Entdeckt
denken
Mittwoch, 04. Juli 2012, 00:00 Uhr

Positives Handeln schlägt positives Denken.

Der psychologische Effekt des Tuns.

Jahre haben wir mit Selbsthilfegurus verschwendet, die uns weismachen wollten, mit positivem Denken könnten wir alles erreichen, was wir nur wollen. Von wegen. Jetzt weiß man, dass positives Handeln einen viel größeren Effekt auf unsere Psyche hat, als nur darüber zu fantasieren. Das hat jetzt eine Studie versucht zu beweisen.

„Du kannst das, du musst es nur wollen!“. So ein Bockmist! Wenn man will, dass etwas erledigt wird, soll man einfach mal machen. Da klingelt das Phrasenschwein zwar gleich doppelt, aber mehrere Studien belegen jetzt, dass positives Denken so gut wie gar nichts bringt. Im Gegenteil: Es verschlechtert sogar die Lage.

Harvard-Studenten sollten sich in einem Experiment jeden Tag vorstellen, dass sie gute Noten bekämen und später mal den Job ihrer Träume ergattern würden. Diese paar Minuten am Tag, in denen man nur positiv Denken sollte, hatten zwar einen Effekt, aber nicht den gewünschten: Die Noten wurden schlechter und am Ende landeten sie in Jobs, die weniger gut bezahlt waren.

Ein Experiment aus dem Jahr 1979 hingegen zeigt, was positives Handeln alles bewirken kann. Damals wurden alte Herren, die alle schon in ihren 70ern waren, dazu aufgefordert eine Woche lang so zu tun, als seien sie noch in ihren 50ern und auch in 1950er Jahren. Sie durften über nichts reden, was nach 1959 passiert war und sollten sich 20 Jahren jünger verhalten. Gehen ohne Stock zum Beispiel, Koffer selber die Treppe hochtragen und im Bus nicht auf den Sitzplatz beharren.

Nach Ablauf der Woche war erstaunlicherweise festzustellen, dass sie sich alle vitaler fühlten und sich schneller fortbewegten, sogar ohne Gehstock.

 


Die Quintessenz aus den Studien ist also: Nicht positives Denken, nicht sich mental zu etwas zwingen oder aufgesetzt positiv sein, sondern allein positives Handeln bringt uns weiter. Hier sind auch gleich noch einige Beispiele:

Glücklichsein:
Wenn man glücklich ist, lächelt man, wenn man traurig ist, weint man. Sagt man ja. Laut der Studie müsste es aber heißen, dass man durch Lächeln glücklich wird und durch Weinen traurig. Im Klartext: 20 Sekunden das breiteste Grinsen aufzusetzen lässt den Glückshormonpegel ansteigen.



Willenskraft:
Wenn ihr das Stück Kuchen oder die Zigarette vermeiden wollt, es euch mental einprügelt, aber das Gefühl habt doch nicht stark genug zu sein, spannt eure Muskeln an, lasst eure Hände knacken oder zerbrecht einen Bleistift. Macht irgendwas, wozu ihr Kraft braucht. Das hilft.



Diät:
Benutzt zum Essen eure schwache Hand. Das fühlt sich für euch ungewohnt an, ihr esst mit mehr Sorgfalt und mehr Aufmerksamkeit und dadurch bewusster und weniger.



Prokastination:
Zu deutsch: Aufschiebung. Ihr seid einer der Menschen, die alles auf den letzten Drücker machen? Fangt einfach an mit der Aufgabe. Beginnt mit einem kleinen, vermeintlich unwesentlichen Teil der Arbeit und ihr werdet den Ehrgeiz entwickeln es zu beenden.



Ausdauer:
Wenn ihr etwas leid werdet, zum Beispiel einen langen Artikel auf der Homepage eures Lieblingsradiosenders zu lesen, dann haltet euch nicht mit Durchhalteparolen auf, sondern nehmt Haltung an, verschränkt die Arme und LEST GEFÄLLIGST DEN ARTIKEL ZU ENDE! JEMAND HAT SICH GROßE MÜHE DAMIT GEGEBEN! Entschuldigung.



Selbstvertrauen:
Nehmt eine starke Pose ein. Setzt euch zum Beispiel an den Schreibtisch, nehmt eure Füße auf den Tisch, lehnt euch in eurem Stuhl zurück, verschränkt die Hände hinter dem Kopf und wippt. Oder stellt euch fest auf den Grund. Schultern zurück, Brust raus, Bizeps anspannen.



Neinsagerei:
Setzt auf weiches Mobiliar. Harte Stühle sind gleich hartes Benehmen. Wer auf weichen Stühlen sitzt, ist in Verhandlungen felxibler und entgegenkommender.



Schuld:
Wer sich wegen irgendwas schuldig fühlt, der „wasche seine Hände in Unschuld“. Oder noch besser: In Wasser. Bei schlechtem Gewissen hilft Händewaschen mit Desinfektionsmittel oder gleich eine schöne, lange Dusche.



Überredung:
Wenn ihr wollt, dass euch jemand zustimmt, nickt immer zwischendurch ganz unauffällig mit dem Kopf. Wenn ihr mit jemandem diskutiert, nickt ihr ja auch, um eure Aufmerksamkeit zu beteuern. Wenn ihr jemanden von etwas überzeugen wollt funktioniert das auch.



Liebe:
Öffnet euch! In einer Beziehung redet man ja offen über fast alles. Beim Dating sollte das genauso sein. Fragt euren Gegenüber auch persönliche Dinge und gebt Persönliches preis.



Noch ein letztes, selbstgewähltes Beispiel: Wir als egoFM stellen uns nicht nur vor euch die beste Musik zu spielen, sondern versuchen es auch. Jeden Tag.

Quelle/Bildquelle: The Guardian