade mal 35 Dollar gekauft wurde. Oder zehn MDMA-Pillen für 48 Dollar. Oder Nike Air Yeezy2 für 75 Dollar. 

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Das skurrilste, das bisher aus dem Darknet gezogen wurde, war ein Generalschlüsselbund für die britische Feuerwehr. Andreas Hentschel überrascht das allerdings nicht. Er sagt: "Ich finds witzig, dass man ein Bild davon bekommt, was da so alles geht. Dass man da Drogen kaufen kann, ist hinlänglich bekannt." Viel wichtiger ist die Frage, die das Kunstprojekt daneben aufwerfen möchte: 'Wie wichtig sind anonyme Räume für die Gesellschaft?'. Diese Frage ist wichtiger denn je - allerdings ist auch die Antwort ernüchternder denn je. Andreas Hentschel meint: "Egal, wie stark eine Verschlüsselung ist - Geheimdienste haben die Möglichkeit und technische und finanzielle Mittel eine solche Verschlüsselung aufzudröseln und werden es auch tun."

Hier könnt ihr das gesamte Interview nachhören:




Bildquelle: !Mediengruppe Bitnik