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Dienstag, 30. August 2016, 06:00 Uhr

Strandlektüre: "Eine Rose für Putin" von Thomas Wendrich

Kinderraub und Kreativwahn

Sehr viele Blumen kommen in diesem Buch nicht vor. Speziell keine Rosen. Dafür kommen Kinder auf seltsamen Wegen abhanden und Drehbücher entstehen in abgelegenen Häusern im Wald. Mit dabei: Vladimir Putins Pistole.

Thomas Wendrich schreibt Drehbücher, führt Theater- und Filmregie und ist nebenbei auch Schauspieler. Außerdem hat er jetzt auch noch seinen ersten Roman geschrieben. Als zentrale Figur hat er sich dabei einen Drehbuchautor ausgedacht. Johann Stadt heißt der Mann, und er hat sich mit seinem Regisseur in ein abgelegenes Haus zurückgezogen, um in Ruhe den Stoff für einen neuen Film zu bearbeiten. Hierfür soll ein historischer Fall als Vorlage genutzt werden: In der Nähe von Görlitz wurde in den 80ern das kleine Mädchen Rose entführt. Kurze Zeit später wird ein anderes Mädchen, gefunden – es hat Roses Beißring und ist wahrscheinlich aus der Sowjetunion. Alles spricht dafür, dass die zwei Mädchen vertauscht wurden. Der Fall konnte nie aufgeklärt werden.

Und dann fängt es langsam an, seltsam zu werden: Nachts fallen Schüsse, Johann Stadt muss flüchten, der Regisseur ist wahrscheinlich tot. Am nächsten Morgen rückt sich alles wieder zurecht, der Regisseur ist auch wieder da und die Ideen für das Drehbuch können weiter besprochen werden. Die Geschichte aus den 80ern soll nämlich durch einen aktuellen Zeitstrang ergänzt werden. Wie wär es beispielsweise mit einem Lokalpolitiker, dem im Spieleparadies das Kind geklaut wird? Der Regisseur ist von Johanns Idee begeistert! Als Johann kurze Zeit später mit seiner Mutter telefoniert, erzählt sie ihm von einer Geschichte, die gerade durch die Zeitungen geistert: Einem Lokalpolitiker wurde in einem Spieleparadies das Kind geklaut. Und dann beginnt die Sache mit den Briefen, die Johann von seiner Mutter bekommt…

Die Ereignisse werden immer verschrobener. Macht es Sinn, dass der Regisseur panische Angst vor den Russen hat, weil er glaubt, dass der KGB den Film verhindern will? Und warum taucht jetzt auch im Fall des Provinzpolitikers ein kleines russisches Mädchen auf? Hat der Schwiegervater und seine Pharmafirma etwas damit zu tun? Und was zur Hölle ist mit diesem immer seltsamer werdenden Drehbuchschreiber los? Vielleicht bringt ja Kommissar Alvart ein wenig Ordnung und Licht in die Sache. Der steht nämlich eines Tages vor Johann Stadts Rückzugsort und hat ein paar Fragen.

Für zehnseiten.de hat Thomas Wendrich vorgelesen, wie Johann Stadt und der Regisseur im Landhaus zusammen den Drehbuchstoff entwickeln:



„Eine Rose für Putin” ist äußerst geschickt darin, den Leser zu Beginn in Sicherheit zu wiegen nur um dann ganz langsam den Boden unter den Füßen wegzuziehen. Die verschiedenen Handlungsstränge weben sich Stück für Stück zurecht, bis man ein grobes Bild davon hat, mit was für einer Geschichte man es zu tun hat. Aber erst auf den letzten Seiten erfährt man wirklich, wie der komplette Hase läuft. Ein Buch, wie ein Waldspaziergang. Alleine. Im Dunkeln. Und überall knirschen die Äste.

Erschienen ist „Eine Rose für Putin“ im Berlin Verlag.

Cover Wendrich Eine Rose für Putin  Thomas Wendrich
  Eine Rose für Putin
  320 Seiten
  ISBN: 978-3-8270-1263-0




















Das Buch gibt es hier.

Bildrechte Buchcover: © Berlin Verlag
Bildquelle Titelbild (Bild bearbeitet): Flickr |Chal Moos:"Hammock relaxation"| cc by 2.0