Entdeckt
CoffeeToGoAgain
Freitag, 01. Juli 2016, 05:00 Uhr

Coffee to Go Again...again

So können wir auf die Einweg-Kaffeebecher künftig verzichten

300.000 Kaffeebecher wandern in Deutschland stündlich in den Müll, doch eine Münchner Studentin geht mit einer klugen Idee dagegen vor. Wir haben im April darüber berichtet und jetzt mal nachgefragt, was sich bisher so getan hat

Auf dem Weg zur Arbeit, in der U-Bahn, in der Mittagspause oder beim Sonntag-Nachmittags-Spaziergang in der Sonne. Der Kaffee in der Hand für unterwegs verkörpert unseren Lebensstil perfekt: Wir sind so beschäftigt und wichtig, dass wir keine Zeit haben, den Kaffee gemütlich zu Hause zu trinken. Andererseits achten wir selbstverständlich auf unsere Work-Life-Balance und wissen, wie wir uns etwas Gutes tun können. Mit dem Kaffee in der einen und dem Handy in der anderen Hand. Multitaskingfähig eben.

CoffeeToGo
Bildquelle: Nadine Heidrich | Coffee to go - Day 35/365 | cc by 2.0 via flickr

Ob dieser Lifestyle nun kritikwürdig ist oder nicht, sei dahin gestellt. Fakt ist jedoch, dass dieser Becher, den wir da in der Hand halten, eine durchschnittliche Lebenszeit von etwa 20 Minuten hat. Für diese 20 Minuten Kaffeegenuss unterwegs wird er hergestellt. Danach ist er Müll.

Auf die langweilenden Begriffe wie Wegwerfgesellschaft wollen wir hier verzichten, aber wer sich auch nur ein paar Minuten Gedanken darüber macht, kann eigentlich nicht mehr guten Gewissens einen Kaffee zum Mitnehmen bestellen (wollen wir aber!). Viele von uns zumindest können es nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr ohne schlechtes Gewissen.

Weil aber schlechtes Gewissen nicht weiterhilft, hat sich die Münchner Studentin Julia Post etwas überlegt, wie wir unseren Kaffee weiterhin unterwegs trinken können.


Die Idee hinter "Coffee To go Again"
Julia Post, die nach einer abgeschlossenen Ausbildung zur Hotelfachfrau jetzt Politikwissenschaft studiert, hat ein Logo mit der Aufschrift "Coffee To Go Again" entwickelt und dieses auf Aufkleber drucken lassen. Bäckereien, Cafés oder Ähnliches können sich die Aufkleber an ihre Tür kleben, wenn sie damit einverstanden sind, dass man bei ihnen einen eigens mitgebrachten Mehrwegbecher mit Kaffee auffüllen lässt, anstatt sich einen Einwegbecher vor Ort geben zu lassen.

Anfangs hat Julia lediglich die Bäckereien in ihrer Nachbarschaft im Münchner Giesing mit Aufklebern versorgt, mittlerweile werden auf ihrer Facebook-Seite mehr als 200 teilnehmende Läden gelistet, davon etwa 50 in München, sieben in Regensburg, sechs in Augsburg, drei in Nürnberg/Erlangen usw. Das Projekt hat sich mittlerweile deutschlandweit ausgebreitet. Natürlich möchte die Politikstudentin die Müllproduktion reduzieren und generell ein Bewusstsein für die Becherverschwendung schaffen. Aber sie hat auch eine politische Motivation:

Das ist jetzt nicht einfach nur eine Aufkleberaktion, sondern da steckt schon eine politische Forderung dahinter. Aktuell ist es zwar nicht verboten, Mehrwegbecher aufzufüllen, aber es ist auch nicht explizit erlaubt. Ich fordere, dass es erlaubt wird. (Julia Post)
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Julia Post hat uns im Studio besucht und uns über ihr Projekt berichtet. Mit den von ihr dagelassenen Aufklebern sind wir auch gleich mal zu unserem Bäcker nebenan marschiert und haben uns dort einen Kaffee im eigenen Becher ausschenken lassen. Könnt ihr auch, wenn ihr wollt.

Die Erfolgsgeschichte:

Inzwischen läuft das Projekt schon seit einiger Zeit. Julia hat uns erzählt, was sich inzwischen schon getan hat:



Über 200 Teilnehmende Cafés und die hohe Nachfrage nach eigenen Bechern und Infomaterial sprechen für die clevere Geschäftsidee. Inzwischen ist das allerdings mehr, als die Studentin ehrenamtlich stemmen kann, deshalb wird's also bald auch eine Crowdfunding-Kampagne geben.

Bis dahin kann man sich bei einer Veranstaltungsreihe zu den Themen Nachhaltigkeit und moderner Lebensstil schlau machen. Die treffen nämlich im Kaffeebecher zusammen. Die sechs Veranstaltungen finden im Juli in Cafés statt, die beim Projekt mitmachen. Man kann sich also bei einer gemütlichen (Mehrweg)Tasse Kaffee zusammensetzen uns gemeinsam Gedanken machen. Alle Veranstaltungen und bals auch den Link zur Crowdfunding-kampagne findet ihr hier auf der Facebook-Seite.

Wie kann ich dieses Projekt unterstützen?

Ihr könnt erstens mit wachen Augen durch die Gegend laufen und vorzugsweise bei den Läden euren Kaffee kaufen, bei denen ihr euren Mehrwegbecher auffüllen lassen könnt. Die Läden erkennt ihr an den Aufklebern mit dem "Coffee To Go Again" Logo. Auf dieser Map könnt ihr euch auch schon vorher einen Überblick verschaffen, wer in eurer Stadt mit dabei ist.



Eure Stadt ist noch nicht vertreten? Oder zumindest euer Bäcker an eurer Bushaltestelle oder an eurer Uni noch nicht? Fragt ihn doch einfach. Kontaktiert Julia auf Facebook und sie wird euch Aufkleber zukommen lassen (natürlich freut sie sich über euer beigelegtes Rückporto, damit sie dieses Projekt noch lange ehrenamtlich weiterführen kann). Mit den Aufklebern geht ihr dann zu dem Bäcker/Café, bei dem ihr normalerweise euren Kaffee holt. Willigt er ein, den Aufkleber aufzuhängen, macht bitte ein Beweisfoto und schickt es wiederum an Julia, damit sie diesen Laden in die Map mitaufnehmen kann. Auf Facebook bekommt er außerdem mit dem Foto eine Nennung.


Das komplette Interview mit Julia Post