Entdeckt
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Montag, 29. Dezember 2014, 00:00 Uhr

Müssen wir im Job ständig erreichbar sein?

"The person you called is temporary not available"

Was gibt es nervigeres, als einen Anruf aus dem Büro, wenn man gerade faul zuhause rumhängt? Wir haben uns die wichtigsten Fragen zum Thema Erreichbarkeit in der Freizeit beantworten lassen.


Wir geben es zu – wir stehen ja auch drauf: hier schnell ein Bild posten, dort unterwegs eine Adresse nachschlagen und schnell mal ein Anruf vom Rad aus. Das Handy wird höchstens zähneknirschend im Flugzeug ausgeschaltet (oder eben doch nur in den Flugmodus gesetzt). Wir haben uns daran gewöhnt, immer und überall mit der Außenwelt verbunden zu sein.

Aber alles hat auch seine Kehrseite: So ist Mutti zwar beruhigt, wenn man von der anderen Seite des Globus fix Bescheid gibt, dass man noch lebt, aber wenn der Chef um 20 Uhr abends noch durchruft, freuen sich nur die wenigsten. Und wer checkt nicht morgens nach dem Aufwachen schon seine Emails, um nicht ganz unvorbereitet im Büro zu erscheinen?

Dass man dadurch in seiner Freizeit eigentlich so gut wie nie zum Abschalten kommt und sich gedanklich umso weniger von seiner Arbeit löst, ist den meisten zwar auch klar. Aber viele Menschen befürchten auch, dass sie durch eine eingeschränkte Erreichbarkeit im Job in irgendeiner Form benachteiligt werden.

Wo kein Kläger, da kein Richter

Wir haben uns mit Rechtsanwalt Dr. Christian Velten aus Gießen darüber unterhalten, ob es auf Grund von der Verbreitung von Smartphones neue Gesetzte braucht, was die Erreichbarkeit im Job angeht. Er erklärte uns, dass die Problematik darin besteht, dass viele Arbeitnehmer in ihrer Freizeit freiwillig arbeiten oder dies aus Angst vor Benachteiligung tun. Es müsse also viel mehr überwacht werden, dass Arbeitgeber die Ruhezeit, die ihren Angestellten zusteht, respektieren und einhalten.

Erreichbarkeit im Urlaub

Wer zum Beispiel ein Diensthandy hat, darf das im Urlaub ausschalten. Rechtlich gesehen bliebe Urlaub eben Urlaub, so Dr. Velten bei uns im Interview. Niemand sei verpflichtet hier erreichbar zu sein. Jedoch kann von jemandem, der eine Führungsposition auf der Leitungseben innehat, verlangt werden, auf Grund der Verantwortung, die er trägt, erreichbar zu sein.

Wer im Urlaub für dienstliche Belange dennoch kontaktiert wird, dessen Urlaub ist rechtlich gesehen unterbrochen. Der Urlaubstag ist also eigentlich komplett zu streichen und neu zu gewähren, erzählte uns der Rechtsanwalt aus Gießen.

Erreichbarkeit im Feierabend

Urlaub ist die eine Sache. Aber für viele Leute bedeutet Feierabend, dass sie zwar zu Hause oder außerhalb ihres Arbeitsplatzes sind, aber dennoch geschäftliche Mails und Anrufe beantworten. Als Arbeitnehmer darf man jedoch rechtlich gesehen nur im Notfall außerhalb der Arbeitszeit kontaktiert werden. Regele ich während meiner Freizeit aber dienstliche Angelegenheiten, so ist dies eigentlich zu vergüten, erklärte uns Dr. Velten. Außerdem unterbricht eine Arbeitsleistung, die in der Freizeit absolviert wird, eigentlich die Ruhezeit, die jedem Arbeitnehmer zusteht.

Das Recht auf Freizeit

Dr. Velten erklärte uns, dass dieses Recht jedem Arbeitnehmer zusteht, man sich es aber  meist selbst "schaffen" muss. Im Endeffekt bleibt es jedem selbst überlassen, ob er auf Anrufe und Emails außerhalb seiner vorgeschriebenen Arbeitszeit (die normalerweise nur 8 Stunden beträgt) reagiert – denn verpflichtet ist er dazu nicht.

Wir haben euch hier die wichtigsten Fragen zum Thema Erreichbarkeit im Arbeitsrecht nochmal zusammengestellt:




Bildquelle: Dang Mobile Phones! | Let Ideas Compete | flickr cc by 2.0, Mobile Mobile | Sven Hoffmann | flickr cc by 2.0, Iced Tea at Georgia's | Ed Yourdon | flickr cc by 2.0