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Mittwoch, 28. September 2016, 05:00 Uhr

Über den Tellerrand

Was wir von anderen Ländern lernen können

Was die Schweden am laufenden Band produzieren, sind: gute Ideen. Dazu gehören jetzt auch Appartements für Fahrräder oder die Idee, Produkte neu zu verwerten. Darauf gibt es sogar Steuernachlass.

Verkehr
# Schweden - Biker-Appartements
Ein schlechtes Gewissen hat man ja schon, wenn man das gute Fahrrad draußen am Laternenpfahl im Regen anketten muss. In der ohnehin schon fahrradfreundlichen Stadt Malmö eröffnen im Dezember 2016 die ersten Wohnungen speziell für Radfahrer. Hier gibt es keine Parkplätze oder Tiefgaragen, dafür aber extrabreite Aufzüge für Fahrräder, Ladestationen für E-Bikes und eine interne Fahrradwerkstatt. Sollten die Mieter dann doch mal ein Auto brauchen, ist das auch kein Problem: Sie sind automatisch Mitglieder einer Carsharing-Firma. Die Wohnungen sind so gemacht, dass die Radfreunde ihre Einkäufe mit dem Fahrrad direkt vor den Kühlschrank rollen können. Neben den 55 neuen Wohnungen soll es außerdem noch 33 Motelzimmer mit Namen Cykelhuset Ohboy für Fahrradreisende geben.

# Schweden - Langsamer, aber sicherer
Während in den 90ern in Deutschland Verkehrspläne eher mit Rücksicht auf die Umwelt ausgerichtet wurden, legte Schweden den Schwerpunkt auf Verkehrssicherheit. In Schweden gibt es heute auf eine Million Einwohner 29 Verkehrstote im Jahr. In Deutschland 42. Grund dafür ist die im Jahr 1997 eingeführte Vision Zero: das Ziel von 0 Verkehrstoten. Verkehrsverstöße werden hart bestraft, Sicherheit steht über der Geschwindigkeit und sämtliche Verkehrspläne müssen von einem unabhängigen Sicherheitsauditor geprüft werden.

# Norwegen - Ab 2025 keine Neuzulassung von Benzin- und Dieselfahrzeugen
Weil das Rumdüsen mit Elektromotoren in Skandinavien mit Steuererleichterungen belohnt wird und man damit auch Busspuren befahren darf, ist heute schon jeder Vierte Norweger mit einem Elektroauto unterwegs - was dem Land allerdings noch nicht genug ist. Norwegen hat es sich nämlich zum Ziel gesetzt, ab 2025 keine Autos mit Benzin- und Dieselfahrzeugen mehr neu zuzulassen. Die Umweltbelastung durch den Verkehr soll damit bis 2030 halbiert werden! Hierzulande ist man noch etwas zögerlich, was die neue Autotechnik angeht, die Grünen haben lediglich vorgeschlagen, ab 2036 keine Diesel- und Benzinschlucker mehr zuzulassen.

# Norwegen - Fahrradautobahnen
Anfang März wurde außerdem verkündet, dass 850 Millionen Euro in zehn zweispurige Rad-Highways durch die Ballungsräume Norwegens investiert werden sollen, um die Zahl der Radpendler zu erhöhen und den Schadstoffausstoß auf die Hälfte zu reduzieren.
Was Ähnliches ist jedoch auch in Deutschland geplant: Zwischen Hamm und Duisburg soll ein 100-Kilometer langer Fahrradweg entstehen, bisher sind wir allerdings erst bei fünf Kilometern. Irgendwann soll das Netz durch ganz Deutschland führen und die Straßen von bis zu 50.000 Autos pro Tag entlasten. Die Kosten für den Mega-Fahrradweg liegen bei circa 243.717.474 Euro. Happig.

# Mexiko und Russland - Gratis U-Bahn-Ticket gegen Sport
2013 führte Moskau einen Ticket-Automaten ein, an dem man gegen 30 Kniebeugen ein gratis U-Bahn-Ticket erwerben konnte. Diese Innovation galt in erster Linie als Werbeaktion für die Olympischen Winterspiele in Sotschi 2014. Um etwas für die Gesundheit der übergewichtigen Bürger zu tun, hat Mexiko seit Januar 2015 genau dieses Prinzip aufgegegriffen. Gegen zehn Kniebeugen bekommt der Fahrgast ein gratis U-Bahn-Ticket. In Mexiko sind 70 Prozent der Erwachsenen und nahezu ein Drittel der Kinder übergewichtig bis fettleibig.

# England - Neue Fahrradwege über- und unterirdisch
Um die Straßen zu entlasten, Smog und Lärmbelästigung zu reduzieren setzt London jetzt vermehrt auf das Fahrrad als Transportmittel. Dazu sollen zwei sogenannte Fahrrad-Highways durch das Zentrum der Stadt gebaut werden. Dabei wird auch überlegt, stillgelegte U-Bahn-Tunnel künftig zu Radwegen auszubauen. In kleinerer Form gibt es das auch schon in Hamburg (Elbtunnel) oder auch in Kroatien (Lucantunnel). Ob das Fahrradfahren unter der Erde so angenehm ist, hängt allerdings stark von den dortigen Bedingungen ab. Falls dort gut gelüftet wird, hat das unterirdische Fahrradfahren auf jeden Fall den Vorteil, dass es dort wind- und regengeschützt ist.

# Niederlande - Selbstleuchtende Autobahnen und Fahrradwege
In den Niederlanden gibt es mittlerweile einen Streckenabschnitt einer Autobahn (N 329), der nachts solarbetrieben leuchtet. Die Fahrbahnstreifen wurden dort mit einer speziellen fotolumineszenter Farbe gestrichen, die sich tagsüber durch Sonnenlicht auflädt und nachts in einem bläulichen Grün leuchtet. Die leuchtende Autobahn sorgt damit für mehr Sicherheit, ohne die Umwelt zu belasten. Nach selbigem Prinzip funktioniert auch der selbstleuchtende Van-Gogh-Radweg, der auch auf der Messe VeloBerlin 2015 in Deutschland vorgestellt wurde.


Umwelt
#Steuernachlass auf Reparaturen




#Schweden – Picknick im Himmel
Sein Picknick darf man bald auch in mehreren Metern Höhe genießen. In Stockholm sollen alte Strommasten zu Picknickplätzen umfunktioniert werden. Weil das Abbauen der Masten zu teuer gewesen wäre, riefen die Betreiber einen Architektur-Wettbewerb aus. So kam es zu der Picknicker-Idee, die aus den alten Strommasten ein Wendeltreppenwerk mit Aussichtspunkten macht. Am Eingang befinden sich zusätzlich Kioske, die die Spontan-Picknicker mit den passenden Snacks versorgen.

# Frankreich - Supermärkte müssen nicht verkaufte Lebensmittel spenden
Auch die Franzosen haben letztes Jahr bei der französischen Nationalversammlung einen großen Schritt nach vorne gemacht: Einstimmig wurde entschieden, dass Supermärkte, die größer als 400 Quadratmeter groß sind, nicht verkaufte Lebensmittel entweder der Wohlfahrt spenden oder der Landwirtschaft für Viehfutter zur Verfügung stellen müssen. Eine tolle Maßnahme gegen die massive Verschwendung essbarer Lebensmittel. Allez les Bleus!

# Costa Rica - 100% sauberer Strom
Der Staat in Mittelamerika macht vor, wie es gehen könnte: 2009 hat Costa Rica bekannt gegeben bis zum Jahr 2021 100 Prozent sauberen Strom aus erneuerbaren, klimafreundlichen Energien erzeugen zu wollen. Dieses Ziel haben sie schon fast umgesetzt. Aktuell beziehen die Costa Ricaner 88 Prozent ihres Stroms aus erneuerbaren Energien, für einen Zeitraum von 75 Tagen gelang das sogar schon zu 100 Prozent.

# USA und Frankreich - Plastiktütenverbot
20.000 Plastiktüten werden schätzungsweise pro Sekunde weltweit produziert. In Deutschland verbraucht jeder durchschnittlich 71 Plastiktüten im Jahr. Als erster US-Staat hat Kalifornien nun ein Verbot von Plastiktüten verhängt. In mehreren größeren kalifornischen Städten sind Plastiktüten zwar schon länger verboten, aber ab Juli 2015 dürfen in Drogerien und Lebensmittelmärkten in ganz Kalifornien keine dünnen Plastiktüten mehr ausgegeben werden. Frankreich wollte ab 2016 auch mit diesem Verbot nachziehen.


Tierschutz
# Argentinien - Der Zoo von Buenos Aires lässt die Tiere frei
Dass Eisbären nicht nach Buenos Aires passen, weiß jedes Kind, deswegen gab es auch viele Beschwerden über die große Touristenattraktion. Generell sind Zirkus und Zoo ja ein sehr umstrittenes Thema. Das findet auch der Bürgermeister von Buenos Aires und entschließt kurzerhand, dass der Zoo geschlossen wird. Alle Tiere, die zum argentinischen Klima passen, werden in der Wildnis ausgesetzt. Ob die Tiere, die im Zoo aufgewachsen sind, das überhaupt überleben können, kam noch nicht zur Debatte...

Shura weiß wie man Tiere an die Wildnis gewöhnt.
Shura war zu Gast bei uns und hat uns unter anderem erzählt, dass sie für einen Monat im Amazonas unterwegs war, um einen Puma acht Stunden am Tag durch den Dschungel zu spazieren. Allerdings nicht primär aus Spaß und Abenteuerfaktor, sondern weil sie dem Puma dabei geholfen hat, sich an die Wildnis zu gewöhnen. Er wurde nämlich auch von einem Zoo gerettet, um wieder ausgewildert zu werden.



Bildung
# Finnland - Interaktiver Unterricht ohne Schulfächer
Aktuell befindet sich diese Bildungsreform zwar noch in einer Testphase, aber bis 2020 sollen in ganz Finnland die klassischen Schulfächer abgeschafft und stattdessen Themengebiete und Phänomene unterrichtet werden. Statt Frontalunterricht soll der Lehrstoff in Gruppen erarbeitet werden. 70 Prozent der Lehrer wurden bereits nach dieser Reform ausgebildet.

# China - Schulpartnerschaften
Shanghai gehört bezüglich der Leistung der Schüler zu den besten Schulsystemen der Welt. Jedoch muss man bedenken, dass diese Leistung unter enormen Druck entsteht, der nicht gerade abguckenswert ist. Ein Ansatz aus China gefällt uns allerdings sehr gut, nämlich die Idee der Schulpartnerschaften: Nach dem Prinzip der Pearson Foundation wird eine leistungsschwächere Schule einer leistungsstärkeren Schule zugeordnet, und von dieser betreut. Somit wird die Qualität der Schulen insgesamt verbessert.


Familie

# Irland - Homo-Ehe
Letztes Jahr haben sich die Bürger Irlands via Referendum - in klarer Mehrzahl - für die Heirat gleichgeschlechtlicher Partner entschieden. Ein großer Schritt Richtung Gleichberechtigung, der schon lange nötig war und nun auch andere Länder zum Nachdenken bringt. So wurde die Diskussion um die Homo-Ehe auch in Deutschland wieder aktuell - aber dennoch kontrovers. Der Regierung ging es bisher durchaus darum, die Rechte homosexueller Paare auszudehnen (zum Beispiel in Bezug auf Ehegattensplitting und Sukzessivadoption), mit wirklicher Gleichberechtigung hat dies allerdings nichts zu tun. Für die konservative Union ist die Ehe immerhin die urreligiöse Bindung zwischen Mann und Frau. Die Grünen hingegen wittern ihre Chance und wollen noch vor der Sommerpause 2015 einen Gesetzesentwurf zur Homo-Ehe in den Bundestag einbringen - Zustimmung gibt es auch von SPD, FDP und den Linken. Warum kann sich also nicht auf die Union endlich mal einen Ruck geben, sich von veralteten Werten entfernen und dem - übrigens ebenfalls sehr katholischen - Irland ein Vorbild nehmen? Wäre auf jeden Fall ein prima Wahlkampf Thema...

# Norwegen - Geteilte Elternzeit
Norwegen war das erste Land, das eine Väterquote eingeführt hat, durch die seit 1993 ein Teil der Elternzeit und des Elterngeldes den Vätern zusteht. Die Zeit beträgt zehn Wochen und mittlerweile teilen sich neun von zehn Vätern die Elternzeit mit der Mutter, die dadurch schneller in ihren Job zurückkehren kann. Norwegen legt übrigens generell sehr hohen Wert auf die Gleichstellung der Geschlechter und ist laut dem World Economic Forum eines der Länder, die diesbezüglich besonders fortschrittlich sind.

# Österreich - Gleichgeschlechtliche Paare und Adoption
Anfang des letzten Jahres hat das österreichische Verfassungsgericht beschlossen, dass es auch gleichgeschlechtlichen Paaren gestattet ist, gemeinsam ein nicht leibliches Kind zu adoptieren. In Australien, Südamerika, USA, Kanada ist dies in vielen Ländern/Staaten schon länger erlaubt, aber seit Ende 2015 sollte dies nun auch in Österreich möglich sein.


Sonstiges
# Österreich - Keine Gebühr an Geldautomaten
Wie oft überlegt man wo man noch schnell einen Geldautomaten von seiner Bank findet, bevor man ins Kino, zum Essen oder sonst wo hingeht. In Österreich ist das ein wenig praktischer, denn dort hebt man sowohl bei Automaten der eigenen als auch bei fremden Banken in der Regel kostenlos Geld ab.

# USA - Regenbotschaften
Jede Stadt hat Vor- und Nachteile. In Seattle regnet es beispielweise besonders viel. Wie man einen vermeintlichen Nachteil sinnvoll und kreativ in die Stadt einbindet, haben drei Künstler in Seattle gezeigt. Sie malten mit einer Wasser abweisenden durchsichtigen Farbe kleine Botschaften in der Stadt auf den Asphalt. Diese werden nur sichtbar, wenn sich der Boden um diese Farbe bei Regen dunkler färbt. Hätten wir gerne auch hier bei uns. Und keine Sorge, die Farbe ist biologisch abbaubar und nicht giftig.

Was andere Länder von uns lernen können
# Unser Pfandsystem
Saubere Straßen, umweltschonend und eine Möglichkeit für Obdachlose ein wenig Geld zu bekommen. Während es in anderen Ländern auf viele Flaschen und Dosen noch gar kein Pfand gibt, sondern die direkt in den Restmüll wandern, wird unser Pfandsystem immer besser organisiert. Es wird empfohlen, Pfandflaschen, die man nicht mehr mit sich herumtragen möchte, nicht in sondern neben dem Mülleimer zu entsorgen. So muss derjenige, der sie einsammeln möchte, nicht in den Mülleimer greifen. Zunehmend werden auch spezielle Mülleimer mit Pfandflaschenhaltern eingesetzt.

# Mülltrennung
Manchmal kommen wir uns fast ein wenig spießig vor, wenn wir unsere gefühlt tausend verschiedenen Behälter im Keller regelmäßig am Wochenende zum Wertstoffhof bringen. Wenn man mal Besuch aus dem Ausland bekommt, fällt einem durch die verwunderten Blicke erst auf, dass das nicht überall selbstverständlich ist. Für uns schon und da sind wir ein wenig stolz darauf.

# Hildesheim - Ampel-Pingpong
Hildesheim kümmert sich darum, dass seinen Einwohnern nicht langweilig wird. Wartende Fußgänger können sich nämlich dort die Wartezeit an der Ampel mit Street Pong vertreiben. Wenn auf der anderen Seite ebenfalls jemand wartet, können beide Wartenden über ein an der Ampel montiertes Touchpad bis zur nächsten Grünphase digital Ping Pong spielen. In Zeiten, in denen jeder nur noch auf sein eigenes Smartphone schaut, ist das auch ein super Tool mal wieder mit anderen Passanten in Kontakt zu kommen.

# St. Pauli - Urinabweisende Wandfarbe
In Hamburgs Party-District St. Pauli haben Anwohner regelmäßig mit einem beißenden Urin-Gestank zu kämpfen. Die Verursacher sind meist Partygäste, die nachts auf der Straße gegen Hauswände pinkeln. Um dem entgegen zu wirken, wurden einige Hauswände in St. Pauli mit einem sogenannten superhydrophobem Lack bestrichen, der Flüssigkeiten sowie sämtliche Verschmutzungen abweist. Außerdem wurden Schilder mit folgender Aufschrift aufgehängt: "Hier nicht pinkeln, wir pinkeln zurück!" Naja, ob das wirklich so vorbildlich ist, wird sich vielleicht erst herausstellen, aber kreativ und witzig ist es alle Mal.


Fallen euch noch weitere Dinge ein, die man von uns lernen könnte? Oder auch weitere Dinge, die wir von anderen Ländern lernen können? Schreibt uns gerne eine Mail an Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! mit euren Ideen.


Bildquelle: Flickr | "Flags" von Raja Habib | cc by 2.0

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