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Dienstag, 01. Dezember 2015, 00:00 Uhr

Buchtipp: „Der einzige Dorfbewohner mit Telefonanschluss“

von Elias Hirschl. Kein Anschluss unter dieser Nummer

In diesem Buch wird es ein wenig wahnsinnig. Denn der Erzähler ist gleichzeitig Schriftsteller und wird von seiner eigenen Schöpfung für tot erklärt.

Elias Hirschl ist Poetry Slammer und Musiker. Mit seinem ersten Buch ist er jetzt außerdem zum Schriftsteller geworden. Vielleicht ist diese Dreifachbelastung der Grund für den Wahnsinn, der einem in „Der letzte Dorfbewohner mit Telefonanschluss“ aus jeder Zeile entgegenspringt.
Wahrscheinlicher ist allerdings, dass Elias Hirschl sein verqueres Denken ziemlich gut als kreative Schaffensgrundlage nutzen kann. Was dabei rauskommt ist an manchen Stellen eine ziemliche Herausforderung für den Leser. Besonders auf den ersten Seiten wird man durch einen Wust an Schreib-Trotz gescheucht, der ziemlich deutlich macht, dass dem Schriftsteller/Erzähler seine Arbeit grad nichts so wirklich leicht von der Feder geht. Denn was man da so liest entbehrt jeder stringenten Erzählweise und Logik.

Dieser frustrierte Erzähler nennt sich Simon Gruber. Und dieser versucht im Jahr 1983 verzweifelt ein paar Sätze aufs Papier zu bringen. Da das irgendwie nicht läuft, rennt er regelmäßig zur Ablenkung an den Briefkasten, um seine Post zu sichten. Darin befinden sich ständig Unterlassungsklagen, die ihn dazu auffordern, seine unsachgemäße Anwendung von Erzählebenen, Metaebenen und Schachtelsätzen zu unterlassen und logische Lücken zu schließen. Als er seinen Protagonisten Johann Stieber an einem Herzinfarkt sterben lässt, schalten seine Romanfiguren einen Detektiv ein, um den Schriftsteller zur Verantwortung zu ziehen. Die Sache wird immer aberwitziger, als der Erzähler zweifach stirbt, in die Irrenanstalt eingeliefert wird, Besuch vom Pfarrer seines Romans bekommt und seine eigene Frau in einer Fußnote verschwinden lässt. Zwischendrin wird immer mal wieder der einzige Dorfbewohner mit Telefonanschluss eingeschaltet.

Für zehnseiten.de hat Elias Hirschl eine recht zynische Stelle vorgelesen, in der Herrn Hansen für verrückt erklärt wird:



Über eins muss man sich im Klaren sein, wenn man dieses Buch zur Hand nimmt: Wir haben es hier mit einem Haufen Unfug zu tun. Was da so passiert ist ein wenig wirr und überkandidelt, und am Ende bleibt die Frage: Was zur Hölle habe ich da grad gelesen? Wer ein kleines literarisch-absurdes Erlebnis sucht, ist hier allerdings gut aufgehoben und sollte sich beherzt dem abseitigen Vergnügen widmen, sich von Seite zu Seite zu wundern. Denn in „Der einzige Dorfbewohner mit Telefonanschluss“ hält genug Irrsinn bereit, um auch die stärkste Konzentration aus der Spur zu bringen. Das Buch ist wie eine Volkszählung für Eintagsfliegen – wer hier einen Sinn sucht ist aufgeschmissen, wer es als absurdes Spektakel betreibt, darf sich an der Haltlosigkeit des Unterfangens berauschen.

Erschienen ist „Der einzige Dorfbewohner mit Telefonanschluss“ im Milena Verlag.

cover Hirschl Telefonanschluss  Elias Hirschl
  Der einzige Dorfbewohner mit Telefonanschluss
  137 Seiten
  ISBN 978-3-90295-022-2

















Bildrechte Buchcover: © Milena Verlag
Bildquelle Titelbild (Bild bearbeitet): Flickr |brewbooks:"Eclipse Bookstore Bellingham"| cc by 2.0